Schlagwort-Archive: nachbarschaft

Das mit der Umgebung

Als Patenkinder und Eltern vor ein paar Jahren aus der Schweiz zurückgekommen sind hatten sie Glück: sie haben ein Haus im Münchner Osten zur Miete bekommen. In der gewünschten Umgebung, eine ruhige Seitenstraße, ein kleiner Garten, gute Lage zu Kindergarten und Schule, Einkaufen geht zu Fuß, nur 100 Meter zur Bushaltestelle … das alles in einer guten Größe und bezahlbar. Klar, dass sie schnell wieder zu Hause waren. Und sich in ihrer Umgebung einfach nur wohlgefühlt haben.

Seit Monaten ist es aber alles andere als gut. Im Nachbarhaus geht es im wahrsten Sinn des Worts drunter und drüber. Statt einer netten Nachbarschaft ist die Wohnsituation eine sehr belastende Angelegenheit geworden. „Regulär“ scheinen nach einem Eigentümerwechsel ein paar Damen im Haus zu „wohnen“, mit oft wechselnden männlichen Besuchern. Vor allem in den Abend- und Nachtstunden ist es laut, so laut, dass an Schlaf nicht zu denken ist. 

Eltern und Patenkinder leiden unter der Situation, unter dem anhaltenden Schlafmangel – unter der mittlerweile oft auch bedrohlichen Situation. Denn die neuen Nachbarn reagieren auf die wegen nächtlicher Ruhestörung immer wieder gerufene Polizei mit Aggression. Trommeln gegen die angrenzenden Wände, drehen die Musik hoch, schreien, fluchen, pöbeln, Rüpeln. Fährt die Polizei vor ist es dann plötzlich stumm …

In einer Siedlung ist man nicht allein, alle anderen Anwohner fühlen sich gestört. Ja, man kann sich seine Nachbarn nicht aussuchen. Aber wie lang kann man so eine Wohnsituation ertragen? Vor allem als Familie mit zwei Kindern, die ganz genau hinsehen, nicht alles verstehen, aber von der Situation voll mit betroffen sind. Natürlich sind längst Prozesse angelaufen, Anwälte eingeschaltet – bleibt zu hoffen und wünschen, dass die Mühlen der Justiz in diesem Fall ganz besonders schnell mahlen!

Münchner Balkongeschichten 2017

Heute war ein langer Arbeitstag, der vorletzte für diese Woche und vor dem Urlaub. Das Perfektionisten-Ich hat das gechillte Sommer-Ich ausgestochen … deshalb sitze ich, pappsatt nach einer großen Portion Pasta randvoll mit abendlichen Glücks-Kohlenhydraten, auf meinem lauschigen Balkon. Zur Abwechslung bin ich nicht allein, tatsächlich zähle ich ganze 5 Mit-Draußensitzer. Schön, so, diese laue Sommernacht, die uns alle nach draußen treibt.

Doch … Moment mal: eine kleine Irritation gibt’s. Schließlich „kenne“ ich die Nachbarschaft. Im Haus mit Namen, im nahen Nachbarhaus die Gesichter. Und da sitzt der zwar noch neue, aber mir bekannte Herr Nachbar statt wie gewohnt mit der bekannten Frau Nachbarin mit einer mir Unbekannten. Sehr nett plaudernd, laut lachend.

Als die beiden mich bemerken verschwinden sie in der Wohnung, Rollos runter … vor etwa 20 Minuten verlässt die mir jetzt nicht mehr ganz Unbekannte das Haus. Vor so 10 minuten kam die mir Bekannte nach Hause. Jetzt sitzen die beiden mir Bekannten draußen. Schweigend.

Ich hab dazu auch nix zu sagen und konzentrier mich jetzt lieber auf den Abendstern, den sieht man so gut von meinem Balkon aus …

Der Buchhändler ihres Vertrauens 

Es gibt diese Abende im Freundeskreis, die sich aller Vorfreude wert erweisen. An denen gemeinsam geschlemmt, getrunken, gelacht und genossen wird. Manchmal aber noch viel mehr. Kürzlich durften wir zu viert einen Abend beim kleinen Italiener in der Nachbarschaft genießen. Hier geht’s chaotisch zu, aber das Ambiente ist stimmungsvoll, man kennt sich und das Essen ist köstlich. Ein kleiner Geheimtipp, hierherzukommen. An einem großen Tisch drinnen sitzen mindestens 10 fröhliche Mädels aller Altersklassen. Unser reservierter Platz ist damit belegt. Macht nix, es ist eine erste laue Sommernacht, wir bleiben vor der Tür. Zwei Mädels erscheinen zum Rauchen, schon vorher ist uns das angeregte Tuscheln aufgefallen. Jetzt lächelt die hübsche Blonde unseren Freund an und stellt ihn der Freundin als „Buchhändler meines Vertrauens“ vor. Er errötet, in der Hinsicht ist er – übrigens schon seitdem ich ihn vor 20 Jahren kennen lernen durfte – sehr schüchtern. Ich hab später „beherzt“ ein ganz klitzekleines bisschen eingegriffen. Und am Ende eines unglaublichen Abends haben sich die beiden  – immerhin – mit einem verlegenen Grinsen, einem flüsternden „bis bald“ und sogar einer kleinen Umarmung verabschiedet. Hach. Das hat den ohnehin wundervollen Abend noch perfekter gemacht – und ich muss ergänzen: da war noch nicht abzusehen, dass wir noch weiterziehen, es noch lustiger wurde und wir wirklich erst im Morgengrauen auseinander gehen sollten. Aber auch das war wertvoll und darf nicht unwiederholt bleiben, weil wir langsam in dieses Alter  kommen, indem so eine Nacht eine Woche „Schlecht-Beieinander“-Sein nach sich zieht … Insofern: auf baldiges Wiedersehen!

Sonntagsfreude: Herr Nachbar hat geheiratet

Der Nachbarsjunge, knappe 2 Jahre älter. Wir sind, seit ich denken kann, gemeinsam durch die umliegenden Gärten, Felder, Wiesen und Wälder gelaufen. Ich immer hinter ihm und seinen Jungs her, war natürlich die Jüngste. Eine Zeitlang haben sie mich trotzdem akzeptiert. Dann gabs eine fiese Aktion: was genau passiert ist? Ich kann mich nur noch erinnern, dass sein Opa kommen musste, um mich aus einem zu einer Schaukel umfunktionierten Reifen zu befreien. Ich vermute, sie hatten mich festgebunden. Das hat wirkungsvoll dazu geführt, dass ich mich anderen Spielgefährten zugewendet habe. Dennoch sind wir über die Jahre irgendwie freundschaftlich verbunden geblieben, ohne große Überschneidungen, unterhalten uns gerne – und ich glaube, wir mögen uns auch. Aber eben nicht mehr. 

In den letzten beiden Jahrzehnten habe ich von ihm immer wieder gehört, wie spießig die Welt und vor allem die Gesellschaft sei, wie sehr er raus aus all diesen Zwängen möchte, wie wichtig ihm Freiheit und Unabhängigkeit ist. Wie sehr er das Dorfleben mit all seinem Tratsch verachtet. Freie Liebe, Freiheit der Gedanken, ein freies, natürliches Leben, jenseits irgendwelcher konventioneller Zwänge wolle er leben. Keine feste Beziehung, kein sich zueinander definieren, das, was man miteinander hat, voreinander definieren, überhaupt gar nichts definieren. Einfach geben und nehmen, ohne Verpflichtung. Da kannte er seine Freundin noch nicht. Sie ist anders. Ein ganzes halbes Jahr Asien-Auszeit haben die beiden genommen, ehe er sie gefragt hat. Und jetzt haben die zwei ganz traditionell am Standesamt ja zueinander gesagt. Mit Unterschrift, vertraglich besiegelt. Gut, hingefahren sind sie auf einem Oldtimer-Motorrad, die Braut im Beiwagen. Und direkt nach der Trauung ging’s im VW-Bus auf eine Fahrt ins Blaue. Also zumindest nicht so ganz angepasst an das, was „sich gehört“. Mich freut es sehr, denn er wirkt ganz in dich ruhend, glücklich und zufrieden. Schön.

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita, die sich freut, eine bislang nur aus dem www bekannte Bloggerin persönlich getroffen zu haben.