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Familiengeschichten: Generationen verändern sich

Gerade tritt familiär deutlich zu Tage, dass sich Ansichten verändern.

Hintergrund ist, dass meine Tante, die ältere Schwester meines Vaters, vor vielen Jahrzehnten geheiratet hat. Einen Mann, der bei meinen Großeltern nicht gut ankam. Warum, weshalb, lange her, vielleicht auch längst vergessen. Trotzdem war er kaum als Familienmitglied aktiv. Ich brauche nicht alle meine Finger, um aufzuzählen, wie oft ich ihm in meinen Lebensjahren begegnet bin. Und selbst wenn hab ich nie einen echten Kontakt aufgebaut, ihn nicht gekannt.

Vor etlichen Jahren hat sich meine Tante aus Gründen von diesem Mann getrennt, lebt seitdem allein. In der Verwandtschaft fiel der Unterschied kaum auf. Und man muss auch dazu sagen, dass meine väterliche Familie nicht so gern über „so was“ spricht.

Jetzt ist dieser Mann – ich müsste wohl schreiben mein Onkel, aber es fühlt sich nicht so an – gestorben. Und meine Tante als seine Witwe kümmert sich gemeinsam mit ihren Kindern um eine Verabschiedung. Keine traditionelle Beerdigung. Für mich fühlt es sich komisch an, nicht nachvollziehbar, dass sie in ihre Rolle zurückkehrt, die sich vor vielen Jahren verlassen hat. Das ist aber ihr Thema, nicht meins.

Mein Thema ist, dass meine Eltern ernsthaft von ihren Kindern erwarten, dass wir zu dieser Verabschiedung gehen. Weil sich das so gehört.

Ja, ein Argument der Generation meiner Eltern. Was bin ich dankbar, dass ich einer anderen Generation angehören darf. Die nachspürt, ob da ein Bedürfnis ist, sich von diesem unbekannten Familienmitglied zu verabschieden. Und auf sein Gefühl hört, statt sich einer Situation auszusetzen, die man bestenfalls konventioneller Zwang nennen kann …

Sonntagsfreude: Verliebt in die Liebe …

Diese Woche sind die Gemüter beschäftigt, mit einer Familienfeier, einem Happening – aber der Reihe nach: In einer Einladung zu einer standesamtlichen Trauung war viel von Liebe und einem verliebten Paar zu lesen, jetzt sendet das frischverheiratete Paar verliebte Grüße – fast 600 Bilder von einem Tag, an dem überall Herzen zu sehen waren und das Wort Liebe einen Ticken zu oft ins Auge stach. Und gefühlt im Minutentakt Bilder aus den Flitterwochen, scheint viel Zeit für das virtuelle Teilen des Glücks zu sein. Nur das Paar, das so viel darüber schreibt, bei dem kommt das so gar nicht rüber … im Gegenteil.

Es wirkt ein bisschen wie eine Inszenierung, die dummerweise nicht überzeugen kann. Verliebt in die Liebe, aber ohne das echte Gefühl zu erleben … so in etwa. Was würd ich den beiden wünschen, dass sie weniger vom Fotografen gesteuert werden hätten müssen und er einfach nur das mit der Kamera hätte einfangen dürfen, was alle anderen fühlen und sehen hätten dürfen. Und Punkt.

Meine Sonntagsfreude sind meine beiden Nichten, die in der ganzen gestellten Hochzeitstag-Szenerie einfach sich selbst treu geblieben sind, verschmitzt, spielerisch und mit klarem Blick fürs Wesentliche 😉

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

Spruch zum Wochenende

Weil mich der Gedanke in den letzten Tagen beschäftigt und weil es so treffend ist:

„Liebe ist gleichzeitig das egoistischste und selbstloseste Gefühl der Welt, und die beiden Seiten lassen sich nicht voneinander trennen. Die eigenen Bedürfnisse kämpfen gegen den Wunsch, die geliebte Person glücklich zu sehen. Deshalb lässt sich die Liebe nicht rational betrachten, und keiner entkommt ihr.“ (Lucinda Riley)

Das mit Mozart

Als der Chor, in dem ich jetzt seit einem Jahr wieder öfter mitsingen darf, anfragte, ob ich auch dieses Jahr könne und Lust auf Mozart habe, sagte ich mit Freuden zu. Und studierte eifrig meine Duettpassage im „Suub tuum praesidium“ (KV 198 158b) ein – den Tenor. Gar nicht so leicht, wenn man vor Jahren den Sopran sang und immer eher noch die Läufe meiner Duettpartnerin im Ohr hat?

Sicher dagegen war ich mir, dass ich die Missa brevis in welcher Tonart auch immer „drauf habe“. Hab ich, aber die Loretomesse (in B, KV 275) mit der Spatzenmesse (in C-Dur, KV 220) verwechselt hab ich zudem. So kams, dass ich nach der Generalprobe Freitag doch noch unter Druck kam und mir in ein paar Stunden unzählige Passagen eintrichtern musste, denn so sicher war ich dann doch nicht an ganz schön vielen Stellen … so ein bisschen Druck schadet aber nicht und alles war theoretisch gut machbar.

Dass mich das Sommerohr dieses Jahr schon im Mai ereilt war dann aber praktisch hinderlich, war Samstag sogar beim hausärztlichen Notdienst (den zum Glück neuerdings auch in den umliegenden Landkrankenhäusern zu finden ist), um mir die Heilsalbe mit Breitbandantibiotikum verschreiben zu lassen. Ist ja nicht mein erstes Mal Ohrenentzündung, da brauchts keine Experimente. So hab ich immerhin auf dem linken Ohr gehört (beim Singen ist das Hören ja nicht ganz unerheblich), rechts hat während der Aufführung immer wieder geploppt, dafür war’s ganz ok.

Unerwartet für mich war, dass bei den Namen der Verstorbenen, für die im Gottesdienst besonders gebetet wurde, unsere kürzlich verstorbene Chorfreundin an letzter Stelle kam, nach dem Duett flossen die Tränen – Musik setzt Emotionen frei, die man längst „unter Kontrolle“ wähnte …

Der Herr Mozart wär mir sicher mit seinem „Schneizhadern“ zu Hilfe geeilt und hätte mich galant getröstet? Ist ihm auch so durch seine Musik gelungen …