Summertime …

🎼🎶and the living is easy🎶 Wenn man den Heimfahrt-Stau bei 30 Grad plus überstanden hat und endlich auf dem Balkon auslüften darf. Und ich ärgere mich jetzt mal nicht, dass meine Autoscheibe einen nagelneues, offensichtlich noch wachsenden Sprung hat. Und dass ein paar Autofahrer so viel Spurwechseln mussten, dass sich durch die kleinen Unfälle für alle anderen noch mehr Stau gebildet hat.

Im Gegenteil freu ich mich, dass wir meine Wartezeit zum sinnvollen Quatschen mit den Nichten nutzen können. Die gerade von ihrer Mutter mit frischen Kirschen und Erdbeeren gequält werden. Und Limo trinken müssen … gut, vorher musste die Große ins Schreibwarenfachgeschäft an der „glühend heißen Hauptstraße, Coco, ich wär beinah gestorben, wegen einem blöden Matheheft,“ Mütter machen aber auch alles falsch 😊

Und gleich widme ich mich den ersten niedergeschrieben Erinnerungen von Mademoiselle an unseren Ausflugstag. Schön, so ein gechillter Montag Abend zur Summertime ☀️

Sonntagsfreude: Nach dem Fest

Etwas mehr als die letzten 24 Stunden haben meine wahlweise Schwimm-, Nordic Walking bzw. Spaziergangs-Freundin und ihr Mann mit uns ihre Hochzeit gefeiert. Etwas ungewöhnlich der Ablauf: erst gestern Abend das große Fest, heute morgen dann eine Trauung im Sonntagsgottesdienst. Und bis eben ein gemütliches Mittagessen. Am Ende haben beide bereits umgezogen ihre Gäste verabschiedet, „jetzt reichts dann auch“. Und gerade sind die zwei unterwegs in die Flitterwochen, im eigenen Tempo, ganz gemächlich geht’s in den Norden. Der Ehemann wird sich beim meditativen Fahren nach dem Höhenflug wieder erden, die Ehefrau vermutet, dass sie schnell einschlafen wird …

Auch wenn es eine kleine Runde war, viele Eindrücke waren es, komprimiert – muss verarbeitet werden. Aber vielleicht noch nicht sofort-sofort? Erstmal genieß ich die Sonnenstrahlen nach dem Regen und chille auf dem Balkon.

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.

Dekaden

Es gibt diese Erinnerungen, Momente, die sich uns förmlich einbrennen, die wir nicht vergessen. Zwei Dekaden ist es jetzt her, 20 Jahre. Am Vormittag hat mein Telefon in der Arbeit geklingelt. Und ich hab das Gespräch noch sehr genau im Ohr, die Stimme, die Angst, das Bemühen, uns in englischer Sprache zu erklären, dass meine Schwester mit einer lebensbedrohlichen Krankheit ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Man habe sie in ein künstliches Koma versetzen müssen, unter dem Namen der Krankheit konnte ich mir nichts vorstellen. Trotzdem war klar: die Nachricht war nicht gut.

Die nächsten Stunden ist die Familie zusammengekommen, nach einigen Überlegungen wurden 3 Flugtickets gekauft, günstige. Aus dem nachträglichen Blickwinkel erscheint vieles sonderbar, wir mussten Bargeld organisieren, auch ich hatte damals noch keine Kreditkarte. Ein paar Dinge eingepackt machten meine Mutter und wir zwei Schwestern uns auf den Weg, in London haben wir einen Teil des Weges mit der Tube zurückgelegt. Gegen Mitternacht kamen wir endlich im Krankenhaus an, meine Schwester war stabil im Koma. Eine junge deutsche Ärztin milderte die grobe Ansage der leitenden Oberärztin etwas ab. Hoffnung, wenn sie die nächsten 72 Stunden übersteht …

Die kommenden Tage kann ich einzelne Sequenzen fast minutiös ablaufen lassen. Die Entscheidung, sie in die Uniklinik verlegen zu lassen, der zunächst gute Verlauf. Der letzte Tag, die letzten Stunden, die Komplikationen, das Organversagen … der Abschied, die Trauer. Auch die Abreise meiner Mutter und Schwester, ich bin länger allein bei der Aupair-Familie geblieben, um die Überführung zu organisieren. Skurril, die Stunden des Wartens, ehe ich nach dem Wochenende die notwendigen Behördengänge erledigen konnte. Auch meine Informationskette, ich habe einen Mitbewohner informiert, der alle anderen benachrichtigen sollte …

Die Tage bis zur Beerdigung und den Beerdigungstag habe ich so präsent vor mir, obwohl gefühlt alles wie in Weichzeichnung und Schockstarre war. Die Trauer kam erst später, und das Realisieren des Verlustes.

Einige Tage vorher war meine Schwester in London unterwegs und hat sich über die sogenannte Tröpfcheninfektion mit einem Erreger infiziert. Für die Übertragung braucht es weder Körperkontakt noch sonstige bewusst zu steuernde also vermeidbare Prozesse. Die weltweit vorkommenden Bakterien aus der Art Neisseria meningitidis sind nicht zu erkennen, der Überträger weiß nicht, dass er sie in sich trägt. Die Krankheit verläuft als bakterielle Hirnhautentzündung Meningitis, bis hin zu einer begleitenden Blutvergiftung, Meningokokken Sepsis.

Nicht jeder Empfänger erkrankt, besonders gefährdet sind laut Statistik Kinder und junge Menschen. Da gerade vor wenigen Wochen Medienberichten auf zwei junge Frauen und eine 56jährige Erkrankte im Landkreis Ebersberg aufmerksam gemacht haben, möchte ich hier den Hinweis auf die heute mögliche Impfung teilen. In den letzten 20 Jahren hat die Wissenschaft große Fortschritte gemacht. Heilbar ist eine ausgebrochene Meningitis nämlich nur, wenn sie rechtzeitig behandelt werden kann … und selbst dann bleiben unter Umständen die schweren Schäden der Organe zurück.

Meine kleine Schwester konnte nicht geheilt werden – ich habe aber vor einigen Jahren eine Frau kennengelernt, die überlebt hat. Sie ist nicht gezeichnet und hat kaum gesundheitliche Einschränkungen, weil ihre Schwester die Symptome erkannt hat und als Ärztin schnell reagieren konnte. Überlebensnotwendig – hier und hier gibt es weitere Informationen.

Spruch zum Wochenende: Alles gut

„Es geht nicht darum, jemanden zu fragen, wie es ihm geht. Es geht darum ihm zuzuhören, wenn er antwortet.“ (Unbekannt)

Ein Gespräch in den letzten Tagen hat mich sehr berührt. Ein Freund hat sich über eine so typische Standardantwort mokiert, „Du fragst aufrichtig: Wie geht es dir? Und wirst mit diesem oberflächlichen „Alles gut.“ oder noch schlimmer „Gut, also echt, gut, alles ok.“ abgefertigt.“ Seine Gedanken gehen dahin, warum jeder denkt, dass er dieses Signal von „alles gut“ geben muss. Alles? Echt? Muss man dann nachfragen, oder soll man einfach abwarten? Denn im Gespräch zeigt sich doch oft: alles ist selten gut. Muss aber auch gar nicht sein. Sonst würden uns die kleinen, seltenen Momente von vollkommener Zufriedenheit ja gar nicht mehr auffallen. Oder?

Es berührt mich so, weil ich die letzten Monate quasi damit beschäftigt bin, mich zu wundern, wie gut alles sein kann. Weil ich es sein lasse. Weil ich mich im neuen Job zwar anstrengen, aber nicht quälen muss. Weil ich mich recht schnell in meiner neuen Arbeitswelt eingelebt habe und mich wohlfühlen darf. Weil ich pünktlich heimgehen kann, darf und sogar soll. Weil ich aber auch akzeptiere, dass sich mein Leben insgesamt verändert. Ich stehe früher auf und muss deshalb früher ins Bett. Ich schlafe generell viel und das tut gut. Das, was ich am bunten Treiben verpasse, fehlt nicht. Aber Schlaf würde mir fehlen …

Ich bin weniger online unterwegs, lese mehr offline. Die Begegnungen mit Menschen werden selektiver, dafür intensiv. Und damit kostbar.

Wenn man sich für eine Veränderung im Leben entscheidet, dann tritt auch Veränderung ein, die man nicht selbst definiert. Alles im Leben ist Entwicklung. Wie schon im letzten Jahr stehe ich der Veränderung für mich fast überraschend ruhig und gelassen gegenüber, statt aktiv vorwärts zu treiben lasse ich eher geschehen, beobachte und nehme an. Es scheint tatsächlich, dass ich eine Nuance mehr Geduld entwickle? Vor allem mit mir selbst. Fühlt sich gut an. Das bedeutet längst nicht, dass alles gut ist. Aber erstaunlich viel.

Und eben deshalb relativiere ich aktuell oft meine Antwort, bin zögerlich, hinterfrage gedanklich. Weil ich ja auch die letzten Jahre auf die Frage nach meinem Wohlergehen recht schnell mit „Alles gut. Im Job zu viel, aber das kompensiere ich durch mein rundum erfülltes Privatleben …“ geantwortet habe. Interessant, diese Reflektion, aber hinterher ist man immer klüger?

Was mich beschäftigt und was ich meinen Patenkindern gerne erzählen würde

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