Archiv der Kategorie: besonders

Der 3. Geburtstag

Ein ganz kleines bisschen wär schon schön, wenn alles “ normal“ wäre. Dann würde Nichte 2.0 ihren 3. Geburtstag nämlich „noch mehr“ feiern … aber „passt schon“.  Und auf der anderen Seite wird ja sowieso schon seit Wochen immer wieder voller Begeisterung „Happy birthday to you“ gesungen (das kann sie so toll, das muss also mal festgehalten werden!). Das große Geschenk in Form eines Baumhausparadieses mit Schaukeln und Rutsche ist ja bei Oma und Opa aufgebaut worden, da muss sie sich also noch bis zum nächsten Besuch gedulden. Aber das eigene Hochbeet wurde am Wochenende im Garten perfekt platziert und wartet jetzt mit ordentlich Erde befüllt auf das Bepflanzen. Schnittlauch soll reinkommen und Blumen – mehr? „Lieber nicht“.

Der Jubeltag selbst hatte einen perfekten Start: mit der vergötterten großen Schwester auf der Treppe sitzen, leckere Kirschen vom Gemüsemann schnabulieren und die Kerne in großem Bogen in den Garten spucken. Hach. Danach die drei Kerzen auf dem Geburtstagszug auspusten – hä, nur 3? Wie alt wirst du denn? Neun 😉 – und sich was wünschen. Kuchen futtern. Und dann kommt schon die Oma zum Feiern – das wird sooo schön.

Happy birthday to you, alles Gute zum Geburtstag – happy birthday to you ❤

 

25.568 Tage

2020 ist anders, deshalb gratuliere ich meiner Mutter auch mal nicht zum 70. Geburtstag oder zu den 7 Jahrzehnten. Das kennt man. Gar nicht so bewusst war mir, dass sie als Sonntagskind schon 3.652 mal den Sonntag feiern konnte. Und beglückwünschen werd ich sie heute, weil sie schließlich schon seit 25.568 Tagen diese Erde bereichert.

Gratulieren möchte ich ihr mit einem Spruch der gleichaltrigen Iris Berben:

„Die wirklich intellektuellen Menschen sind letztlich die, mit denen man über alles reden kann.“

Danke Mama, denn das klappt mit dir, auch wenn – auch hier zitiere ich die geschätzte Schauspielerin:

„Verweigerung ist eines der schönsten Dinge, die das Älterwerden mit sich bringt.“

„Das glaub ich nicht…“ ist schließlich DEIN meist zitierter Satz.

Ja, das mit dem Feiern findet nicht statt. Aber du gibst die Hoffnung nicht auf, dass es später eine Gelegenheit zum Nachholen geben wird. Wir werden dir heute trotzdem einen hoffentlich schönen Tag bereiten. So rund ums Telefonieren. Denn das magst du ja, dass sich alle melden und ihr stundenlang am Ratschen seid. Ich vermute, so anders als in anderen Jahren wird es gar nicht werden. Und wie schon so oft bin ich einfach nur froh, dass du bist wie du bist: du findest dich mit der Situation ab und machst das beste draus.

Alles alles Gute zum runden Geburtstag, auf dass dir noch viele gesunde Tage, Wochen, Monate und Jahre geschenkt werden, voll Zufriedenheit. Und tagtäglich den schönsten Morgenblick für dich ❤️

Nichte 3.0

Alles gut gegangen. So, wie es in diesen Zeiten gut sein kann. Alle hatten wir insgeheim langsam gehofft, dass sie früher kommen könnte … ich kann aber verstehen, dass sie noch ausgenutzt hat, in der Sicherheit von Mamas Bauch auszuharren. Weil in den Tagen vor der Geburt dann doch alles, was wir so kennen, in Frage gestellt wurde …

Tatsächlich klappte alles wie geplant, wie schon bei 2.0 ist die Tante angereist, damit Papa bei Mama sein konnte und danach seine neugeborene Tochter wenigstens kurz zum ersten Mal in den Armen hatte. Weil die Großeltern fallen umständehalber aus. Und weil ja keine Besucher mehr in Krankenhäuser dürfen… In seiner Ansprache hat der bayerische Ministerpräsident am selben Tag später bekräftigt, dass die Väter zu ihren Ehefrauen und Neugeborenen sollen dürfen. Insofern konnte der stolze Papa dann später doch noch mal für eine Stunde seine zwei Mädels besuchen.

Die anderen beiden motzen natürlich, weil sie jetzt das Schwesterchen nicht sofort sehen, anfassen, streicheln usw. dürfen … aber das ist so. War zu früheren Zeiten übrigens auch so, und bei uns gabs nicht mal Handy oder gar Videotelefonieren. Unfassbar. Egal. Trotzdem wollten sie sooooo gerne. Und haben dann aber auch alle zwei das Ego zurückgestellt. Hui. So vernünftig können große Schwestern sein. Jawoll.

Alle anderen bleiben aus bekannten Gründen in den Ferne. Und gesund. Hoffentlich. Und Punkt.

Meine Schwester ist so früh möglich aus der Klinik gegangen, um unnötige Kontakte zu vermeiden. Isoliert ist man mit einem kleinen Baby sowieso, aktuell mehr als sonst, da eben keine neugierigen Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn vorbeikommen … für ein Neugeborenes aber auch eine ruhige Ausnahmezeit zum Ankommen in unserer sonst nie stillstehenden und alles andere als leisen Welt?

#niewieder

“Der wahre Schade entsteht durch jene Millionen, die überleben wollen. Jene ehrenwerten Menschen, die nur in Ruhe gelassen werden möchten; die nicht wollen, dass ihr kleines Leben von etwas größerem als ihnen selbst durcheinander gebracht wird.Jene ohne Ecken und Kanten. Jene, die nie aus eigener Willenskraft handeln, aus Angst davor, über ihren Schatten zu springen.

Jene, die keine Unruhe stiften, sich keine Feinde schaffen wollen. Jene, für die Leidenschaft, Wahrheit, Freiheit, Ehre, Prinzipien nur Literatur sind. Jene, für die alles relativ ist, die Entschuldigung eines Menschen ohne Werte. Jene, die das Absolute nicht kennen, weil ihre Seele es nicht erfassen kann. Jene, die ein bescheidenes Leben führen, sich bescheiden vereinen und bescheiden sterben.

Der gemäßigte Mensch geht so an das Leben heran: Hält man es klein, verliert man auch nicht die Kontrolle darüber. Wenn man keinen Lärm macht, findet der Schwarze Mann einen nicht. Und das ist eine trügerische Hoffnung, denn auch sie werden sterben, jene Menschen, die all ihren Mut zusammennehmen, um sich hinter ihrem kläglichen Dasein zu verstecken, nur um sicher zu sein.

Sicher?! Wovor? Leben bewegt sich immer an der Grenze zum Tod. Die engen Straßen führen wie die großen Alleen zum selben Ort, und kleine Kerzen brennen genauso ab wie lodernde Fackeln. Ich wähle meinen eigenen Weg zu verlöschen.“

aus: Die letzten Tage (Sophie Scholl)

Weil es wichtig ist, richtig wichtig. Und weil es definitiv nicht richtig ist, schweigend zuzuschauen.