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Sonntagsfreude: Vor einem Jahr

In den letzten Tagen wurde mir in Bildern und auch sonst immer wieder in Erinnerung gerufen, wie ich damals auf den letzten Metern meine Münchner Wohnung erst systematisch ausgeräumt und dann – natürlich – nicht nur besenrein, sondern gründlichst gereinigt zur Übergabe fertig gemacht habe. Das war eine echt harte Zeit, aber je leerer, desto mehr kam wieder zum Vorschein, was ich damals angemietet hatte. Und ein bisschen hab ich mich an diesem Sonntag Vormittag dann doch gefreut, dass ich die Wohnung nach 15 Jahren in echt gutem Zustand übergeben könnte.

Und natürlich kam dann jetzt auch mal die Frage auf: vermisse ich etwas? Die abschließbare Wohnungstür? Irgendwas? Tatsächlich kann ich mich an einen Tag erinnern, da hätte ich mir die Badewanne gewünscht … aber sonst vermiss ich nichts.

Im Gegenteil, gerade ganz aktuell weiß ich den Luxus des Landlebens so was von zu schätzen – egal, was ist: ich kann aus der Tür gehen und bin nach wenigen Schritten im Herzen der Natur. Ohne menschliche Kontakte, wenn ich will. Das war in der Stadt einfach nie möglich, und ist in diesen Zeiten manchmal so viel mehr wert.

Sonntagsfreude: Zimtschnecken

Wenn auch nur auf ein paar Minuten: die beste Freundin und ihr Mann haben beim vorweihnachtlichen Familien-Kurzbesuch ein paar Minuten vorbeigeschaut. Damit wir uns in diesem Jahr noch mal sehen. Und das war scho gscheid sche.

Dann war mir heute danach, Zimtschnecken zu backen. Weil die Hefe sonst schlecht wird. Und da hättet ihr mal die Freude meiner Mutter erleben sollen. Sie hatte selbst schon überlegt, welche zu machen. Weil ihr eine Freundin so vorgeschwärmt hatte. Und weil – so erfährt man wieder was von früher – es die in ihrer Kindheit immer zur Hopfazupf gab !?! Aha. Mit reichlich Zimt, viel guter Butter und Zucker.

Und am besten: meine Exemplare wurden für gut befunden und haben die Augen so zum Strahlen gebracht. Stimmt schon: einem anderen eine Freude machen bringt das eigene Herz zum Strahlen.

Sonntagsfreude: Festhalten

Was in der großen Welt gerade so unmöglich scheint überträgt sich dummerweise auch ins ganz kleine Private, familiärer Friede ist – sagen wir mal – nicht easy-peasy. Und wenn sich dann nicht jeder ein bisschen solidarisch zeigt …

Dennoch gabs in den 24 Stunden Familienzeit die kleinen Momente zum Festhalten für die Ewigkeit:

    Wenn sich Traditionen auch bei 3.0 wiederholen und die einfach die Hand der Tante schnappt, um gemeinsam Eroberungszüge zu starten
    Wenn Nichte 2.0 gar kein Marzipan mag und sich dann so freut, weil die gemeinsam gebackenen Plätzchen saulecker geworden sind
    Wenn der bezaubernden Nichte mit der Oma ein perfekter Stollenteig gelingt und der dann auch noch so was von gut schmeckt
    Wenn schon fast alle Plätzchen vernascht worden sind …
    Wenn die bezaubernde Nichte mal für ein paar Sekunden das Pubertier abstreift und der großartige Mensch, aktuell von Ängsten und Stress vollkommen unter Strom und unterdrückt, zum Vorschein kommt
    Wenn alle 3 Nichten bei Oma und Tante bleiben – und die Mama tatsächlich einen Termin ganz allein machen kann
    Wenn eine Maus durchs vollbesetzte WG-Wohnzimmer rennt und nur meine Schwester, Mutter der bei Spinnen und ähnlichem Getier schon eher iiiiihhhh-Nichtenbande, am liebsten kreischend auf den Tisch hüpfen würde
    Wenn Nichte 2.0 endlich wieder bei der Tante geschlafen hat – hat die letzten Male warum auch immer gar nicht geklappt, obwohl ich gar nicht so zum Fürchten bin – und wir den Sonntag ganz entspannt noch etwas vom Bett aus der Welt beim Schneien zuschauen und darüber diskutieren, dass wir alle Jahreszeiten so was von gerne mögen
    Wenn Nichte 3.0 eine Ecke zum Verstecken entdeckt, wo eigentlich gar keine ist
    Wenn Nichte 2.0 sich die Oma zum Ruhen schnappt und die tatsächlich nicht zum Kochen kommt (hinter den To Dos „versteckt sie sich zu oft, das war echt herrlich ….)

Wenn alle 3 die Heimfahrt verschlafen, weil so ein Besuch aktuell einfach alle Beteiligten mit Vorfreude und vor Ort und so … viiiiiel Energie kostet. Und trotzdem so wertvoll, dass wir uns gesund sehen durften.

Sonntagsfreude: Kein Streik

Seit Wochen fällt es mir nicht leicht, mich nicht zu äußern. Ich tue es trotzdem nicht, weil es, und das zeigen die unzähligen Äußerungen der letzten beiden Wochen mehr als überdeutlich, nicht das Geringste ändert. Wenn mir aktuell jemand schockiert von seiner Überraschung über steigende Zahlen erzählen möchte oder dass „das“ doch schon vorbei war oder dass er ja gesund sei und ihn „das“ deshalb nicht betreffe … lächle ich höflich – dreh mich um und gehe.

Was mir aber auf der Seele liegt: dass da immer noch Menschen sind, die sich kümmern. Die als Arzt, Pfleger, Sanitäter, Krankenschwester, Reinigungskraft usw. weitermachen. Sich trotz so vieler besserwisserischer Worte einfach um die viel zu vielen Kranken kümmern. Ich weiß nicht, wie lange die noch durchhalten. In anderen Bereichen? Gäbe es angesichts der Unzumutbarkeit sicher längst einen Streik … Aber ich bin dankbar dafür. Einfach nur dankbar.

#allesindenarm