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Paula und das Warten aufs Christkind – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Seit Tagen hört Paula auf den Gassirunden von Herrchen, wie er sich auf die Feiertage freut, weil die Wochen vorher so stressig sind. Frauchen hat alle Hände voll zu tun, um mit allen Vorbereitungen fertig zu werden. Auch im Nachbarsgarten ist es für Paulas Geschmack viel zu ruhig, erst waren die Mädels in Quarantäne und jetzt stehen auch nebenan alle Vorzeichen auf Geschenke basteln und Plätzchen backen und und und… Paula seufzt tief.

Am 24. ist schon frühmorgens was los, Herrchen ist ohne sie unterwegs, als er wiederkommt, bringt er eine hübsche kleine Tanne ins Haus, die im vorbereiteten Ständer landet. Daneben stapeln sich Kisten. Nach einer für Paulas Geschmack viel zu kurzen Runde packen Herrchen und Frauchen Kugeln und allen möglichen Kram raus und behängen den Baum damit. Dabei läuft im Fernsehen der Michel, das ist der kleine Junge aus dem schwedischen Dorf, der immer was anstellt und deshalb in den Schuppen gesperrt wird. Paula hat schon wieder Mitleid, deshalb verzieht sie sich lieber und hält ein Schläfchen.

Als sie später aufwacht funkelt der Baum voll mit Lichtern, denn es ist schon fast dunkel. Darunter häufen sich bunt verpackte Geschenke. An der Tür klingelt es und die Zwillingsenkel stürmen herein. Paula weiß, dass sie noch nicht ins Wohnzimmer dürfen und läuft ihnen entgegen.

Andi zwinkert Paula zu: „Jemand Lust auf eine kurze Runde Gassi? Ich hab etwas leckeren Apfelpunsch mit Zimt in der Thermoskanne und ein paar Becher dabei. Vielleicht haben unsere Nachbarsmädels auch Lust?“ Begeistert rennen die Zwillinge voran und klingeln. Auch die drei kleinen Nachbarinnen kommen gerne mit. Aufgeregt halten sie bei der Runde durchs Viertel die Augen auf, denn es könnte ja sein, dass sie zufällig dem Christkind begegnen. „Hast du es schon mal gesehen, fragen sie Andi. „Nein, noch nie – immer nur einen vorbei huschenden Schatten“ meint der. „Wäre ja auch ein Wunder, denn wenn das Christkind in so kurzer Zeit aaaaalllleeee Kinder auf der ganzen Welt besuchen muss, dann hat es für jedes nur einen Bruchteil einer Sekunde Zeit“ sinnieren die Kinder.

Zuhause angekommen staunen die Nachbarsmädels nicht schlecht. Deutlich sind auf der Terrasse Fußabdrücke in, ja was ist das, Schnee oder Raureif, zu sehen. Vor dem mit Kerzen hell erleuchteten Baum bleiben sie verzückt stehen, jetzt werden die Päckchen verteilt, ausgepackt und bestaunt. Auch für die Zwillinge liegen da zwei Päckchen – und da steht auch Frauchen und hat eine Tüte mit Kleinigkeiten für die Mädels …

Jetzt wollen die Zwillinge schnell schauen, ob das Christkind auch schon bei den Großeltern war – alle laufen rüber. Paula nimmt die Abkürzung durch den Garten. Und auch bei Herrchen und Frauchen leuchten der Baum und die bunt verpackten Geschenke um die Wette. Schon sitzen alle und packen begeistert aus.

Während sich alle zum Weihnachtsessen an den reich gedeckten Tisch setzen kommt Herrchen mit einem kleinen Päckchen zu Paula. „Für dich Paula – das ist nur eine Kleinigkeit, denn das große Geschenk machen wir uns ja jeden Tag, unsere gemeinsame Zeit. Morgen drehen wir wieder eine große Runde, ja?“ Und wie, Paula schmiegt sich an ihr Herrchen und lässt sich ausgiebig von ihm kraulen. So ein schönes Weihnachtsversprechen 🎄

Paula und die Quarantäne – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

„So eine Scheiße, so ein Kack, so ein Mist, so eine mega riesengroße Ladung voll Scheiße …!“ Nanu, was ist denn heute los? Paula ist ganz verdutzt, denn das Nachbarsmädel, das da so inbrünstig vor sich hin flucht, ist zur Abwechslung mal die Mittlere. Und da muss schon ordentlich was sein, dass die so viele Flüche aneinanderreiht.

Jetzt kommt auch Frauchen dazu und fragt, was denn um Himmelswillen los ist. „Ach Karin, du musst Abstand halten, ich glaub, ich darf gar nicht mit dir reden, wir sind nämlich in Quarantäne. Zum Kotzen ist das!“ „Oh, das tut mir leid, seid ihr denn alle in Quarantäne?“ fragt Frauchen nach. „Nein, nur meine kleine Schwester und ich. Weil ein Kind noch bis Dienstag im Kindergarten war, obwohl es schon krank war … und jetzt darf ich mit niemandem spielen und niemanden besuchen. Alle anderen dürfen, nur ich nicht. Das ist so unfair.“ „Hm,“ Frauchen versucht nicht zu schmunzeln, „so allein bist du ja gar nicht. Deine kleine Schwester ist ja genauso dran.“ „Ach die, die will ja eh am liebsten mit der Mama zu Hause sein, aber iiiiiich, ich will …“ „Ja, das versteh ich. Trotzdem geb ich meinen Enkeln Bescheid, dass sie erst mal nicht kommen sollen. Und wenn du wieder darfst, dann dürft ihr euch dafür direkt zum Spielen treffen. Ok?“ „Ooooookkkkkaaaiiii,“ mault das Nachbarsmädel, denn Geduld ist jetzt nicht so ihres.

Frauchen und Paula unterhalten sich natürlich auf dem Weg rein noch. Und eines ist klar. Quarantäne ist wirklich doof. Weil immer nur Zuhause bleiben ist auch irgendwann langweilig, auf einmal bellt Paula ganz aufgeregt. Ihr ist etwas eingefallen. Den ganzen Nachmittag ist sie im Garten mit Üben beschäftigt. Alle möglichen Kunststücke, manche hat sie schon seit Jahren nicht mehr probiert. Als dann alles wieder wie am Schnürchen klappt flitzt sie durch den Geheimgang in den Nachbarsgarten. Dort macht sie mit lautem Kläffen auf sich aufmerksam – schließlich sitzen alle Nachbarsmädels auf der Tribünen genannten Treppe, genau wie wenn sie selber eine Aufführung machen.

Und jetzt geht es los. Paula zeigt einen Trick nach dem anderen, bis auf den Salto klappt alles, und selbst da bekommt sie neben glockenhellem Gelächter donnernden Applaus. Nochmal muss sie springen, tanzen, hüpfen, sich drehen – und noch eine Zugabe, und von vorn. Jeden Nachmittag gibt Paula für die Quarantäne-Nachbarinnen Vorstellungen, so vergeht die Zeit um Flug. Schon ist der Tag des Freitestens gekommen, alle sind super aufgeregt, vor allem, weil gar nicht klar ist, wie die zwei Mädels getestet werden können. Eben ist die Mama mit den beiden losgefahren zum Testzentrum – Paula kann vor lauter Neugierde gar nicht dösen, unruhig läuft sie am Zaun auf und ab.

Da, endlich kommen sie zurück. Als das mittlere Nachbarsmädel Paula entdeckt zieht sich ein Strahlen von einem Ohr zum anderen und sie zeigt „Daumen hoch“. „Hurra, jiiipppiieeeh, ja, ja, ja,“ jubelt Paula mit den Mädels um die Wette. Frauchen bekommt das am Küchenfenster natürlich mit und kommt in den Garten. „Wie mich das freut, dass ihr nicht mehr in Quarantäne seid – ich geb gleich den Enkelkindern Bescheid, dann könnt ihr euch in den nächsten Tagen zum Spielen verabreden!“

Paula und das Weihnachtsgeschenk – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Seit Wochen lauscht Paula an ihrem Lieblingsplatz am Gartenzaun, wie die Nachbarsmädels sich über ihre Wünsche zu Weihnachten unterhalten. Ganz unterschiedlich sind die, die Große wünscht sich vor allem Bücher, die sie auf ihrem elektrischen Gerät lesen kann. Die Mittlere würde gerne mal ins Kino gehen. Die Jüngste hat auch schon ganz ganz viele Wünsche … Paula schwirrt der Kopf vor lauter darüber nachdenken.

Und ein bisschen traurig ist sie auch. Weil sie mit ihren vier Pfoten zwar schnell laufen, hüpfen oder sogar tanzen kann, aber etwas Schönes basteln kann sie nicht. Und Geld für Geschenke hat sie auch keins. Dabei würde sie Herrchen und Frauchen zu gerne etwas ganz besonders Schönes zu Weihnachten schenken. Und den Nachbarsmädels auch, die sind ihr nämlich sehr ans Herz gewachsen …

Ach, das Hundemädchen seufzt. Ganz traurig ist sie. Da kommt ihr Herrchen, um sie zur täglichen Gassirunde abzuholen. Ein bisschen geknickt ist Paula noch. Aber schließlich sind sie und Herrchen eine eingeschworene Gemeinschaft. Sie will ihn nicht hängenlassen. Unterwegs freut sich Herrchen Andi, weil er natürlich bemerkt hat, dass seine Paula vorher etwas unglücklich war. Und wie immer unterhält er sich mit ihr. „Weißt du Paula, das ist für mich das größte Geschenk, dass wir zwei jeden Tag Zeit miteinander verbringen. Das ist so wertvoll, würde ich für nichts in der Welt eintauschen wollen!“

Paula freut sich, so sehr, dass sie ein bisschen hopst und tänzelt. Herrchen grinst und meint verschmitzt: „Wir haben es schon ganz schön miteinander, was, mein Hundemädchen! Und für unser Frauchen ist das auch täglich ein Geschenk, wenn wir zwei miteinander unterwegs sind. Da genießt sie ihre Freizeit und macht ihre Mädelssachen, die sie nicht tun kann, wenn wir da sind …“

Das wusste Paula bisher nicht und sie freut sich, weil sie Herrchen und Frauchen nicht nur einmal im Jahr zu Weihnachten etwas schenken kann, sondern jeden Tag.

Paula und die Bratwurst – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Nicht mal auf den Christkindlmarkt können wir … so ein Mist,“ mault das große Nachbarsmädel. „Und das, wo der Opa so gerne Bratwurstsemmeln und Glühwein mag,“ schließt sich die Mittlere an. Die Jüngste schaut etwas irritiert zwischen den beiden hin und her, weil so ganz versteht sie nicht, worum es geht. Paula, die am Lieblingsplatz am Gartenzaun zugehört hat, rechnet kurz nach. Klar, die Kleine kennt das gar nicht. Beim letzten Christkindlmarkt war sie ja noch in Mamas Bauch.

Ach ja, seufzt das Hundemädchen. Alles anders. Weiter quatschen die Mädels, bis sie plötzlich ganz aufgeregt werden. „Stimmt,“ sagt die Große gerade, „Bratwürste und Glühwein können wir selber machen. Und wenn wir etwas improvisieren, könnten wir doch selbst eine Bude bauen.“

Gesagt, getan, die Mädels schleppen alles Mögliche, was im Garten rumliegt, zusammen und beginnen, eine Art Verkaufsstand zu bauen. Mit Unterstützung von Mama und Papa sieht das schon bald fast aus, wie eine echte Bretterbude. Am Abend belauscht Paula, wie die Mädels stolz wie Bolle den Großeltern vom eigenen Christkindlmarkt im Garten erzählen und sie zum Besuch einladen. „Nur ein paar Tannenzweige für die Deko müsstet ihr mitbringen …“

Und tatsächlich, kaum sind Oma und Opa ein paar Tage später angekommen, liegt der Duft von Bratwürstln in der Luft. Paula läuft freudig bellend zum Gartenzaun und sieht, wie der Opa sich den Bauch reibt, so gut schmeckt ihm die Bratwurstsemmel mit leckerem Senf. Auch den Glühwein lobt er sehr. Und die Oma strahlt, weil es sogar Original-Lebkuchen wie auf dem Weihnachtsmarkt gibt, sogar daran haben die Enkeltöchter gedacht. Hinter dem Verkaufsstand stehen 3 zufriedene Ersatzchristkindlmarkt-Organisatorinnen. Und da Paulas geheimer Lieblingsplatz gar nicht mehr so geheim ist fliegen sogar ein paar Hapse für sie über den Zaun …