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Geschichten aus der Holledau

Heut mach ich mal Werbung, ihr wisst schon, unbezahlt und unbeauftragt, aber irgendwie passend. Auch zum heutigen Start des Münchner Oktoberfestes. Schließlich ist es ja so, dass die Geschichte vom Bier eng mit dem Hopfenland Hallertau verknüpft ist. Ritsch Ermeier, gebürtiger Auer und damit aus dem selbsternannten Herzen der Hallertau stammend, ist Musiker und Rundfunkredakteur. Er hat Geschichten rund um den Landstrich, den Menschenschlag und den Hopfenanbau gesammelt.

Einen Teil davon hat er zu einem sehr informativen Hörbuch zusammengefasst. Ein Beispiel zum Reinhören ist die Hopfazupfaschlacht zu Au aus den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts. Ja, was ein bisserl Bier und hübsche Dirndln bei den Burschen so alles auslösen können … gabs schon früher, keine neuzeitliche Entwicklung auf der Wiesn oder anderen Volksfesten 😉

Wer mehr hören möchte: das Hörbuch „De Holledau gsagt und gsunga“ gibt’s als CD oder auf bekannten Verkaufskanälen. Ich selbst durfte bei einer Lesung lauschen, umgeben von Holledauern, die mit mir viel gelacht und geschmunzelt haben.

Sonntagsfreude: Hopfazupf 2019

Dieses Jahr hab ich meinen Vorsatz nicht nur angedacht, sondern mit familiärer Unterstützung (ein herzliches Dankeschön, dass ich nicht nur vorbeikommen, sondern auch überall reinluren durfte!!!) geplant: Fotografieren in der Hopfazupf, nicht nur draußen in den Hopfengärten, sondern bei der Verarbeitung in der Halle.


Der Hopfen liegt bereit zur Verarbeitung.


Jede Hopfenrebe wird unten eingehängt, die Maschine zieht die Last dann nach oben.


Sieht nicht nur schön aus, es verströmt so viel Duftaroma – macht übrigens angenehm müde – man sagt ja, dass man vom Bier die richtige Bettschwere bekommt. Scheint am Hopfenanteil zu liegen.


Oben rein in die Hopfenmaschine …


… die trennt die Dolden ab und lässt sie aufs Band laufen.


Ein paar Bänder weiter der Aufstieg zum Sammelcontainer.


Der wird solange gefüllt, bis er voll ist.


Wobei, regelmäßig kommt die nächste Ladung in die Hopfendarre.


Die wird bis zum Strich befällt, dann beginnt die Hopfensauna.


Die Gerätschaften zum Verteilen.


Jetzt geht’s ein Stockwerk tiefer in die Hitze.


Nach dem Ofen quasi eine Hopfendusche.


Mit der richtigen Temperatur auf dem Hopfenboden verteilt. Abgekühlt geht’s später durch die Luke wieder eins tiefer.


Ein letztes Transportband …


… ehe der Hopfen als Paket verpackt wird. Keine kratzigen Hopfensäcke mehr – auch wenn sie für mich durchaus einen nostalgischen Charme hatten.


Blick durch die Halle mit den hochgelagerten Hopfenpaketen.


Das, was übrig bleibt, wird mit einem Rohr als Hopfenkonfetti herausgeblasen – und ordentlich von einem Container aufgefangen.


Und mein liebstes Bildmotiv: das, was überall rumfliegt. Ich find auch den Hopfendreck attraktiv. Ja, ich denke, das ist echte Hopfenliebe.

Schön war er, mein Ausflug in die Hallertauer Hopfazupf 2019. Und ein kleines bisschen echter, erdiger und vor allem dreckiger, als bei Hopfenzupfveranstaltungen, die zwar hübsch anzuschauen sind, mir aber zu „sauber“ sind.

Heimatverliebt: Festival Holledau


Dass die meisten noch nie vom „Empfebecker Open Air“ oder auch Festival Holledau gehört haben darf man gerne glauben. Find ich auch zugegebenermaßen gar nicht schlimm, weil es gern regional bleiben darf. Wobei in den Jahren seit 1983 so der ein oder andere bekannte Name im Line-Up aufgetaucht ist. Vor 37 Jahren gabs den Startschuss für das Kult-Festival. Nicht groß, eher klein und fein. Aber welches andere Open Air kann von sich behaupten, romantisch vor den Hopfengärten gelegen zu sein? Das Motto friedlich, freundschaftlich, ausgelassen trifft halt mitten ins Herz der Hallertauer … und bis heute wird der Erlös für gute Zwecke gespendet.

Das schreiben die Erfinder des Kult-Festivals aus den 80er Jahren über die Entstehung auf ihrer Website: „Das erste offizielle Open Air wurde mit 50 handgemalten Plakaten publiziert und Freunde aus der Musikszene spielten ohne Honorar auf einer Bühne aus „Hopfaseina“. Eine glückliche Begegnung mit Achim Bergmann vom Münchner Plattenverlag „Trikont“ sorgte für den ersten großen Act „Biermöslblosn“ und verschaffte dem frisch gebackenen Open Air den Durchbruch. Eine Invasion an langhaarigen Punkrockern und Hippies stand der eingeschüchterten Bevölkerung eines verschlafenen Dörfchens gegenüber. Auch die Abenstaler Musikanten fürchteten sich, vor allem vor deren Reaktion auf ihre brave, zünftige Musik. Doch die rauen Rocker zückten ihre Feuerzeuge und schwangen sie im Takt. Dieses Bild treibt Sepp noch heute die Tränen in die Augen und steht wohl für die friedliche Fusion an scheinbar verschiedensten Menschen auf dem Festival-Holledau. Seither feiert das einzige deutsche Festival mit Weißwurst-Frühstück immer größere Erfolge, mit immer mehr jungen Neuzugängen unter den urigen Stammgästen.“


Bis heute rücken die ersten Festivalbesucher mit ihren Bullis oder anderen kultigen Vans traditionell am Donnerstag an, viele verbringen 4 Tage und Nächte im immer noch eher kleinen und verschlafenen Dörfchen Unterempfenbach (Obacht, es gibt auch ein Oberempfenbach gleich nebenan). Mittlerweile gibt es einen lauten und einen leisen Campingplatz, denn der ein oder andere Festivalbesucher feiert sehr hart. Kein Wunder, das Bier ist süffig – und auch Gin Tonic schmeckt zum Beispiel im Bierkrügerl, das die eingeschworene Festivalgemeinde übrigens für jedes Getränk verwendet.


Kulinarisch gibt’s meist Pizza und Döner, reicht. Schatten spendet der große Flugschirm, der eine ganze Menge Biertische beherbergt. Auf der Bühne ist es meist laut und rockig, davor wird wild getanzt, weiter hinten stehen die eher zum Hören denn zum Tanzen neigenden Herrschaften. Zum traditionellen Weißwurstfrühschoppen am Sonntag spielt eine Blasmusik. Der Nachwuchs wächst rein, die ganz Kleinen dürfen mit großen Schallschützern mit, unter den Teenies hab ich einen mit Gitarre gesichtet, vielleicht einen Gig der Zukunft?

Musikalisch stehen hier regionale Größen wie La Brass Banda oder Moop Mama, aber auch mal Entdeckungen aus der näheren Umgebung auf der Bühne – so wie gestern Pam Pam Ida, die ja auch „grad noch“ aus der Holledau stammen. Schön war’s, wie immer. Nur für das Nacktbaden in der Abens (im Holledauer Dialekt Oms genannt, wobei des o sehr kehlig weit hinten klingen muss!) war’s definitiv zu „arschkalt“, trotz Sternenhimmel und viel Liebe und so.

Mehr Informationen und Bilder hier oder hier.

Und hier ein bisserl mehr „Feeling“.

Alle Bildrechte: Festival-Fotograf Alex alias Photoart Mainburg, der mir ein paar seiner Bilder zur Veröffentlichung überlassen hat, vielen Dank dafür.

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Aus dem Heimatverliebt-Schreibprojekt hab ich mir noch ein paar Themen/Ideen abgespeichert, und immer kommen neue dazu. Ich finde, dass 37 Jahre schon eine ganz schön lange Geschichte sind. Deshalb kommt dieser Beitrag in die Kategorie „Historisches aus der Hallertau“ – eine Geschichte, die ganz bestimmt noch nicht jeder kennt, aber eine ganz besondere Seite meiner Heimatregion zeigt.