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Berufstätige Tante, gefühlt Anfang 30 - leider nicht von Beruf Tante. Und deshalb "viel zu wenig" Zeit für meine mittlerweile 5 "Patenkinder". Ich denk mir oft: das müsstest du jetzt in einem Brief schreiben, das hätte ich gerne mit euch erlebt. Und es bleibt beim Vorsatz ... Ich habe mir vorgenommen, hier regelmäßig zu schreiben - wenn ich etwas erlebe, das wert ist, notiert und geteilt zu werden! Das ist die Idee - alles weitere ergibt sich.

Spruch zum Wochenende: Lebensqualität

„Es ist Lebensqualität wie wir miteinander umgehen.“ (Else Pannek)

Der Gedanke lässt mich aktuell nicht los: so viele leiden nicht unter der Pandemie, sondern unter einem egoistischen, menschenverachtenden Umgangston. Gerade Risikopatienten – und das sind gar nicht so wenige, wenn ich daran mal erinnern darf — haben Ängste und Einschränkungen weil sie merken, dass andere ihr Leben als unwert befinden …. und ich frage mich ständig: schafft der moderne Mensch wirklich nicht mal ein Jahr der gegenseitigen Rücksichtnahme? Wobei, war ja nicht mal ein Jahr, weil über den Sommer hatten wir ja „frei“ …

Paula und die lebendige Erinnerung – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Wenn Paula den Nachbarsmädels so zuhört ist sie öfter sehr verwirrt. Immer wieder reden die alle von noch einer Tante, die war aber noch nie da. Das ist manchmal ganz schön irritierend für die Hundedame, die jetzt zwar viel über den Menschen aus Erzählungen weiß, aber noch nie gesehen hat, wie diese Tante aussieht oder wie sie sich bewegt … komisch.

Mittlerweile kann sie sich ein ziemlich gutes Bild machen, die Tante war die jüngere Schwester der Mama der Nachbarsmädels. Machte oft einen Schmollmund. Ist mal mit dem Schlitten in einen Stacheldrahtzaun gefahren. Hat mal in ein Quecksilber-Barometer gebissen. Und und und…

Heute hört sie ganz genau zu, denn die bekannte Tante der Nachbarsmädels ist mal wieder zu Besuch. Und erklärt der jüngsten Nichte beim Schaukeln, dass Tante C. schon im Himmel ist. Weil sie krank war – dass es ja aber doof wäre, wenn alle nicht mehr von ihr sprechen würden. Das wäre ja quasi totschweigen. „Lieber wollen wir sie in lebendiger Erinnerung halten. Deswegen sprechen wir über sie, erinnern an das Gute und das, was nicht so geklappt hat. Klar lachen wir auch mal über den Tollpatsch, der sie war. Und so ist sie immer noch ein Stück bei uns.“

Die Nichte lächelt verstehend und nickt. Und Paula? Die versteht auch und ist glücklich, das ist schön, wenn jemand, der gestorben ist, in lebendiger Erinnerung bleiben darf. Zufrieden schließt sie die Augen und schläft mit einem Hundelächeln ein …

In Absprache mit den Nichten gehen die Paula-Geschichten weiter, auch wenn die tapfere kleine Hauptfigur am Wochenende über die Regenbogenbrücke 🌈 gegangen ist. Sie hat uns in den vergangenen Monaten so oft ein Lächeln ins Gesicht gezaubert. In der Tradition unserer Familie werden wir sie in lebendiger Erinnerung halten – und weiter der Phantasie über ihre Abenteuer im Nachbarsgarten und drum herum freien Lauf lassen – RIP kleine Paula ❤️

Musik am Mittwoch: Cover me in sunshine

Dafür brauchts keine Worte: Sehnsucht nach Sonnentagen mit den Nichten, auf der Picknickdecke unter den Obstbäumen voller Blüten abhängen. Hoffen wir, dass es so himmlisch schön wie im letzten Jahr wird, Draußenzeit, Sonnenschein, Schaukeln – und niemals kann es uns langweilig werden 😉

Runterkommen

Ich habe sehr viel Verständnis. Für das Bedürfnis nach Normalität. Nach Kontakt. Mehr als einem Kontakt.

Kein Verständnis habe ich aber, wenn sich einen Haufen Menschen treffen. Überall. Die sich dann auch noch gegenseitig versichern, dass sie „es“ ja nicht haben. Die sich nahe kommen. Lange zusammen sind. Parties feiern. Heimlich, klar, weil die anderen, die sich dran halten, die sind ja potentielle Denunzianten …

Machmal erlaubt sich das Klugscheißer-Ich dann doch verstohlen die Frage, woher sie „es“ denn wissen, dass sie „es“ nicht haben. Und dann kommt tatsächlich das Argument, dass sie ja noch alles schmecken und riechen … Ach ja, stimmt, ist ja nur für die schlimm, die krank werden. Dass ich mich vor allem so verhalte, dass ich niemanden anstecken kann? Selber schuld.

Was mich freuen würde, wenn die Zahlen mal wieder wenigstens so weit runterkommen, dass es mit vor einem Jahr vergleichbar wäre. Denn irgendwie sprechen alle darüber, dass es mal langsam vorbei sein muss. Die aktuellen Zahlen? Liegen aber weit über denen, die uns – übrigens allen – im März 2020 Angst gemacht haben. Punkt.