Archiv der Kategorie: [kinderkram]

Paula und der Schneetag: Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Ganz früh ist Paula heute wach geworden. Neugierig tappst sie im Wohnzimmer zur großen Glastür mit Blick in den Garten – und tatsächlich: sie hat sich nicht nur eingebildet, dass draußen etwas anders als sonst ist. Große weiße Flocken segeln langsam vom Himmel und hüllen alles wie Watte ein. Bis ihr Herrchen wach wird kann sie es vor Ungeduld kaum erwarten – als dann endlich Schritte aus dem Schlafzimmer ertönen hält sie es nicht mehr aus. Laut bellend tanzt sie vor der Tür auf und ab – und tatsächlich: Herrchen Andi kommt fröhlich grinsend auf sie zu. „Na, Paula, willst du raus, in den Schnee?“ „Ja, ja, ja, mach schnell,“ kläfft sie fast schon atemlos.

Als sich die Tür öffnet rennt sie so schnell sie kann hinaus und springt kopfüber mitten hinein in die weiße Pracht. Ach ist das schön. Sie trabt durch den ganzen Garten, überall hinterlässt sie eine Spur. Ist. Das.Schön. Paula tanzt vor lauter Glück. Und so schön ruhig ist alles. Als ob die ganze Welt still stehen würde. Kein Laut ist zu hören, kein Auto, keine nervenden „Mitbewohner“ wie Vögel – einfach gar keine Geräusche sind zu hören …

Oh, doch. Da hört sie etwas. Sie läuft in Richtung des Gartenzauns. Und identifiziert, dass auch die Nachbarsmädels es wohl nicht mehr drinnen ausgehalten haben. Fröhlich stürzen sie sich in den Schnee, legen sich hin und bewegen Arme und Beine. „Schau mal, das sind Schneeengel,“ erklärt die Große der Kleinen. Und beide lächeln ganz glückselig.

Jetzt beginnen sie, kleine Schneekugeln durch den Garten zu rollen. Immer mehr Schnee bleibt kleben, die Kugeln wachsen. Nachdem die erste fertig ist wiederholen sie die Prozedur noch zwei mal und packen die etwas kleineren Kugeln obendrauf. Jetzt sammeln sie Äste und Zweige, das sollen Arme werden. Danach stecken sie ein paar Kastanien als Augen, Mund und Knöpfe. Zuletzt klauen sie den Hasen eine Karotte, die wird zur Nase. Jetzt darf eine alte Mütze und ein Schal auf den Schneemann – der ist wirklich schön geworden.

Als die kleinen Damen dann mit Skiern aus dem Haus kommen und die Treppenstufen von der Veranda zur Trainings-Skisprungschanze umfunktionieren trollt sich Paula – sie staubt noch einmal mit voller Geschwindigkeit durch „ihren“ Schneegarten. Jetzt ist ihr davon kalt geworden. Sie geht zurück ins Haus und fläzt sich in ihrem Körbchen. Hach, das ist schon herrlich, so ein Schneetag mit allem drum und dran – und danach drinnen aufwärmen. Uns gehts schon gut, denkt Paula, ehe sie ein genussvolles Nickercken macht …

Paula und der Weihnachtsstern: Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Dieses Jahr ist Weihnachten besonders – oder besser: anders. Das weiß Paula von ihrem Herrchen Andi. Der erzählt beim Gassigehen ja gern, was ihm so auf der Seele liegt. Und Paula ist eine tolle Zuhörerin. Manchmal schweigt sie, manchmal antwortet sie bellend. Und ganz oft grinsen sich die zwei dann wie alte Verschwörer an, in einem stillen Einvernehmen.

Die letzten Wochen war Andi hin und her gerissen. Denn eigentlich möchten Frauchen Karin und Herrchen Andi zu Weihnachten alle einladen. Das sind aber ganz schön viele, weit mehr als zwei Haushalte. Und das ist gar nicht so erlaubt.

Deshalb hatte eine Schwiegertochter eine schöne Idee: gerade gibt es eine besondere Sternenkonstellation. Saturn und Jupiter „begegnen“ sich. Also nicht wirklich, aber von der Erde aus gesehen wird es so aussehen. Und wenn die zwei aufeinandertreffen, dann wird es so aussehen, als ob ein Stern besonders hell leuchtet. Das passiert um Weihnachten herum, deshalb sollen alle an dem Tag ganz besonders aufpassen. Und per Online-Videokonferenz treffen sich alle, um den Weihnachtsstern gemeinsam zu bewundern.

Gesagt, getan – am besagten Abend sind Andi und Karin mit Paula im Garten und halten Ausschau. Sie winken den Nachbarsmädels, die ebenfalls auf dem Beobachtungsposten sind. Leider sind dichte Wolken aufgezogen und ein bisschen Nebel auch. Vom hellen Stern ist weit und breit nichts zu sehen … Erst sind alle ein bisschen traurig. Aber dann überwiegt die Freude, etwas miteinander gemacht zu haben. Und das Online-Videokonferenzen findet Paula gaaaaanz prima – sie begrüßt schwanzwedelnd alle Lieben im Bild und macht bellend kleine Kunststückchen. Dafür bekommt sie einen Sonderapplaus.

Ach, der Stern war ein schöner Anlass, auch wenn er sich versteckt hat. Wahrscheinlich macht ihm Verstecken spielen großen Spaß?

Paula und der Eisvogel: Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Seit ein paar Wochen fühlt sich Paula öfter mal beobachtet, wenn sie mit ihrem Herrchen Andi den Weg am kleinen Bachlauf entlanggeht. Fast ein bisschen unheimlich ist es ihr. Häufig meint sie, dass da etwas blaues fliegt – aber so richtig einschätzen kann sie das, was sie sich vielleicht auch nur einbildet, nicht.

Heute ist ein besonders schöner Tag. Die Sonne strahlt vom eiskalten, glasklaren Himmel. Schön ist das. Herrchen Andi setzt sich deshalb auf die Bank, die vor einer kleinen Schleife im Bachlauf steht. Beide Spaziergänger, Herrchen und Hundemädchen schließen die Augen und lassen sich die Sonne auf den Pelz scheinen. Tut das gut, hach.

Da, Paula blinzelt. Auf einem Ast glitzert etwas. Noch leuchtend blauer als der Himmel ist das kleine Wesen. Erst öffnet sie ein Auge, dann auch das zweite. Andächtig sagt sie: „Du bist aber schön. Was für ein wunderbares blau, und orange, und dazwischen ein paar weiße Federn. Und die Zeichnung. Du bist wirklich besonders schön.“ Ehrfürchtig bestaunt sie das kleine Wesen mit seinem außerordentlich schönen Federkleid …

Der Vogel antwortet nach einem kurzen, vorsichtigen Zögern. „Ansichtssache. Dir gefällt, was du siehst, ich muss aber besonders vorsichtig sein, weil ich so auffällig leuchte. Im Sommer kann ich mich gut verstecken, aber jetzt über den Winter sieht mich jeder …“. „Ach, dann spielst du mit mir schon die ganzen letzten Wochen verstecken? Jedes Mal, wenn ich einen leuchtenden Punkt entdeckt habe, warst das du. Aber bis ich etwas erkennen hätte können, warst du schon längst wieder weg. Keine Sorge, dich entdeckt man nicht so leicht.“ meint Paula.

„Wenn man es so sieht, hast du recht. Und gut, dass du mir das sagst, denn vor allem wenn ich Hunger habe, bin ich immer nicht sicher, ob meine Vorsicht ausreichend ist“ antwortet der Eisvogel. „Dann lass uns das ab sofort als unser Spiel sehen,“ schlägt Paula vor. „Gerne,“ antwortet ihr neuer Freund, „und manchmal werd ich mich dir auch zeigen. Aber du weißt ja, dass ich trotzdem um dich herum bin, auch wenn ich mich nicht blicken lasse.“

Paula freut sich – und ein kleines bisschen ist sie auch erleichtert, dass sie sich nichts eingebildet hat. Ab sofort weiß sie, dass sie ihren kleinen farbenfrohen Freund, den Eisvogel, auch dann an ihrer Seite hat, wenn sie ihn nur für einen winzig kurzen Augenblick wahrnimmt. Wie ein guter Freund, der auch nicht immer bei dir sein kann, aber dich im Herzen immer begleitet …

Paula und die Wanzen: Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Es ist Herbst, die Tage werden jahreszeitlich kürzer. Deshalb drehen Paula und Herrchen Andi grad je eine Runde am Morgen, die zweite ist schon nach dem Mittagessen, damit sie beide nicht in die Dunkelheit kommen. Den restlichen Nachmittag verbringt Paula gern dösend in den warmen Sonnenstrahlen auf der Terrasse. Die letzten Tage fühlt sie sich dabei aber gestört. Grund sind Wanzen. Nicht eine oder zwei. Nein, eine ganze Horde bevölkert die sonnige Hauswand. Und anstatt in Ruhe zu dösen, wie Paula das gerne tun würde, kommen die untereinander nicht so recht miteinander klar.

Schon wieder tönt es „Iiich war aber vor die hier, also verzieh dich.“ „Iiiich bin aber schon viel öfter hier gewesen, deshalb verzieh du dich.“ „Pah, ihr beiden habt überhaupt nichts hier zu suchen, das ist der Platz, den ich mir ausgesucht hab.“ Und eine vierte schreit auch noch rein: „Hauswand ist einmal im Jahr, das lass iiiiich mir von euch nicht vermiesen.“

Paula seufzt. Und weil es sie heute echt stört fragt sie nach: „Sagt mal, wo kommt ihr denn plötzlich her?“ „Übers Jahr wohnen wir in den Bäumen und Sträuchern. Da ist es auch recht schön. Aber jetzt im Herbst ist es an der Hauswand so schön warm, da ist es uns hier lieber,“ antwortet eine. „Und warum müsst ihr euch jetzt genau streiten? Die Wand ist doch riesengroß, da habt ihr alle reichlich Platz, ohne euch in die Quere zu kommen?“ Ganz empört reden jetzt alle durcheinander … irgendwann konzentriert sich Paula auf die Wanze, die ihr am nächsten ist, „… was denkst du denn? Ganz klar: ich hab den schönsten Platz verdient. Und garantiert lass ich mich da nicht vertreiben. Iiiiiich doch nicht. Pah, was denkst du denn?“

So oder so ähnlich sind die Fetzen, die Durcheinander an Paulas Ohr gelangen. Von jeder Wanze. „Tja, wenn ihr so gern streitet, dann macht einfach weiter so,“ sagt Paula missmutig und trollt sich an ihr alternatives Sonnenplätzchen am Teich. Sie horcht und grinst vergnügt. Ist das schön einsam, friedlich und ruhig hier. Zufrieden legt sie den Kopf auf die Vorderpfoten und genießt dösend den herbstlich warmen Sonnenschein.