Archiv der Kategorie: besonders

Ich hab ein Geschenk bekommen …

Wisst ihr, was ich bekommen habe? Einen selbst eigens für mich gebastelten Adventskalender – jetzt wird vielleicht der ein oder andere lächeln, weil das ja nicht so selten ist? Für mich schon, ich hab nämlich noch nie einen bekommen. Fertige, ja. gekaufte, ja. Aber keinen, der für mich mit viel Liebe und Mühe gebastelt wurde. Von der Idee bis zur Umsetzung und Befüllung. Produzentin ist die bezaubernde Nichte, die damit in den letzten Wochen echt Stress hatte, denn nicht nur ich hab einen bekommen, auch ihre kleine Schwester, die Eltern, … zu den Großeltern ist sie nicht mehr gekommen, weil das echt viel zu viel Arbeit so neben Schule und den ganzen anderen Verpflichtungen einer jetzt 9jährigen war. Was drin ist? Ich kann ja nur für die ersten beiden „Türchen“ sprechen: Schokolade und ein Pferdebild. Und ich freu mich so sehr, kann ich gar nicht in Worte fassen. Da zerspringt förmlich mein Herz vor Glück

August-Geburtstagsgruß

Liebe Mademoiselle,

Es ist der erste Geburtstag, den du „alleine“ feierst. Dein Opa, der den Geburtstagstag ja seit deiner Geburt mit dir teilen durfte, feiert vom Himmel aus mit. Bestimmt hat er neugierig nach unten geschaut, was sein Mädel den Tag über erlebt. Wahrscheinlich hat er dir einen kitzelnden Sonnenstrahl geschickt, als ihr gestern an seinem Grab wart. Vielleicht hat er ein paar bunte Schmetterlinge zum Tanzen gebracht?

Ganz bestimmt war er um euch herum und hat sich gefreut, dass seine Familie das Löwen-Geburtstagskind gemeinsam gefeiert hat. Vielleicht hast du hin und wieder an deinen Kettenanhänger gefasst, den er dir kurz vor seinem Tod vererbt hat? Das hat ihm ganz bestimmt ein Strahlen ins Gesicht gezaubert …

Und vielleicht hat euch gestern auf der Heimfahrt ein Stern oder ein paar mehr den Weg geleitet? Ja, ich denke, auch dafür hat er Sorge getragen. Vielleicht hat er dir sogar eine Sternschnuppe geschickt? Auch das würd ich ihm durchaus zutrauen.

Schön, dass er diesen Tag weiterhin in so „lebendigen Gedanken“ mit dir feiern darf …

Alles Liebe zum Geburtstag wünscht dir deine wahrscheinlich nicht mehr lang „große“ Patentante

Familiengeschichten: Anrufe

Entschuldigung, das ist dieses Mal keine der durchaus amüsanten Anekdoten aus unserer Familiengeschichte. Wenn ich einen Anruf während der Arbeitszeit von meinen Familienmitgliedern bekomme, wenn es noch dazu an einem normalen Arbeitstag-Montag um die Mittagszeit ist, dann bedeutet das schlicht nichts Gutes. Vergangenen Montag war meine sehr gefasste Schwester am anderen Ende. Sie meldete sich aus dem Klinikum. Mein Schwager hatte sich morgens nicht wohl gefühlt und ist deshalb – direkt nachdem er Nichte 2.0 wohlbehalten im Kindergarten abgeliefert hat – zum Arzt.

Von dort aus ging es für ihn per Rettungswagen ins Krankenhaus, 3 Stents später lag er auf der Intensivstation. Um sich von einem Hinterwand-Herzinfarkt zu erholen. Sehr überraschend. Und natürlich ist er dafür viel zu jung. Zwischenzeitlich geht’s ihm zum Glück gut, er wartet auf die Informationen zur Reha, wo er sich umfassend zum Thema Ernährung und alles, was sonst noch zum gesunden Leben beitragen kann, weiterbilden wird.

Die beiden Nichten haben den Papa sehr vermisst, durften ihn aber jeden Tag besuchen. Und sie geben ihn jetzt gerne für die Kur frei, weil halt. Puh, war für alle ein richtig großer Schock. Und der sitzt uns allen noch tief drin, muss erst mal verarbeitet und verdaut werden.

Dekaden

Es gibt diese Erinnerungen, Momente, die sich uns förmlich einbrennen, die wir nicht vergessen. Zwei Dekaden ist es jetzt her, 20 Jahre. Am Vormittag hat mein Telefon in der Arbeit geklingelt. Und ich hab das Gespräch noch sehr genau im Ohr, die Stimme, die Angst, das Bemühen, uns in englischer Sprache zu erklären, dass meine Schwester mit einer lebensbedrohlichen Krankheit ins Krankenhaus eingeliefert worden sei. Man habe sie in ein künstliches Koma versetzen müssen, unter dem Namen der Krankheit konnte ich mir nichts vorstellen. Trotzdem war klar: die Nachricht war nicht gut.

Die nächsten Stunden ist die Familie zusammengekommen, nach einigen Überlegungen wurden 3 Flugtickets gekauft, günstige. Aus dem nachträglichen Blickwinkel erscheint vieles sonderbar, wir mussten Bargeld organisieren, auch ich hatte damals noch keine Kreditkarte. Ein paar Dinge eingepackt machten meine Mutter und wir zwei Schwestern uns auf den Weg, in London haben wir einen Teil des Weges mit der Tube zurückgelegt. Gegen Mitternacht kamen wir endlich im Krankenhaus an, meine Schwester war stabil im Koma. Eine junge deutsche Ärztin milderte die grobe Ansage der leitenden Oberärztin etwas ab. Hoffnung, wenn sie die nächsten 72 Stunden übersteht …

Die kommenden Tage kann ich einzelne Sequenzen fast minutiös ablaufen lassen. Die Entscheidung, sie in die Uniklinik verlegen zu lassen, der zunächst gute Verlauf. Der letzte Tag, die letzten Stunden, die Komplikationen, das Organversagen … der Abschied, die Trauer. Auch die Abreise meiner Mutter und Schwester, ich bin länger allein bei der Aupair-Familie geblieben, um die Überführung zu organisieren. Skurril, die Stunden des Wartens, ehe ich nach dem Wochenende die notwendigen Behördengänge erledigen konnte. Auch meine Informationskette, ich habe einen Mitbewohner informiert, der alle anderen benachrichtigen sollte …

Die Tage bis zur Beerdigung und den Beerdigungstag habe ich so präsent vor mir, obwohl gefühlt alles wie in Weichzeichnung und Schockstarre war. Die Trauer kam erst später, und das Realisieren des Verlustes.

Einige Tage vorher war meine Schwester in London unterwegs und hat sich über die sogenannte Tröpfcheninfektion mit einem Erreger infiziert. Für die Übertragung braucht es weder Körperkontakt noch sonstige bewusst zu steuernde also vermeidbare Prozesse. Die weltweit vorkommenden Bakterien aus der Art Neisseria meningitidis sind nicht zu erkennen, der Überträger weiß nicht, dass er sie in sich trägt. Die Krankheit verläuft als bakterielle Hirnhautentzündung Meningitis, bis hin zu einer begleitenden Blutvergiftung, Meningokokken Sepsis.

Nicht jeder Empfänger erkrankt, besonders gefährdet sind laut Statistik Kinder und junge Menschen. Da gerade vor wenigen Wochen Medienberichten auf zwei junge Frauen und eine 56jährige Erkrankte im Landkreis Ebersberg aufmerksam gemacht haben, möchte ich hier den Hinweis auf die heute mögliche Impfung teilen. In den letzten 20 Jahren hat die Wissenschaft große Fortschritte gemacht. Heilbar ist eine ausgebrochene Meningitis nämlich nur, wenn sie rechtzeitig behandelt werden kann … und selbst dann bleiben unter Umständen die schweren Schäden der Organe zurück.

Meine kleine Schwester konnte nicht geheilt werden – ich habe aber vor einigen Jahren eine Frau kennengelernt, die überlebt hat. Sie ist nicht gezeichnet und hat kaum gesundheitliche Einschränkungen, weil ihre Schwester die Symptome erkannt hat und als Ärztin schnell reagieren konnte. Überlebensnotwendig – hier und hier gibt es weitere Informationen.