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Dagegen I Dafür

Ziemlich gelungen fand ich Sonntag die Rede des Herrn Papa für seine Kommunionkind-Tochter Mademoiselle. Er hatte einen Ausdruck dabei, darauf zu sehen eine Uli Stein Karikatur mit großem Schriftzug „Dagegen“. Den hatte er ihr vor ein paar Wochen symbolisch an die Zimmertür gepinnt … ob sie wisse, warum. „Naja, weil ich halt öfter mal dagegen bin …“

Stimmt, was ja auch gut sei, wenn man als junger Mensch schon eine eigene Meinung habe. Und die auch dann vertrete, wenn es allen anderen schwer falle, das zu akzeptieren. Wünschenswert wäre, so der Papa, wenn aus dem konstanten „dagegen“ öfter mal ein „dafür“ werde. So wie neulich, als seine Tochter sich partout geweigert habe, vom reichlichen, köstlichen Spargel zu kosten, um dann das letzte Stück zu probieren – und mehr zu wollen. Tja …

Für dieses neue „dafür“ hat er ihr auch einen Uli Stein Cartoon mitgebracht, der nun als Partner von „dagegen“ aufgehängt wird. Wir blicken alle neugierig in die Zukunft und freuen uns auf die kommenden Veränderungen.

Ansonsten haben wir den Regentag drinnen verbracht, in einem angenehm kurzen Gottesdienst und anschließend beim ausgiebigen Verwöhntwerden in der Gaststätte des Vertrauens. Auch wenn das Kommunionkind das Menü nicht ausgewählt hatte waren wir kulinarisch schwer begeistert. Satte, zufriedene Gäste, einen Berg Geschenke, gemütliche Stunden – genau so soll eine Feier sein. Ohne dafür oder dagegen 😊

Wahlphilosophie

Zum ersten Mal nach circa 20 Jahren war ich gestern Abend wieder bei der Wahl der Hallertauer Hopfenkönigin. Alljährlich an einem Montag strömen die Massen aufs Volksfest Wolnzach. Wer einen Sitzplatz im Zelt hat ist wahlberechtigt. Wie in den alten Tagen gibt es Lagerbildung, gestern waren nur zwei Kandidatinnen für drei Positionen angetreten, da ist klar, dass beide gewählt werden. Die Veranstaltung war etwas zäh, nett ist die Vorstellungsrunde, in der sich die Kandidatinnen mit eigenen Worten vorstellen. Danach ist eine moderierte Fragenrunde, das war mühsam. Das bis gestern aktive Dreigestirn hat sich mit einem wechselnd vorgetragenen Gedicht verabschiedet, viele Insider, na ja. Dann eine große Runde amtierende Hoheiten, von der Bier- und Dirndlkönigin zum Tettnanger Dreigestirn, mittendrin ein Hopfenprinz. Alles hätte auch kürzer gereicht ..
Während die Stimmzettel ausgezählt wurden bin ich mit meiner Freundin in die Erinnerung eingetaucht, damals, 1996, zog sie auf Stimmfamg durchs Festzelt, der eine Bruder mit dem hopfenbekränzten Taferl vorne weg, der zweite trommelnd hinterher, im Schlepptau ein Nachbarsbursche im Hopfendoldenkostüm, hinterher der Bürgermeister ihres Ortes … ein bekannter Zeitungsfotograf weiß: "schon damals super fotogen, auf jedem Bild offene, strahlende Agen." Das Markenzeichen hat die Hopfenkönigin 1996/97 bis heute (auf Fotos von uns beiden sieht eine immer super aus ….).

Am Ende hat gestern Abend Theresa mit knappem Vorsprung den Titel gewonnen. Unsere Katharina, wegen der wir da waren, ist Vizekönigin. Da war ganz bestimmt auch ein klitzekleines bisschen Enttäuschung im Raum. Wobei, da es keine Hopfenprinzessin gibt, da keine dritte Kandidatin da war, gibt es ohnehin viel zu viel zu tun für die zwei. Da wird's auch der Nummer zwei keine Sekunde langweilig werden … und in der Großfamilie sind wir doch recht stolz, jetzt für 12 Monate ein gekröntes Haupt in unseren Reihen zu haben.
Und schaut euch bitte das Tattoo an, dieser Arm gehört auf einen Hopfenthron, oder?

Sonntagsfreude: die runde 7

An diesem Wochenende haben wir 2 besonders liebenswerte Menschen gefeiert. Erst den Papa der besten Freundin. Mit viel Dankbarkeit im Herzen, denn in den letzten Jahren kamen oft Zweifel, ob er noch da sein wird, wenn wir seinen 70. Geburtstag feiern … Er ist. Und gestern war er auch herzerwärmend präsent. Ist sitzengeblieben, obwohl es um ihn so trubelig war. Hat sich über die Geschenke und die Gesellschaft sichtlich gefreut. Gut, es waren nur Menschen da, die er mag. Wären andere gekommen, hätte er sich wie sonst auch rasch wieder verkrümelt. Ich hab mich so gefreut, 2 Stunden neben ihm zu sitzen und ihn immer wieder lächeln zu sehen. So schön haben es ihm seine Mädels gemacht, den Tisch liebevoll mit Rosenblüten aus dem Garten verziert, köstliche Kuchen und sogar Rohrnudeln gabs. Er ist schon ein Glückspilz und wird sehr geliebt. Gestern schien es fast, als ob die Demens ihm einen Tag Pause gegönnt hat, was für ein wunderbares Geschenk.

Anschließend bin ich übers Hüggelland in einen Landgasthof nahe Landshut gefahren (gestern so herrlich klar, dass ich unterwegs immer wieder Panoramablicke aufs Isartal, die Martinskirche und Burg Trausnitz bewundern dürfte). Dort der 2. Jubilar du jour, mein Onkel feierte mit großer Gesellschaft die Runde 7. Meine älteste Cousine meinte treffend: das ist schon eine andere Party, als unser Opa 70 wurde ging es gediegener zu … Leider war die Familie wieder nur im kleinen Kreis vertreten, mehr als die Hälfte der Nichten und Neffen haben meinem Onkel angesagt, auch 2 der 7 Geschwister sind nicht gekommen. Die 100 Gäste bunt gemischt, alle Altersklassen, Mitarbeiter, Vereinskollegen, Familie und Freundeskreis. An langen Tafeln begrüßt von meinem Onkel mit Worten einer tiefen  Dankbarkeit, für sein Leben und die Menschen, die ihn auf seinem Lebensweg begleiten. Eine schöne Idee hatte mein Cousin für seine Laudatio, statt über Jahrzehnte sprach er über  7.0, die 10 Jahrsiebtel des Jubilars. Leider meinte er es zu gut, nur wenige der Anwesenden konnten seinem so inhaltsreichen Vortrag über die deutlich mehr als 27 Minuten Länge mit der gewünschten Aufmerksamkeit folgen. Selbst das Geburtstagskind hat wohl den Faden verloren … Auch die Enkelkinder haben ihrem Weltbesten Opa ein Gedicht gewidmet und ihm einen Pokal samt Medaille verliehen, der stilecht auf einem Siegerpodest  und mit Konfettiregen überreicht  wurde. Eine waschechte Sambatänzerin aus dem Herzen des brasilianischen Karnevals brachte Feuer in die Bude. Wenngleich die Mehrheit der gemütlich-bairischem Gesellschaft nach dem deftigen Essen vielleicht auch mit einem Schnaps glücklich gewesen wäre …

Schön war’s, beides für sich. Angepasst an die jeweilige Lebenssituation der beiden Neu-70er, denen ich von Herzen Glück, Gesundheit und Zufriedenheit wünsche. Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita.

Das mit dem Dankeschön

Freitag abend wurde gefeiert, ein 50jähriges Jubiläum an der Orgel. Viele offizielle Worte wurden da gesprochen, alle mit sehr viel Wertschätzung. Aber da sitz ich mittendrin und fühle, dass das längst noch nicht genug ist. Kennt ihr auch Menschen, die immer mehr geben, als sie annehmen können/wollen? Worte können die Dankbarkeit für alles, was dieser Mann für uns alle getan hat gar nicht ausdrücken.

Also: Dem Anlass entsprechend hat der Chor Händels Halleluja umgedichtet, das er in diesen 50 Jahren unzählige Male begleitet hat. Dutzende Aufnahmen hat er auf Kassetten zu Hause, alle beschriftet, aber unsortiert in einem großen, großen Schrank … Das wird aber nicht erwähnt. Weiß das vielleicht keiner? Dann werden Gedichte vorgelesen, selbst gedichtet und gereimt, versteht sich. Das eine, zu lang, das andere, zu kurz, beide kratzen nur an einem Teil der Geschichte. Das Dankeschön im Namen aller ist unterbrochen von vielen Lachern. Viele Worte, die irgendwie nicht den Kern treffen. Alles steckt so sehr in der Gegenwart fest. Die Musiker bringen Ständchen, untermalt von Kaffeehausmusik werden da aktuelle Erinnerungen, witzige Begebenheiten besungen. Supertoll gemacht, aber irgendwie wird es dem Anlass immer noch nicht gerecht. Der Jubilar merkt selbst, dass hier keiner mehr ist, der die 50 Jahre mit ihm zusammenfassen kann, also ergreift er das Wort. Und berichtet, vom Anfang, als er eingesprungen ist, für die erkrankte Organistin. Dass er seit 50 Jahren nur als Ersatz im Einsatz ist. Wie er sich das Orgelspielen angeeignet hat. Für welche Chorherren, Pfarrer und Dirigenten er schon tätig war. Wie sehr er sich über die vielen bekannten Gesichter freut, die seinetwegen gekommen sind, obwohl sie sonst kaum mehr zu sehen sind. Wie dankbar er für die Musik ist, die sein soziales Netzwerk war und ist. Die ihm so viel Spaß und Freude bereitet, sein Leben bereichert, ihm so viele wertvolle Begegnungen und Erlebnisse schenkt … Auf den Punkt. Dankeschön.

Schön war sie, die Feier, eine Reise in die Vergangenheit. In einen Musikerfreundeskreis, der sich in den letzten Jahren aus den Augen verliert. Aber auf den gemeinsamen Zeiten aufsetzen kann. Wir haben uns sogar vorher zum Proben getroffen, denn wir sind nicht mehr wöchentlich zusammen, müssen uns erst wieder aufeinander einhören, Sicherheit gewinnen, mit einer Ausnahme ist aktive Musik nicht mehr ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Und die wollten, obwohl es „nicht ganz perfekt“ war doch tatsächlich eine Zugabe …

Anders ist er geworden, „mein“ Chor. Immer noch viele von den alten Mitsängern, aber auch viele neue. Und die haben auch eine andere Art, zu singen. Als ich Mitglied in diesem Chor wurde, gab es einen begnadeten Dirigenten, selber Sänger durch und durch. Der viel erreichen wollte und ein Qualitätsniveau geschaffen hat. Und einen Organisten, der immer mehr gab, als er musste. Ja, anders, das ist das richtige Wort. Nicht mehr mein Chor, trotzdem konnte ich für einen Abend (besser eine lange, heiße Sommernacht) zurückkommen. Und mich entspannt zurücklehnen und wohlfühlen. Dafür von Herzen Dankeschön.