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Spruch zum Wochenende: Heimkehr

„Sobald wir alle unsere Arbeiten auf dieser Erde erledigt haben, ist es uns erlaubt unseren Leib abzuwerfen, welcher unsere Seele, wie ein Kokon den Schmetterling, gefangen hält. Wenn die Zeit reif ist, können wir unseren Körper gehen lassen, und wir werden frei sein von Schmerzen, frei von Ängsten und Sorgen, frei wie ein wunderschöner Schmetterling, der heimkehrt zu Gott.“ (Elisabeth Kübler-Ross)

Gestern hat der Opa der beiden Münchner Patenkinder losgelassen – ist für immer eingeschlafen. Jetzt ist er frei von seinen Sorgen, den immer stärker werdenden Schmerzen. Frei vom Krebs, dem er noch so unerwartet viel Zeit abgetrotzt hat. Beim letzten Besuch hat er Mademoiselle seinen Glücksbringer, den er lebenslang als Kettenanhänger getragen hat, geschenkt. Auf dass er sie auf all ihren Wegen begleiten möge …

Anfang [*.txt]

Als meine Schwester starb haben wir in ihrem Jahresplaner Hermann Hesses Stufen gefunden – es wurde zum Gedicht auf ihrem Sterbebild.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Nicht nur das Leben, auch Sterben bedeutet Anfang. Ein Mensch ist nicht mehr da, ein Platz bleibt leer. In jedem Ende steckt ein Neuanfang. Ohne den Menschen, der gegangen ist.

„Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Was fehlt, darf betrauert werden. Was (als Erinnerung) bleibt, darf und soll bleiben.

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Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 1. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt für 2018 lautet: Anfang.

Spruch zum Wochenende: Achte gut auf diesen Tag

Vor etwa 2 Jahren durfte ich eine Frau kennenlernen. Eine Bloggerin. Was uns verbunden hat: Wir waren direkt auf einer Wellenlänge. Fröhlich, dabei an keinem Punkt jemals oberflächlich. Immer direkt. Immer auf den Punkt. Wir hatten über die Zeit immer wieder auf den verschiedenen sozialen Medien, aber auch telefonisch Kontakt. Gesehen haben wir uns aber etwas über ein Jahr nicht mehr. Irgendwann kam eine Mail, dass sie sich etwas zurückzieht, alles zu viel wird, sie Zeit für ihre Familie braucht, so als Mama von drei Jungs.

Eben habe ich erfahren, dass sie gestorben ist. An Krebs. Ein Kampf nach vielen Jahren. Ich bin traurig, aber einmal mehr bewundere ich, wie fröhlich ich einen Menschen trotz der Erkrankung wahrnehmen und in Erinnerung behalten darf. Sie wollte definitiv leben, und hat ihre Tage mit einer Fülle an positiven Erlebnissen gefüllt. Nicht jedem von Krankheit und Sorge erzählen … So traurig ich heute bin, so sehr werde ich mir dieses Bild einer lebensfrohen, kreativen, alles anderen als oberflächlichen Frau mit dem einmaligen Nachnamen tief im Herzen bewahren. Wo auch immer du ab sofort überall bist, bleib die intensive, ansteckend-positive Energie, die guttut. ❤️

„Achte gut auf diesen Tag, denn er ist das Leben – das Leben allen Lebens. In seinem kurzen Ablauf liegt alle Wirklichkeit und Wahrheit des Daseins, die Wonne des Wachsens, die Herrlichkeit der Kraft. Denn das Gestern ist nichts als ein Traum und das Morgen nur eine Vision. Das Heute jedoch – recht gelebt – macht jedes Gestern zu einem Traum voller Glück, und das Morgen zu einer Vision voller Hoffnung. Darum achte gut auf diesen Tag.“ (aus dem Sanskrit)

Sonntagsfreude: Leben

Faszinierend, wie geballt das Leben ist. Wie nah Freude und Leid zusammenkommen. Wie Traurigkeit da ist und dennoch Raum für andere Themen ist, für Liebe, für Weiterentwicklung, für Gegenwart und Zukunft. 

In der Nacht von Freitag auf Samstag ist der Papa der besten Freundin für immer eingeschlafen. Ich hoffe, ruhig und friedlich. Ich hatte ihm gestern Vormittag noch einen „Schnaps“ aus der Heimat besorgt, vor ein paar Tagen hatte er seinen Kindern beim Besuch auf ihre Frage nach einem besonderen Wunsch mit seiner unvergleichlich sonoren Stimme „an Schnaps und a Zigarette“ geantwortet. Da ich weiß, wie er sich am Experimentieren gefreut hätte, wollt ich ihm noch eine letzte Entdeckung vorbeibringen. Die Erfinder aus meiner Nachbarschaft werben selbstbewusst: selbst Jesus würde Heiland trinken Wenn einer  rausfindet, ob das stimmen könnte, dann er – sicher hat er sich längst ein neues gemütliches Platzerl mit bestem Blick ausgewählt. Und wir trinken den als kleine Erinnerung und prosten ihm zu …

Gegenprogramm: Heute ist in meinem Elternhaus ein besonderer Tag, die zukünftigen Schwiegereltern treffen sich im fast fertig renovierten Haus zum Mittagessen, um die Verlobung ihrer Kinder zu feiern. Denn mein kleiner Bruder hat seine langjährige Freundin gefragt, ob sie nicht nur weiter sein Leben teilen will, sondern das auch „ganz“ hochoffiziell unterschreiben. Sie hat ja gesagt, was heute im kleinen Rahmen gefeiert wird. Die Eltern wuseln wie immer, wenn Besuch kommt, aufgeregt durchs Haus. Gestern war die bezaubernde Nicht da, die sich in Gedanken bereits mit dem passenden Outfit für den Job als Blumenmädchen beschäftigt. Und da in ihrem Fall gleich beide jüngsten Onkel irgendwann mit einem Hochzeitstermin anstehen könnten (auch der Bruder meines Schwagers ist seit 2015 verlobt und schmiedet diverse Pläne) sind das wahrhaft Probleme für eine 5jährige, sie kann schließlich nicht zwei mal dasselbeanziehen …

Auf das Leben, auf diejenigen, die das ihre intensiv gelebt haben und es hinter sich lassen . Und auf diejenigen, die jetzt schon mehr als 10 Jahre als Paar durchs Leben gehen. Und ihre Zukunft planen.

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita.