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Musik am Mittwoch: So soll es sein

Was für eine Überraschung- ein Mädchen wirft ein paar Münzen in den Hut eines Straßenmusikers. Was dann kommt bereitet mir Gänsehaut. So sollte es sein, einer fängt an, alle anderen stimmen ein. Ein Spruch lautet in etwa, wo man singt und musiziert, da lass dich ruhig nieder, böse Menschen kennen keine Lieder. Die Musikerin in mir würde am liebsten mitsingen, zumindest möchte ich hier gerne begeistert klatschen. Sehr gelungen und eine wundervolle Idee!

Musik am Mittwoch: Nur ein Lied

Wenn die Einnahmen eines Liedes für „Save the children“ gespendet werden finde ich das gut. Wenn ein Musiker dazu seiner Emotion Ausdruck verleiht und es ihm gelingt, den richtigen Ton zu treffen, auch. Kann aber noch übertroffen werden, wenn der Musiker Begleitung bekommt, durch ein großes Orchester, Streicher, Bläser, so ein Arrangement kann Musik noch mal eine ganz andere Tiefe verleihen. Für mich sehr gelungen, diese Version von Alex Diehls „Nur ein Lied“.

Das mit dem Dankeschön

Freitag abend wurde gefeiert, ein 50jähriges Jubiläum an der Orgel. Viele offizielle Worte wurden da gesprochen, alle mit sehr viel Wertschätzung. Aber da sitz ich mittendrin und fühle, dass das längst noch nicht genug ist. Kennt ihr auch Menschen, die immer mehr geben, als sie annehmen können/wollen? Worte können die Dankbarkeit für alles, was dieser Mann für uns alle getan hat gar nicht ausdrücken.

Also: Dem Anlass entsprechend hat der Chor Händels Halleluja umgedichtet, das er in diesen 50 Jahren unzählige Male begleitet hat. Dutzende Aufnahmen hat er auf Kassetten zu Hause, alle beschriftet, aber unsortiert in einem großen, großen Schrank … Das wird aber nicht erwähnt. Weiß das vielleicht keiner? Dann werden Gedichte vorgelesen, selbst gedichtet und gereimt, versteht sich. Das eine, zu lang, das andere, zu kurz, beide kratzen nur an einem Teil der Geschichte. Das Dankeschön im Namen aller ist unterbrochen von vielen Lachern. Viele Worte, die irgendwie nicht den Kern treffen. Alles steckt so sehr in der Gegenwart fest. Die Musiker bringen Ständchen, untermalt von Kaffeehausmusik werden da aktuelle Erinnerungen, witzige Begebenheiten besungen. Supertoll gemacht, aber irgendwie wird es dem Anlass immer noch nicht gerecht. Der Jubilar merkt selbst, dass hier keiner mehr ist, der die 50 Jahre mit ihm zusammenfassen kann, also ergreift er das Wort. Und berichtet, vom Anfang, als er eingesprungen ist, für die erkrankte Organistin. Dass er seit 50 Jahren nur als Ersatz im Einsatz ist. Wie er sich das Orgelspielen angeeignet hat. Für welche Chorherren, Pfarrer und Dirigenten er schon tätig war. Wie sehr er sich über die vielen bekannten Gesichter freut, die seinetwegen gekommen sind, obwohl sie sonst kaum mehr zu sehen sind. Wie dankbar er für die Musik ist, die sein soziales Netzwerk war und ist. Die ihm so viel Spaß und Freude bereitet, sein Leben bereichert, ihm so viele wertvolle Begegnungen und Erlebnisse schenkt … Auf den Punkt. Dankeschön.

Schön war sie, die Feier, eine Reise in die Vergangenheit. In einen Musikerfreundeskreis, der sich in den letzten Jahren aus den Augen verliert. Aber auf den gemeinsamen Zeiten aufsetzen kann. Wir haben uns sogar vorher zum Proben getroffen, denn wir sind nicht mehr wöchentlich zusammen, müssen uns erst wieder aufeinander einhören, Sicherheit gewinnen, mit einer Ausnahme ist aktive Musik nicht mehr ein wichtiger Bestandteil unseres Lebens. Und die wollten, obwohl es „nicht ganz perfekt“ war doch tatsächlich eine Zugabe …

Anders ist er geworden, „mein“ Chor. Immer noch viele von den alten Mitsängern, aber auch viele neue. Und die haben auch eine andere Art, zu singen. Als ich Mitglied in diesem Chor wurde, gab es einen begnadeten Dirigenten, selber Sänger durch und durch. Der viel erreichen wollte und ein Qualitätsniveau geschaffen hat. Und einen Organisten, der immer mehr gab, als er musste. Ja, anders, das ist das richtige Wort. Nicht mehr mein Chor, trotzdem konnte ich für einen Abend (besser eine lange, heiße Sommernacht) zurückkommen. Und mich entspannt zurücklehnen und wohlfühlen. Dafür von Herzen Dankeschön.

Der Holledauer Fidel

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Quelle: http://www.holledauer-fidel.de

Im Jahr 1920 wurde ein niederbayerisches Singspiel uraufgeführt, eine Operette in 3 Akten. Die Handlung des Fidel ist schnell erzählt: armer Hopferzupfer aus dem Bayerischen Wald verliebt sich in reiche Bauerstochter, die hat jedoch eine bessere Partie im Sinn. Eine Brautschau später besinnt sie sich darauf, was wirklich wichtig ist: „zwei starke Arme und ein treues Herz“, Reserl und Fidel verloben sich. Der Komponist Erhard Kutschenreuter lebte in der Hallertau und im Bayerischen Wald, er machte aus dem Operettentrend der Jahrhundertwende und Holledauer bzw. bairischen Volksweisen eingängige Meldodien und griff die Irrungen und Wirrungen auf, die so zum Leben und Lieben dazugehören. Zwei der Musikstücke aus dem Fidel sind gar nicht mal so unbekannt, der Waldlermarsch und der Holledauer Marsch werden in Festzelten mit Blasmusik weit über die Holledau hinaus gespielt, auf dem Münchner Oktoberfest höre ich sie ziemlich oft. F.J. Scherrer war Librettist, also Texter, ihm sind einige äußerst humorvolle Passagen im Text zu verdanken, ich würde sagen, auch die „Geheimnisvolle Himmelsmacht der Liebe“ geht wohl auf ihn zurück.

Mit dem Fidel verbinden mich 2 Jahre, 2 Sommer meines Lebens. Ich hatte das große Glück, nicht nur am „eigentlichen“ Fidel aktiv dabeizusein, sondern meine Premiere 1995 bei einer sehr seltenen Aufführung der Fortsetzung „Der Holledauer Fidel – Neuigkeiten vom lustigen Fidel und der ehrengeachteten Familie Wurmdobler in vier Aufzügen“, die 1931 uraufgeführt wurde, in Au zu feiern. Ich habe die Reihenfolge quasi umgekehrt mitgemacht, erst die Fortsetzung, dann 1999 den eigentlichen Fidel gesungen. Das an und für sich ist noch keine Besonderheit, schließlich standen sowohl 1995 als auch 1999 einige mit mir auf den Brettern, die die Welt bedeuten, die schon in den 50er Jahren, damals als Kinder, mit dabei waren. Das Besondere am Fidel war und ist, dass man von Anfang an lebendiger Teil des Stücks wird. Binnen kürzester Zeit wachsen alle Mitwirkenden zusammen. Man wird Teil einer großen Familie. Fidel-Zeiten sind Ausnahmezeiten. Es steckt sehr viel Arbeit und Vorbereitung darin, es ist kein bloßes Theaterstück, es geht um Singen, Spielen, Leben. Man verlässt eine Zeitlang sein eigenes, modernes Ich und wird zur Figur des Stücks, bringt seinen eigenen Charakter ein, dennoch verschmelzen die Persönlichkeiten. Und es macht eine irre Freude, auf einer tollen Bühne zu stehen, zu singen, zu spielen, das Publikum für ein paar Stunden in diese andere Welt mitzunehmen.

P1130202Gestern war ich mittlerweile zum 3. Mal seit meinen eigenen Bühnenerlebnissen in einer Aufführung des Fidel, habe mehr als 100 Mitwirkenden zuschauen dürfen, wie sie die vergangene Zeit lebendig werden lassen, wie sie ihre Persönlichkeiten im Singspiel einbringen und es sehr genossen. Natürlich werden da eigene Erinnerungen wach, an die Aufregung, die unterschiedlichen Erlebnisse, Besucher, Erfolge. P1130235Vor allem an die unvergessliche Zeit, das waren ganze Sommer, die wir gemeinsam verbracht haben, lange, zum Teil sehr lange Nächte nach den Aufführungen. Unvergesslich bleibt die Zeit … In Siegenburg haben die Mitwirkenden jetzt nach monatelangem Proben ihre ersten 3 Aufführungen hinter sich, die Woche wird Luft geholt, ehe es an den nächsten beiden Wochenenden noch mal auf die Bühne geht. Alle Darsteller sind auch hier Laien, das macht den besonderen Charme aus. Nicht jeder Ton wird perfekt getroffen, ich finde gut, dass die Sänger an manchen Stellen nicht stur den Noten folgen, sondern so manche alternative Melodie ausgewählt haben. Mir gefällt auch, wie der ein oder andere seiner Rolle an manchen Stellen einen eigenen Text und damit eine eigene Note verpasst hat.

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Bühnenbild beim Holledauer Marsch
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Fidel und Reserl
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Kinderchor
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Der Waldlermarsch

Die Siegenburger spielen im Vergleich zu uns in Au auf einer winzigen Bühne, und trotzdem passen alle Mitwirkenden irgendwie drauf. Der Stolz dabei zu sein sprüht jedem aus den Augen, wie im Sport ist Dabeisein alles. Da wird vieles möglich gemacht. Ich habe die Stunden sehr genossen. Der Fidel und sein Reserl sind bezaubernd, dabei sehr natürlich. Sie mussten sich auf ihre Rollen einlassen – und das gelingt beiden sehr gut. Dem Sichbauern und seiner Frau merkt man an, dass sie gut aufeinander eingespielt sind, kein Wunder, die beiden kennen sich seit Schulzeiten, haben schon in alten Tagen gemeinsam Musik gemacht. Das weckt Erinnerungen. Mir haben alle Darsteller sehr gut gefallen, auch wenn – und das gebe ich gerne zu – ich natürlich meine Maßstäbe ansetze und immer noch meine eigenen Mitstreiter aus dem Jahr 1999 für die perfekte Besetzung halte. Aber jeder neue Darsteller bringt eine neue Facette zum Leuchten, die es wieder schön macht, das Stück, das ich auch heute noch so gut wie auswendig kenne, anzuschauen und immer wieder etwas Neues zu entdecken. So ging es mir im Herbst 2000 in Moosburg und 2010 in Au. Und jetzt in Siegenburg. Zuschauen macht auch sehr großen Spaß, man muss nicht auf der Bühne dabei sein, um dabei zu sein – auch wenn man hin und wieder zumindest mitsummt und bei der Zugabe auch mal laut in den Chor einstimmt.

Wer mehr über den Fidel nachlesen möchte oder vielleicht in der Gegend wohnt und eine Aufführung sehen möchte empfehle ich die Website zum Holledauer Fidel 2013. Aufführungen noch bis zum 22.9.2013. P1130204

Allen Mitwirkenden wünsche ich weiterhin eine erfolgreiche und unbeschwerte Zeit, hoffentlich wird keiner krank, denn alle machen das ohne Zweitbesetzung.