Archiv der Kategorie: Short Stories

Fernweh [*.txt]

Der erste Tag NACH dem Urlaub, schon sehn ich mich, weit weg. Nicht so in die ferne Ferne, gar nicht die große weite Welt. Es reicht schon das Gefühl, nicht arbeiten zu müssen. MEIN Fernweh? Nichts müssen, aber alles können.

Den Augenblick wahrnehmen, in ihm verweilen. Alles um mich herum beoachten können, Stille und Ruhe aufnehmen, Hektik und Lärm an mir abgleiten lassen.

ICH? Bin in meinen Ferien. Mich betrifft das alles nicht. Das Gerenne, der Zeitdruck, das Handy am Ohr, das Gehetze, all diese Termine … nö, ich hab frei.

Genau nach diesem unfassbar glücklich machenden Zustand sehn ich mich gerade sehr. Das ist mein Fernweh. Das reicht von meinem Arbeitsplatz bis zum Mond – vielleicht hilft etwas das befreiende Gefühl, die Tür zum Büro heut Abend pünktlich hinter mir zu schließen.

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Mein – ja, ich gebe es zu, sehr sehnsüchtiger – Beitrag zum Schreib-Projekt [*.txt], das dritte Wort lautet #Fernweh.

Alkohol [*.txt]

Kult, wird in meiner Generation gerne auf Parties gespielt. Und alle grölen begeistert spätestens beim Refrain mit. Habt ihr schon mal genau dem Wortlaut gelauscht? Wie hat Herbert Grönemeyer Alkohol und seine Wirkung so treffend beschrieben:

„Wir haben wieder die Nacht zum Tag gemacht. Ich nehm‘ mein Frühstück abends um acht. Gedanken fließen zäh wie Kaugummi. Mein Kopf ist schwer wie Blei, mir zittern die Knie. Gelallte Schwüre in rotblauem Licht, vierzigprozentiges Gleichgewicht, graue Zellen in weicher Explosion – Sonnenaufgangs- und Untergangsvision. Was ist denn los, was ist passiert? Ich hab‘ bloß meine Nerven massiert. 

Die Nobelszene träumt von Kokain Und auf dem Schulklo riecht’s nach Gras. Der Apotheker nimmt Valium und Speed und wenn es dunkel wird, greifen sie zum Glas. Was ist denn los, was ist passiert? Ich hab‘ bloß meine Nerven massiert. Alkohol ist dein Sanitäter in der Not. Alkohol ist dein Fallschirm und dein Rettungsboot. Alkohol ist das Drahtseil, auf dem du stehst. Alkohol ist das Schiff mit dem du untergehst …“

In meinem Fall kann ich selten über Sanitäter oder Fallschirmerlebnisse berichten, für mich ist es eher der Drahtseilakt bzw. das untergehende Schiff, habe noch nie erlebt, dass ich meine Nerven massieren wollte. Und ich hasse den Tag danach: ehrlich gesagt, mir schmeckt eigentlich kein alkoholisches Getränk. Wenn ich trinke, dann hauptsächlich, um es der Gemeinschaft um mich rum einfacher zu machen. Damit sie nicht immer Fragen stellen und sich Sorgen machen müssen. Selten aus echtem Genuss. Ja, ich Vertrag auch nichts, bin schnell angesäuselt. Wobei: da gibt’s auch Abende, da kann ich trinken in Massen – und spüre nichts. Tagesform eben. 

Ich brauch ihn nicht, den Alkohol, weder zur Betäubung noch für das schale Gefühl nach so einem Rausch. Nein, nicht wirklich.

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Beitrag zum Schreib-Projekt [*.txt], das vierte Wort lautet „Alkohol„.