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Familiengeschichten: Generationen verändern sich

Gerade tritt familiär deutlich zu Tage, dass sich Ansichten verändern.

Hintergrund ist, dass meine Tante, die ältere Schwester meines Vaters, vor vielen Jahrzehnten geheiratet hat. Einen Mann, der bei meinen Großeltern nicht gut ankam. Warum, weshalb, lange her, vielleicht auch längst vergessen. Trotzdem war er kaum als Familienmitglied aktiv. Ich brauche nicht alle meine Finger, um aufzuzählen, wie oft ich ihm in meinen Lebensjahren begegnet bin. Und selbst wenn hab ich nie einen echten Kontakt aufgebaut, ihn nicht gekannt.

Vor etlichen Jahren hat sich meine Tante aus Gründen von diesem Mann getrennt, lebt seitdem allein. In der Verwandtschaft fiel der Unterschied kaum auf. Und man muss auch dazu sagen, dass meine väterliche Familie nicht so gern über „so was“ spricht.

Jetzt ist dieser Mann – ich müsste wohl schreiben mein Onkel, aber es fühlt sich nicht so an – gestorben. Und meine Tante als seine Witwe kümmert sich gemeinsam mit ihren Kindern um eine Verabschiedung. Keine traditionelle Beerdigung. Für mich fühlt es sich komisch an, nicht nachvollziehbar, dass sie in ihre Rolle zurückkehrt, die sich vor vielen Jahren verlassen hat. Das ist aber ihr Thema, nicht meins.

Mein Thema ist, dass meine Eltern ernsthaft von ihren Kindern erwarten, dass wir zu dieser Verabschiedung gehen. Weil sich das so gehört.

Ja, ein Argument der Generation meiner Eltern. Was bin ich dankbar, dass ich einer anderen Generation angehören darf. Die nachspürt, ob da ein Bedürfnis ist, sich von diesem unbekannten Familienmitglied zu verabschieden. Und auf sein Gefühl hört, statt sich einer Situation auszusetzen, die man bestenfalls konventioneller Zwang nennen kann …