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Münchner Begegnungen

Manchmal, man könnte fast sagen viel zu selten für diese Millionenstadt, trifft man die Einheimischen, hier geborenen und aufgewachsenen Münchner – und wenn man ihnen zuhört, erfährt man ihre München-Geschichte. So durfte ich gestern bei meinem ungeplanten Abstecher in den Nymphenburger Schlosspark eine Spaziergängerin kennenlernen.

Die sich lautstark über den Vandalismus an den längst nicht mehr 100 goldenen Kini-Büsten vor dem Schloss beschwerte, „das kann doch nicht sein, das war doch unser König, da muss man doch was tun.“ Recht hat die, denn immerhin hat der Künstler Prof. Ottmar Hörl sein Kunstwerk zum 173. Geburtstag des Märchenkönigs ganz sicher nicht der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, damit sich jemand mit einem Edding und, bitte den Ausdruck zu entschuldigen, saublöden Kommentaren zu verewigen …

80 Jahre ist sie alt, aussehen tut sie aber deutlich jünger. Eine gebürtige Milbertshofenerin ist sie, hat mehr als 40 Jahre am Schloss gewohnt. Und sie besucht bei jedem Wetter ihren Park. Nächste Woche nimmt sie mich mit und zeigt mir die Eulen. Was ich mich freue. Ich werde berichten.

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Münchner Balkongeschichten 2017

Heute war ein langer Arbeitstag, der vorletzte für diese Woche und vor dem Urlaub. Das Perfektionisten-Ich hat das gechillte Sommer-Ich ausgestochen … deshalb sitze ich, pappsatt nach einer großen Portion Pasta randvoll mit abendlichen Glücks-Kohlenhydraten, auf meinem lauschigen Balkon. Zur Abwechslung bin ich nicht allein, tatsächlich zähle ich ganze 5 Mit-Draußensitzer. Schön, so, diese laue Sommernacht, die uns alle nach draußen treibt.

Doch … Moment mal: eine kleine Irritation gibt’s. Schließlich „kenne“ ich die Nachbarschaft. Im Haus mit Namen, im nahen Nachbarhaus die Gesichter. Und da sitzt der zwar noch neue, aber mir bekannte Herr Nachbar statt wie gewohnt mit der bekannten Frau Nachbarin mit einer mir Unbekannten. Sehr nett plaudernd, laut lachend.

Als die beiden mich bemerken verschwinden sie in der Wohnung, Rollos runter … vor etwa 20 Minuten verlässt die mir jetzt nicht mehr ganz Unbekannte das Haus. Vor so 10 minuten kam die mir Bekannte nach Hause. Jetzt sitzen die beiden mir Bekannten draußen. Schweigend.

Ich hab dazu auch nix zu sagen und konzentrier mich jetzt lieber auf den Abendstern, den sieht man so gut von meinem Balkon aus …

Sonntagsfreude: Mädelswochenende

p1110227Die Nichte hat zum Geburtstag einen Ausflug mit mir in die Lieblingsstadt Landshut geschenkt bekommen, auf die Burg Trausnitz zu einer weihnachtlichen Führung. Deshalb hat sich das Chaosteam gestern bei strahlender Wintersonne auf den Weg gemacht. Im Auto haben wir die Kilometer rückwärts gezählt, schaffen Erstklässler schon fast fehlerfrei … der kleine Tierpark im Hofgarten bot keine Überraschung, dafür kann man am Ochsenklavier super balancieren.

p1110262Als uns 3 Ritter zu Pferd entgegenkamen hielt ich das für Teil des Programms, erst später wurde klar, dass eine Filmcrew unterwegs war – und wir zwei mittendrin. Und der Herr Luther war auch da, also natürlich ein Schauspieler. Man war das spannend, ich musste xtausend Bilder machen, zum Glück sind nicht alle gut.

p1110233Mit Verspätung führte uns ein mittelalterlich-gekleidetes Grüppchen dann auf den Söller, ein sensationeller Blick auf die weihnachtlich geschmückte Stadt, dann wurden wir Raum für Raum durch alte Tradition und Brauchtum des Advents geleitet. p1110270Die Geschichte zu den Barbarazweigen, Schnuppern an weihnachtlichen Gewürzen, die Entstehung des Namens Pfeffersack, die Erfindung von Lebkuchen, die ursprünglich hart waren – dazwischen gabs ein paar Nüsse. p1110276Weiter mit Äpfeln, die mit Stecken zum Kerzenhalter wurden, einem Spinnrad samt Spinnerin, Klöpfeln, das mit Wurst und Spekulatius belohnt wird, sowie der Klärung der Frage, p1110273was denn jetzt stimmt: Nikolaus, Weihnachtsmann oder Christkind …

Eine sehr Landshutbezogene Weihachtsgeschichte gab es über den übermütigen Hofnarren, der zu Weihnachten beim Üben plötzlich den Teufel als p1110281sein Spiegelbild sieht und darüber so erschrickt, dass es ihm die Sprache verschlägt. Erst ein Jahr später findet er seine Stimme wieder, nur die Schimpfworte, die bleiben weiterhin stumm …

p1110290Auch ein paar Raunachtsfratzen haben wir näher kennengelernt, zukünftig werde ich den blutigen Thomas, die grässliche Lutz und die zwei Fratzen der Frau Percht zwischen den wilden Perchtengesellen ganz bestimmt erkennen. Und geräuchert haben wir auch, in einem alten „Bügeleisen“ … Begleitet wurde die Führng durch Sagen und Geschichten der Weihnacht von alten Instrumenten, Dudelsack, p1110295Laute und Schalmei,  am Ende ertönte ein mittelalterliches Marienlied auf der Orgel der Burgkapelle.

Auf der Heimfahrt haben wir Rudolph-the-red-nosed-reindeer auf einem Busch entdeckt, die Kilometer nach Hause gezählt und mit den Großeltern eine ordentliche Brotzeit mit p1110286kleingehacktem Geräuchertem auf Butterbrot verputzt. Leckerschmecker. Danach durften Oma und Tante bei zwei Folgen Mia and Me keinen Mucks machen, im Anschluss ging’s für die Nichte ins Bett, die Tante freute sich über den ersten Weihnachtsfilm des Jahres: „Liebe braucht keine Ferien“.

p1110235Der Sonntag startet mit fröhlichem Gegacker, ausgiebiger Analyse, wieso das Pferd des einen Ritters gestern so unruhig war, wieso dies, wieso jenes, … eben haben wir Spiegeleier gefrühstückt, für die Nichte „schön glibberig“, für die Tante beidseitig durch, so wie es jede eben mag. Jetzt schauen wir uns das Wetter an und entscheiden, wie wir den  Sonntag rumbringen. Schön, so ein Mädelswochenende!

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita.

Familiengeschichten: Baustelle

Ein Morgen unter der Woche, meine Eltern sind bereits wach, liegen plaudernd im Bett und warten auf den Wecker, um halb 8 kommen Handwerker. Es klingelt an der Tür, der Papa ist empört, wer bitteschön klingelt so früh? Es sind die Handwerker, 10 nach halb 8 – hm, schuld ist der, der vergessen hat, den Wecker zu stellen? Weit gefehlt: schuld ist meine Mutter, weil die jetzt immer mit Rolladen schlafen will. „Da soll ein Mensch wissen, wie spät es ist …“

Obwohl er wunderschön ist, wir müssen den Dachboden rausreißen. Die Bretter sind alt, faulen durch, … Auch wenn mein Herz geblutet hat, der obere Teil des Fellbodens muss raus. 3 Geschwister arbeiten, 1 sagt, dass jetzt keiner mehr auf eine Reihe Bretter darf. 10 Minuten später bin ich mittendrin im Sperrgebiet, breche fast durch. Entschuldigung, was muss ich mir noch alles merken? Bin schließlich ganz die Tochter meines Herrn Papa. Pffffh. Einen Tag später bricht mein Bruder – zwar an anderer Stelle – aber wirklich durch die Decke. Zum Glück stand drunter ein Schrank, auf dem und auf seinem Hintern ist er mitsamt der Latten „sicher“ gelandet. Glück gehabt, ziemlich viel sogar. Und ja, wir lachen immer noch.

Meine Mama hatte ihre Freundinnen zum Geburtstagnachfeiern in die Übergangswohnung eingeladen. Natürlich wollte die neugierige Truppe die Baustelle besichtigen, wo aber gerade einer am arbeiten war. Und für die Unterbrechung null Verständnis hatte – vor allem, weil er erst ein paar Minuten vorher wieder angefangen hat zu arbeiten. Davor war ihm eine Dichtung am Schlagbohrer gebrochen, er in Verzug, die Laune … Viel lustiger wäre natürlich gewesen, wenn das passiert wäre, als die Damen kamen? Sicher ein Bild für die Götter, wie sie dem wild züngelnden Schlauch aufgescheucht entflohen wären? Schade eigentlich … (Und ja, ich bin auch für absolutes Baustellenverbot für alle, die da nichts zu suchen haben! Wenn alles fertig ist gibts genug zu sehen. Und Punkt.)