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Familiendinge

Nicht immer muss alles weg, wenn es nicht mehr gebraucht wird. Und besonders schön finde ich, wenn in einer Familie etwas „vererbt“ wird. Auch wenn’s nicht mehr neu ist. Und auch, wenns ein bisschen ausgebessert werden muss. Deshalb ist heute die Rutsch-Schaukel-Kombi mit Baumhaus aus dem Garten meines Cousins in den Garten meiner Eltern umgezogen. Das Onkel-Dreamteam hat alles wieder aufgebaut und ins Lot gebracht. Da die nachgezogenen Schrauben doch alles noch etwas wackeln lassen werden wir noch etwas nachbessern, aussteifen und stützen. Aber beim nächsten Besuch der Nichten haben dann beide je einen eigenen Schaukelplatz, x Schaukeln und Leitern zur Auswahl – und sogar eine Rutsche. Und damit sollte etwas mehr Friede herrschen? Schön, wenn das mit Familiendingen geregelt werden kann 😜

Familiengeschichten

Nichte 2.0 spricht noch nicht so deutlich – dafür aber mit einem riesengroßen Wortschatz. Und: sie korrigiert sich sogar grammatikalisch … Sprechen kann sie also, aber ihr Kiefer sitzt recht fest, daran arbeitet die Osteopatin. Aktuell kann also nicht jeder immer alles verstehen, aber mit etwas Konzentration klappt es doch recht gut.

Recht deutlich war bei der Ausfahrt mit dem Leiterwagerl ihre Aussage: „Ick kann nicht mehr. Brauche eine Pause.“ Nur sahen sich alle Erwachsenen doch recht verblüfft an. Schließlich saß sie zum Zeitpunkt recht bequem auf einem Kissen im Wagen und wurde von ihren Onkels gezogen …

Genauso verständlich wird sie, wenn ihr etwas gegen den Strich geht. „Ick bin stinkewütend!!!!!“ – gefolgt von zahlreichen Flüchen, die sie wohl „irgendwo“ aufgeschnappt hat? 😉

„Popi“

Neuerdings verteilt Nichte 2.0 die Sitzplätze. Per Ansage. Das läuft sehr willkürlich, keiner sollte sich setzen, ehe sie nicht definiert hat, wohin der „Popi“ der entsprechenden Person zu verweilen hat. Sonst gibts Alarm.

Das läuft dann zum Beispiel so ab: Das jüngste Familienmitglied merkt, dass irgendwas in Planung ist. Sie will also definitiv miiiiit. Vorsichtshalber dirigiert sie sich dann wortstark Richtung Auto der Tante. Dort ist irgendwie klar, dass ein Kindersitz zu wenig drin ist. Egal. „Coco oder Gigi Popi“ (je nachdem, was ihr gerade einfällt) auf den Fahrersitz – Nini „Popi“ in den Kindersitz – „Gu Popi“ sitzt hinten, ohne Kindersitz. Egal. Hauptsache angeschnallt.

Und Guuuuu bleibt eisern sitzen …. weil sie miiiiiiiit will. Und das Tantenherz bricht, wenn sie sich an mich klammert und unbedingt mitfahren will. Dummerweise: mitkommen würde sie. Nur dann braucht sie irgendwann doch die Mami. Also spätestens beim Einschlafen. Oder so. Weil ich würd sie natürlich gerne einpacken und was mit beiden Mädels machen. Aber da ist sie mit ihren zwei Jahren und als Mama-Kind schlicht noch nicht ganz so weit ….

„Guuuu“ ist übrigens ihr selbst gewählter Name. Wahrscheinlich von „du“. Und zuckersüß, dass die Familie jetzt mit Mami, Papi, Nini und Gu schön durchdefiniert ist.

1994

Heute vor 25 Jahren ist meine Oma väterlicherseits gestorben. An ihrem Geburtstag, sodass wir uns bis heute nur einen Erinnerungstag merken müssen. Meine Erinnerungen an ihre alljährlichen Geburtstagsfeierlchkeiten sind eng mit der Hopfenzupf verbunden, in manchen Jahren war der Hopfen früher reif, dann ging die Ernte durchaus schon Ende August, Anfang September los. Wir waren also so oder so „zu Besuch“. Ich vermute, dass sie nie jemanden eingeladen hat, sondern dass, wie es in katholisch Bayern früher üblich war, all die lieben Verwandten zu Geburtstags- und Namenstag so oder so vorbeikamen. Auf alle Fälle gabs immer Kuchen für den Fall der Fälle. Wenn sie schon reif waren einen Zwetschgendatschi. Mit Sahne. Und später wurde, auch wenn alle gar nicht so lang bleiben wollten, eine Brotzeitplatte auf den Tisch gestellt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eines der letzten Jahre, in dem ihre Schwestern und ein paar Nachbarinnen zu Besuch waren. Alle hatten reichlich Zeit mitgebracht, weil zu Hause keiner mehr gewartet hat …

Mit ihrem Tod hat das Jahr 1994 für mich und unsere gesamte Familie eine wesentliche Veränderung hervorgebracht: vorher war das Haus meiner Großeltern fast so etwas wie mein zweites Zuhause. Mein Vater hat den Hof mit bewirtschaftet, wir waren viel dabei, zum Spielen, bei den Großeltern, mit der Oma im Garten, mit dem Opa „unterwegs“. Zu Geburtstagen und an Feiertagen traf sich die ganze Großfamilie, Onkel, Tanten, Cousinen, Cousins. Nicht alle, aber schon der feste Kern sind mehr als 25 Personen …

Seitdem gibt es dieses rituelle Treffen nicht mehr. Das Haus und der Ort haben sich verändert. Auch wenn alles anders geworden ist hab ich mir die letzten Tage fest vorgenommen, mal wieder an diesen Ort meiner Kindheit zurückzukehren. Mir die schönen Bilder nicht nur im Kopf zu erhalten, sondern die Erinnerung auffrischen. Ich vermute, das ist so was wie Heimweh?