Archiv der Kategorie: auch einen gedanken wert

Begleitthemen

Gibt so Themen, die mich lange begleiten. Die ich eine Zeitlang sogar in die Ecke stellen und fast vergessen kann, weil sie nur noch selten in Erscheinung treten. „So etwas“ hat sich vor jetzt rund 6 Wochen mit Rumms wieder in meinem Alltag zurückgemeldet. Das ist nach 3 Jahren, von denen ich immerhin ein halbes Jahr fast permanent akut Schmerzen hatte, sogar für mich zu viel. Deshalb war ich die letzten Wochen bei Ärzten, bei der Krankenkasse. Und jetzt auf eigene Faust und Kosten bei einer Heilerin. Einer Osteopatin.

Sie kann Schmerzen lindern, für die Ärzte und Gesundheitsvorsorge keine Behandlungsmöglichkeiten gefunden haben und auch jetzt nicht finden. Können. Weil davon ja auf den radiologischen Aufzeichnungen nichts zu sehen ist. Schon vor 3 Jahren hat mich überrascht, wie allein man als Patient mit dem Problem bleibt. Die Lösung waren Bandagen, die aber letztlich nie wirklich Linderung gebracht haben.

Trotzdem ist der Schmerz da, aktuell ist er durch die Erstbehandlung auch so, wie in den ersten Tagen und Wochen nach der Verletzung. Mit begleitenden Kreislaufproblemen. Und Schlafproblemen. Aber ich bin dankbar aus tiefstem Herzen. Ich spüre, wie Bewegung in die fast steife Stelle kommt – auch wenn es sich heute noch nicht wirklich nach Besserung anfühlt: jetzt bloß nicht ungeduldig werden …

Explosive Zeiten

Es ist verzwickt, denn fast immer kommt es zwischen Eltern und Kindern zu Konflikten. Weil die sich nämlich am meisten lieb haben. Also kann da auch am meisten explodieren. Weil da sind ja auch die vielen Phasen, die zum „Großwerden“ dazu gehören. Also das mit dem Denken, dass man schon alles besser weiß, sich aber um alles drückt, was dann eben auch dazu gehört. Da gehen manche Eltern, je nach Charakter, ruhiger und gelassener durch, manche eben nicht …

Jetzt ist das mit dem Erziehen auch so ein Definitionsding. Da gehen die Ansichten zu denen des heranwachsenden Nachwuchs oft planetenweit auseinander. Und wenn dann auch noch manche Eigenschaften so ähnlich sind, dass der Nachwuchs Mama oder Papa quasi den Spiegel des eigenen Stursinns vorhält … hui, ich sprach ja schon von explodieren.

Ich war selbst ein Sturschädel de luxe. Wusste schon früh alles besser, fand mich oft missverstanden oder mit Verantwortung zugeschüttet, bin vor allem mit meinem Vater immer wieder aufeinander gekracht. Der von seiner Ältesten viel mehr Vernunft, viel früher Verantwortungsbewusstsein und was auch immer noch so erwartet hätte. Und trotzdem sind wir da irgendwie beide durchgekommen. Und heute liebevoll miteinander verbunden. Also obwohl ich ihn jahrelang schrecklich fand. Und er mich.

Das nur mal so, weil mir natürlich auffällt, wie schwer es die bezaubernde Nichte grad mit ihren Eltern hat. Nicht nur wegen Corona. Aber auch deswegen. Es gibt Hoffnung. Später. Versprochen.

… das mit Zahlen und Theorien

Bei allem Verständnis und Unverständnis – man muss kein Rechenkünstler, Statistiker, Virologe, Immunologe, Freiheitskämpfer oder was auch immer da noch an selbsternannten Experten gerade aus dem Boden sprießt sein:

Was am Ende bleibt ist, dass auch eine noch so verschwindend gering erscheinende Zahl ein von Menschen geliebter Mensch ist.

Dessen Leben wert ist, unter allen Umständen geschützt zu werden.

Und dass ich sehr hoffe, dass alle, die jetzt laut rufen, alles besser wissen, sich mit ihrem Protest über die Mehrzahl der „Geknechteten“ erheben, nicht diejenigen sind, die hinterher einen geliebten Menschen betrauern. Wobei …?

wien.at Video

Es geht nicht um dich …

„Ein Mann in China erkrankt an einer mysteriösen Lungenkrankheit.

Was es ist, interessiert keinen. Das Virus bekommt einen Namen. “Sars-CoV-2”. “Zu uns wird das nicht kommen.”

Asien. Afrika. Amerika. Kölns Straßen rufen “Alaaf!” Die Zahl der Infektionen steigt. „Corona ist doch nur eine Grippe.” In den Medien kursieren die verschiedensten Auffassungen zum neuen Virus und selbst auf den sozialen Medien weiß jeder Blogger, dass man mit dem Thema Corona gerade viele Klicks generiert. “Die Influenza fordert jedes Jahr weltweit tausend Tode.”

Slowenien ruft den Notstand aus. Bei “Corona-Challanges” lecken Leute an Klodeckeln. Die größte Reisemesse der Welt wird abgesagt. Toilettenpapier wird gehamstert. Menschen in Italien werden zum Sterben nach Hause geschickt. “Ich gehöre nicht zur Risikogruppe.” Österreich macht die Grenzen zu. Die Zahl der Infektionen steigt weiter. Mitarbeiter stehlen im Krankenhaus Desinfektionsmittel und Atemschutzmasken.

Meine Kollegin beschwert sich, dass man mit den Kids nicht mehr auf den Spielplatz darf. Die ersten deutschen Schulen werden geschlossen. Es steigen Corona-Partys. Anweisung von oben: Pflegepersonal muss arbeiten, solange keine Symptome bestehen. Auf Corona werden wir nicht getestet. Die Geschäfte werden bundesweit geschlossen. Die Deutschen nehmen wegen einer Sprachnachricht kein Ibuprofen mehr. Die Zahl der Infektionen steigt. Die größte Rückholaktion in der deutschen Geschichte. Ausgangssperre in Spanien.

Friseure sind weiterhin geöffnet. Haare schneiden – ein Grundbedürfnis? Über 20.000 Infizierte in Deutschland. Das Krankenhaus jongliert mit Zahlen. Maximale Anzahl an Intensivplätzen? 120. Momentane Anzahl an verfügbarem Pflegefachpersonal? Nicht einmal ansatzweise genug. Kaffee und Kuchen bei Oma. Beatmungsgeräte in Italien funktionieren nicht mehr.

Hallo. Ich heiße Emma und ich arbeite in der Notaufnahme. Das alles ist gerade mal in 4 Monaten passiert. Letzte Woche wäre ich beinahe nicht mehr zur Arbeit gegangen. Ich war so wütend. Ich bin es immernoch. Der Virus überrollt uns offensichtlich und deine individuellen Wünsche und Bedürfnisse werden noch immer an erste Stelle gestellt. Wenn du Corona nicht ernst nimmst, dann musstest du in deinem Leben noch nie einstecken. Dann ist dir nicht bewusst, dass du noch nie einen Krieg erlebt hast, noch nie Hunger gelitten hast. Du weißt nicht, wie es ist, dich zurückzunehmen und zum Wohle anderer zu handeln.

Du hast ein Dach über dem Kopf, das Essen steht pünktlich und reichlich auf dem Tisch. Du denkst, du bist unbesiegbar. Wieso solltest du deinen Komfort aufgeben, wenn du nicht zur Risikogruppe gehörst? Und während du weiterhin deinen Lieblingsbeschäftigungen nachgehst, Junggesellenabschiede feierst und im Café schmatzend Kuchen naschst, füllen sich bei uns die Betten.

Du verstehst nur eins nicht: Es geht nicht um dich. Und solange du dich selbst nicht in der Verantwortung siehst, werden die Zahlen weiter steigen. Während du dich mit Freunden triffst , steigt die Belegung der Intensivstationen. Du verstehst nicht, dass es nur eine Frage der Zeit ist bis es dich auch direkt trifft.

Noch sind es die anderen, die sich genauso verantwortungslos wie du zeigen. Bald bist du direkt Schuld daran, dass Patienten stundenlang in ihrer vollen Windel liegen, weil sie keine Priorität haben. Du weißt nicht wie es ist, wenn man sich von Oma über das Telefon für immer verabschieden muss. Du verstehst nicht, dass bei dem 85-jährigen Opa die Beatmungsmaschine abgeschaltet wird, um damit Papa, 45, das Leben zu retten. Genau das passiert gerade in Italien. Ärzte, die eigentlich für die Gesundheit kämpfen, sollen nun entscheiden, wer sterben muss.

In meiner heutigen Nachtschicht kam ein 70-Jähriger mit einer massiven Hirnblutung zum Sterben ins Krankenhaus. Abschied nehmen darf seine Frau heute noch persönlich. Morgen könnte es anders aussehen. Die Regierung muss durchgreifen, weil die Bürger sich nicht in der Verantwortung sehen.

Deine individuelle Freiheit ist dir wichtiger, als das Wohl aller. Wer Angst vor der Ausgangssperre hat, kauft Toilettenpapier. Womit spült man sonst seine soziale Verantwortung herunter? Außerdem muss man dem Ego ja schließlich einen Thron bauen, wenn man schon zu Hause bleiben muss.

Während du dich ärgerst, dass deine Freiheit so eingeschränkt wird, müssen meine Kollegen und ich, Notfallsanitäter, Ärzte, Verkäufer, Polizisten arbeiten. Manche arbeiten 12 Stunden pro Tag, 7 Tage die Woche, zu jeder Tageszeit. Wir dürfen nicht zu Hause bleiben. Unser Urlaub wird auch gestrichen. Weil ihr wie verrückt einkauft, werden die Supermärkte sogar sonntags geöffnet, obwohl die Lebensmittellieferungen weiter laufen. Wegen deiner hirnlosen Panik schieben Verkäufer und Polizisten Überstunden. Wegen deiner egoistischen Ignoranz füllen sich die Krankenhäuser. Wegen deinem Mangel an Verantwortungsgefühl leiden andere …

Schon jetzt gibt es an meinem Arbeitsplatz keine Mundschutze mehr. Ich trage einen Mundschutz eine ganze Schicht, obwohl diese nach weniger Zeit keine Funktion mehr haben. OP-Säle sträuben sich, Corona-Patienten den entzündeten Blinddarm zu entfernen.

Und dann kommen Patienten wie du, die letzte Woche im Biergarten Radler trinken waren und heute hustend einen Corona-Abstrich fordern. Eigentlich bist du nur hier, weil du sicher gehen willst, ob du jetzt zu Hause bleiben musst oder heute Abend zu deinem Kumpel gehen kannst. Wenn ich dich direkt wieder mit der Telefonnummer des Gesundheitsamts nach Hause schicke, erfülle ich die Vorgaben meines Arbeitgebers und meine Fürsorgepflicht für meine anderen Patienten. Du gefährdest die Leute, die in der NOTaufnahme wegen richtigen NOTFÄLLEN da sind. Hirnblutungen. Herzinfarkte. Geplatzte Aneurysmen. Unfallopfer. Und Corona. NOTFALLpatienten, die nicht mehr atmen können. Ich erkläre es dir sogar. Du schreist mich an, schubst mich, beleidigst mich.

Was du immer noch nicht verstehst: Es geht nicht um dich. Weil wir keine Ärzte sind, werden wir nicht respektiert und bekommen direkt den Unmut der Patienten und Besucher ab. Wie oft forderst du einen Arzt, weil du mir als “dummer Krankenschwester” nicht glauben willst? Ich muss mittlerweile immer ein Telefon bei mir tragen, um jederzeit den Sicherheitsdienst oder die Polizei rufen zu können. Wie kann man solche Zustände in Deutschland akzeptieren?

Wie kann es sein, dass die Leute in Norwegen ihren Ärzten, Pflegekräften und anderem medizinischen Personal zujubeln, auf den Balkonen stehen und applaudieren? Dass dies auf allen Plattformen zu sehen ist, sogar eigene “Hashtags” dafür bestehen? Wo bleibt deine Anerkennung? In einer Petition fordern wir endlich eine faire Entlohnung. “Wie dreist von den Pflegekräften, die jetzige Situation ausnutzen, um gehört zu werden!”, darf ich mir anhören. Vermutlich von denen, die Dosenravioli und Klopapier bunkern. Die aktuelle Situation macht alles noch schlimmer und wir haben unsere persönlichen Limits schon lange überschritten.

Vielleicht liest du das und fühlst dich angesprochen. Vielleicht liest du das und schüttelst den Kopf vor Hilflosigkeit. Was kannst du denn tun? Zeige Verantwortung. Gerade herrscht eine Ausnahmesituation. Alte Menschen brauchen Hilfe beim Einkaufen. Die Arbeiter der Bauern sind nach Hause, über die Grenze geflüchtet. Die Lieferdienste sind überlastet. Kleine Geschäfte haben einen Verdiensteinbruch.

Wenn du nicht zur Risikogruppe gehörst, dann biete Ihnen deine Hilfe an. Biete der alten Dame im Haus an, ihren Hund auszuführen und einkaufen zu gehen. Vielleicht hilfst du einer Freundin einen Onlineshop zu bauen. Hilf dem Bauern bei der Spargelernte. Was sind deine Fähigkeiten, wo kannst du dich nützlich machen? Dir fällt nichts ein? Dann bleib Zuhause.

Und das gilt für alle. Keine Freunde treffen, keine Partys, keine Reisen. Hab Verantwortungsbewusstsein nicht nur dir selbst gegenüber. Sonst gibt es auch in Deutschland bald ähnliche Fallzahlen wie in Italien. Wenn du nicht endlich Verantwortung zeigst, heben wir bald die Hände und schicken deine alte Mutter zum Sterben nach Hause, da die Kapazitäten der Intensivstation schon lange erschöpft sind.

Ich bin Emma und ich arbeite in der Notaufnahme und das war meine Nachricht an euch.. (Emma ist meine Cousine und ich möchte sie und ihre Kollegen in den Krankenhäusern unterstützen. Teile diese Nachricht, wenn du ihrer Meinung bist.)“

Text gefunden bei Vanilla Icedream und befunden, dass der weiter geteilt werden sollte. Weil er mir aus der Seele spricht