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Familientraditionen: Schule spielen

Seit kurzem machen die bezaubernden Nichten gemeinsam Hausaufgaben. Weil 2.0 einfach so lange vor der Tür nervt, darf sie jetzt immer mit ins Lernzimmer. Dort gibt die große der kleinen Schwester genug, damit sie für die Dauer ihres Lernens mit beschäftigt ist. Und so wird einträchtigst gelernt …

Das war schon mal vor 70 Jahren bei meinen beiden Onkeln, den ältesten Brüdern meines Papas so: als der Älteste in die Schule gekommen war wollte der Zweitälteste immer mit ihm Hausaufgaben machen. Als er später selber was aufhatte? War der Ehrgeiz deutlich geringer 😉

In meinem Fall hab ich diese Tradition etwas anders ausgeübt. Hab ich hier schon mal ausgeplaudert, dass ich als Kind erst im Schulalter angefangen habe, mit Puppen zu spielen? Und eher nicht sehr klassisch – sie wurden an Schulbänke gesetzt und ich stand als Lehrerin an der Tafel. Ich muss gestehen, dass ich sehr streng war und Null Verständnis hatte, wenn sie die Antwort nicht wussten oder nicht mitkamen …

Heimliche Mitbewohner

Bei den Nichten ist immer was los. Gestern mussten die neugierigen Mädels in der frühen Dämmerung unbedingt noch eine Runde ums Haus drehen. Die Mission war klar: auf der Spur der Fledermäuse

🦇 hat die bezaubernde Nichte nämlich schon öfter gesehen, wenn sie frühmorgens auf dem Weg zur Schule das Haus verlässt. Und natürlich will die Kleinere dann auch erleben, was die Große entdeckt hat. Zu dumm nur, dass sich die heimlichen Mitbewohner gestern partout nicht blicken lassen haben … ob die Lautstärke der jungen Entdeckerinnen auf ihrem Pirschgang eine Rolle gespielt hat? Bestimmt nicht 😉

Passt schon

… passt eben nicht immer. Wie gut, dass wir die Tragödien, die uns in der Kindheit einen Tag so richtig vermiesen können, dann später ganz einfach vergessen. Als ob das alles nie passiert wäre. Das hat die Natur meine ich ganz gut einrichtet?

Gut ist aber auch, dass auf das ein oder andere Besuchswochenende mit den Nichten, das irgendwie eben nicht so ganz gepasst hat, dann wieder eines folgt, an dem alles passt:

  • die Oma hat den Schweinsbraten auf den Punkt so zubereitet, dass er den kleinen Damen so köstlich mundet, dass sie nicht mal loben können, so sehr sind sie mit Genießen beschäftigt.
  • die bezaubernde Nichte macht tolle Bilder mit ihrer Kamera.
  • Nichte 2.0 unterstützt bei der Motivsuche und ist total begeistert bei der Sache.
  • auch wenn die Lamas, die wir eigentlich besuchen wollten, nicht da waren, können wir uns auf den Plan, „einen Termin vereinbaren“ einigen und es gibt statt Enttäuschung einfach nur gaaanz viel Vorfreude
  • der viiiiiiel zu frühe Abschied fällt nach dem ganzen Fangen spielen im Hof zwar ein bisschen maulig aus, aber die Brotzeit auf dem Heimweg schmeckt und man kann ja auch noch ein bisschen von den vielen Abenteuern des Tages erzählen
  • das übertönt dann sogar das Weinen von Nichte 3.0 – die hat schließlich nix von Omas Schweinsbraten abbekommen und die Brotzeit der beiden großen auch nicht – ja, „das ist unfair“ 😉

„Passt schon“ ist übrigens aktuell das meistgehörte Zitat beider Nichten (sagen sie dummerweise recht häufig im Kontext mit irgendwas, was nicht so ganz klappen mag …).

„Das ist unfair“ ist ein sehr häufig angebrachter Satz von Nichte 2.0 – passt nicht immer, aber aus ihrer Perspektive ist es oft nicht fair, dass ihre große Schwester oder eigentlich egal wer irgendwas darf, „nur“ sie nicht …

Und ja: meine Nichten bestellen bei der Oma in der Regel Schweinsbraten, wenn sie anreisen. Auch das einen Eintrag wert, wer weiß schließlich, wann die nächste vegetarische, flexitarische oder vegane Phase beginnt.

Zweitgeborenen-Schamassel

Es ist ja so, dass Nichte 2.0 ihre große Schwester abgöttisch lebt. Wenn die nicht da ist, ist da ein sehr großes Vermissen. Und oft, wenn die zwei zusammen sind, dann ist da einfach nur sehr viel Zuneigung. Trotzdem ist die 2einhalbjährige aber eben auch eine typische 2einhalbjährige, also 1000 Prozent „ich will“.

Das haben, was die Große hat. Damit spielen, womit die Große spielt. Das Essen hapsen, das auf dem Teller der Großen als Leckerbissen den Abschluss des Menüs bilden sollte. Mit den geliebten Büchern der Großen spielen oder sogar reinmalen … und da hilft dummerweise in beide Richtungen nicht, zu warnen. Die Große passt trotzdem nicht auf, die Kleine greift zu, auch wenn es verboten wird …

Knatsch. Streit. Zickenalarm. Geschwister sein ist nicht immer einfach 🙏