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Wetterkapriole

Extremes Wetter führt zu extremen Reaktionen. Während gestern Abend viele von uns, die wir im Münchner Westen und Umland leben, nur ungläubig zuschauen könnten, wie Hagel und Sturm ganz schön viel kaputt gemacht haben, hat etwa 50 Kilometer weiter ein davon nicht Betroffener nix Besseres zu tun, als in den sozialen Medien einen Hate-Shitstorm gegen die in seinem Fall nicht zutreffende Unwetterwarnung loszubrechen …

Kommt egoistisch, um nicht sogar zu schreiben dumm rüber? Engstirnig und wenig weltoffen in jedem Fall.

Zum Glück haben wir hier in Deutschland bei so einem Wetter ein schützendes Dach über dem Kopf. Können uns ärgern, dass Autos vom Hagel zerbeult wurden. Aber ganz ehrlich: auch hier sind Menschen verletzt worden. Gärten und Felder zerstört. Bäume sind umgestürzt, haben Autos und Dächer kaputtgemacht. Inmitten des Wohlstands kann sich der Mensch nicht über das Wetter und seine Kraft stellen, ist ihm chancenlos ausgeliefert.

Ich für meinen Fall möchte mich noch mal bei allen Helfern bedanken, den freiwilligen Feuerwehrlern und THWlern, die bis spät in die Nacht geschuftet haben, um die schlimmsten Behinderungen zu beseitigen. Und hoffe darauf, dass so schnell nichts nachkommt. Punkt.

PS: Meine verbliebenen Balkonpflanzen haben leider alle abgeschlagene Spitzen, ich vermute, ich lasse sie noch etwas stehen, um zu sehen, was passiert?

Der letzte Abend


Darf man über eine letzte Vorstellung was schreiben? Also indirekt etwas „bewerben“, das zum letzten Mal stattfindet? Ich hab mich entschieden, dass ich das darf, denn erstens hab ich die Tickets ja selbst gekauft, zweitens hat mich der gestrige Abend sehr berührt. Kurz: ich bin sehr froh, dass wir Mädels nicht nur einen gemeinsamen Termin hinbekommen haben, sondern dass es auch dieser ganz besondere geworden ist.

Gewachsen ist das alles aus der Begeisterung meiner Freundin A., sie geriet nach einem Abend im GOP-Theater vor Wochen völlig ins Schwärmen, „DUMMY, so so toll, müsst ihr anschauen. Ich würd sofort noch mal gehen.“ Aus diesem Vorschlag wurde eine Idee und schließlich ein Plan, angesichts der vollen Terminkalender nicht einfach, eine Schnittmenge zu finden. Irgendwann dann die Möglichkeit für die letzte Vorstellung. Es gibt noch Karten, sollen wir? Ich kann, ich auch, jaaa – alle vier.

Und nicht nur das hat uns gestern in Begeisterung versetzt, was durften Augen, Ohren und das Herz staunen. Ein wesentliches Element der Show ist die eigens dafür komponierte Musik, viel davon live zu beiden Seiten der Bühne. Die Stimme von Reecode, seine Elektro-Beats, vor allem aber das Cello von Lih Qun Wong, drangen mir tief unter die Haut. Sehr unerwartet, angenehm und im Gesamtpaket äußerst wirkungsvoll.

Die Bühnenshow kann man schwer beschreiben, der offizielle Text lautet: „Wer ist Puppe, wer ist Mensch? Was ist echt und was ist Illusion? Wie ist die Beziehung des Lebendigen zum Artifiziellen? Die Show DUMMY beschäftigt sich mit dieser Frage in einer nie da gewesenen Mischung aus atemberaubender Artistik, hochmoderner Bühnentechnik, faszinierenden Videoprojektionen und berührender Live Musik und bringt damit das Publikum ins Staunen.“

Für mich war es diese unglaublich stimmungsvolle Kombination von körperlicher Akrobatik mit Technik, Lichtinszenierung, Effekten – immer weich und fließend, dabei unglaublich stark und kraftvoll. Alles wirkt gleichzeitig leicht, bleibt aber haften. Anders als in den tradierten Genres des Varieté verstärken die technischen Projektionen die künstlerische Leistung, Licht und Schatten erhalten zusätzliche Dimensionen.

Und das live. Auf einer schwarzen Bühne, die eher an einen tristen Hinterhof erinnert, Sprüche auf einer Art Mauer, die eine Art zweite Ebene bildet. Der Boden liegt nicht nur, sondern lässt sich als 45-Grad-Winkel bewegen, was einen ungewohnten räumlichen Effekt erzeugt. Das Licht schließlich bringt nicht nur Helligkeit, sondern auch Farbe. Ebenso wie die Bewegungen … nicht zu beschreiben, aber unglaublich fühl- und erlebbar. Es hat das Herz in Schwingung versetzt, anders ist es nicht zu erklären.

Ganz ehrlich: sofern es eine nächste Gelegenheit gibt, würd ich sofort wieder hingehen.

Radikal [*.txt]

Die Kabarettistin Sarah Hakenberg analysiert den düsteren D-Moll-Akkord der Tonfolge a-f-d: „da schwingt noch was Teuflisches mit“. Es muss so sein, denn das ganze Land lässt sich thematisch „brav“ steuern, diskutiert gefühlt ausschließlich ein einziges Thema: Angst wird geschürt, Verursacher und Verantwortliche aus Mangel an Beweisen angeklagt. Und mittendrin kaltes Lächeln, herablassendes Abwinken und machtdemonstrierende, siegessichere Gelassenheit …

Gegen das Bestehende ankämpfen, extrem und ideologisch einfärbend, sprachlich eine andere, vermeintlich bessere Weltanschauung verbreitend. Dabei alles auf eins reduzieren. Im Bundestag verwenden gewählte Abgeordnete tradierte Rhetorik des Faschismus – zum Glück reagiert einer laut: wer das 1000jährige Reich mit einem Vogelschiss abtue, gehöre auf den Misthaufen der Geschichte. Und Campino macht den Herrn Heimatminister darauf aufmerksam, nicht Vater aller Probleme zu werden …

Wer sich immer noch hinter dem Argument der Protestwahl einer scheinbaren Perspektive für Politikverdrossenheit und Nichtwähler verstecken will: Die sogenannte Alternative für Deutschland verbreitet Wut und Zorn auf Menschen. Denen sie ihre Würde aus Gründen wie Hautfarbe, Herkunft, Religion oder sexuelle Orientierung abspricht. Das ist keine Alternative, sondern menschenfeindlich …

Wie radikal DARF man Hass begegnen? Wie laut MUSS man werden? SOLL man zurückhetzen? Reichen gut vorgetragene Argumente bei der Masse an Parolen aus?

MAN sagt, die Mitte sei leise. Zu leise. Hilft es, laut zu werden? Es hindert zumindest Frau Storch & Co am Klappern … #wirsindmehr.


Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 9. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt für 2018 lautet: radikal

Vergleich

Gestern Abend hab ich die Kälber auf der Weide dabei beobachtet, wie sie sowohl den neuen wie auch die bereits gewissenhaft und sorgfältig gestapelten Baumstämme genüsslich nutzen, um den gesamten Körper damit zu massieren. Das neue Baumstück und der Sauerkirschbaum sind am begehrtesten, da stehen sie sogar an …

Und warum auch immer, die Szene hat mich an die Massagedüsen in vielen Wohlfühlbädern und Thermen erinnert. Die massierenden Sprudel sind bei den Besuchern äußerst beliebt, manche Bäder lassen sogar einen Gong ertönen, der aktiv zum Wechsel auffordert. Und nicht nur einmal habe ich auch hier das Schlangestehen beobachtet. 😉