Archiv der Kategorie: Short Stories

#wortesindmagisch

Worte SIND magisch, oder wen haben nicht schon als Kind die Worte „Es war einmal …“ in ihren Bann gezogen? Wir lieben die Geschichten, die sich in den Worten verstecken, sie wecken Gefühle, lassen uns mitfühlen, miterleben. Worte sind magisch.

Noch magischer wird ein Text durch die Klangfarbe, die ihm eine Stimme verleiht. Ein Vorleser kann uns in seinen Bann ziehen, mal leise, mal laut. Langsam und getragen oder schnell und schrill. Ja, das lässt uns mitfiebern.

Für mich werden Worte mit Tönen perfekt. Ich liebe gute Liedtexte, fühle das Gesungene ganz tief drin. Ein Songpoet beschert mir Gänsehaut, treibt mir Tränen in die Augen und lässt mich glückselig lachen. Lebe, liebe, lache – trifft auf mich so was von zu, wenn ich Worte von klingenden Tönen untermalt hören darf. Vor einigen Wochen hab ich eine neue Lieblings-Songpoesie gehört, verfasst von der wundervollen Madeline Juno n ihrem Titel „Automatisch“:

“ … Und wenn ich dich immer am wenigsten brauch‘, ich mich im Griff und dich vergessen hab, dann tauchst du auf. Genau dann tauchst du auf.

Wenn wir kollidieren und du in mir zirkulierst, vergess‘ ich, wie man atmet. Lieg‘ ich in deinen Armen verlern ich, wie es war, als es mich ohne dich gab.

Denn es passiert automatisch – ich kann nichts dafür, nein, das bin nicht ich. Ich steh unter deinem Bann, ich ergeb‘ mich und dann passiert es ganz automatisch …“

https://youtu.be/Jv3TJT8LTGw


Ein Beitrag zur Blogparade von Sandra Wickert zu #wortesindmagisch, mir fallen sogar noch eine Reihe anderer Songpoeten ein, die magische Worte singen …

Mit 17

Mit 17, wie war das eigentlich? Mir ist das Jahr vor dem dann „wirklich als Erwachsen durchgehen“ vor allem dadurch in der Erinnerung, weil es für dieses Gefühl von „ich bin doch längst so weit, darf aber noch nicht“ geprägt war. Ich führte zu der Zeit eine Langzeitbeziehung, war gefühlt so gut wie verheiratet, verdiente Geld. In der Schule lief es ok – und trotzdem fehlte eben noch dieses entscheidende „Ich bin für mein Leben selbst verantwortlich!“

Die großen Diskussionen mit meinem Vater hatte ich eigentlich schon durch. Als ältestes von uns Kindern und auch noch Mädchen war er mit vielen meiner jugendlichen Unabhängigkeitsbestrebungen alles andere als einverstanden. Hat sich verantwortlich gefühlt und nicht alles – in meinen damaligen Betrachtungen NICHTS – erlaubt. Aber mit 17 waren die größten Auseinandersetzungen schon vorbei. Nicht alle, aber viele.

Mit 17 war ich ganze 2 Jahre liiert. Also ewig. Und wir hatten die erste große Krise ob des Fremdgehens meines Freundes hinter uns, erlebten die zweite wegen eines erneuten Seitensprungs. Aus heutigem Blickwinkel: was war ich erwachsen, wie souverän bin ich mit der Situation umgegangen. Immer mit dem Hintergedanken: könnte mir auch passieren. Statt zu checken: er ist es einfach nicht. Punkt.

Mit 17 wusste ich immer noch nicht, was ich mal werden sollte. Und hab entsprechend unorientiert meine Abitur-Leistungskurse Deutsch und Erdkunde gewählt. Alles richtig gemacht, beides hat perfekt gepasst und die besten Grundlagen gelegt. Witzigerweise hab ich mit 17 zum ersten Mal darüber nachgedacht, dass ich vielleicht nicht so der Typ fürs Heiraten bin. Anders als ein paar Schulfreundinnen, die sich Gedanken über eine möglichst bequeme Berufsausbildung bis zur Familiengründung machten, wurde mir klar, dass ich schon eine Berufung suchte, die mich dauerhaft unabhängig machen sollte – fällt mir jetzt beim Nachdenken grad so ein …

Mit 17 hatte ich einen unmöglichen Kleidungsstil, die schrecklichste Haarfarbe (aber nicht „17 Jahr, blondes Haar“) und eine Dauerwelle. Warum? Weshalb? Zum Glück fehlt mir diese Erinnerung. Und es war das Jahr, in dem ich – vielleicht gar nicht mal so heimlich – davon träumte, Mrs. Jon Bon Jovi zu werden.

Mit 17 war ich schon ein alter Hase im Ausgehen, fand es sonderbar, wenn in Clubs Menschen über 25 unterwegs waren. Die waren schließlich uralt. Damals funktionierte es übrigens problemlos, bis in die Morgenstunden unterwegs zu sein. Kaum Schlaf, war ja nur Schule. Mein Partyleben mit 17 waren gute Gespräche, gute Musik, gute Menschen. Schon damals kam ich gut ohne Alkohol, Rauchen und Drogen aus.

Mit 17 habe ich meinen Geburtstag in Paris gefeiert, quasi. Ich bin nicht mehr sicher, ob es genau der Samstag war, den wir auch wirklich in Paris verbrachten? Aber es waren Osterferien und wir haben die Tage so sehr genossen. Das war durchaus sehr besonders. Übrigens ohne meinen Freund, sondern mit denjenigen aus unserem Jahrgang, die Lust dazu hatten. Und ich hab ziemlich viel fremd geflirtet – muss man in dem Alter aber auch in Paris, oder?

Mit 17 hatte ich kein Mobiltelefon, Smartphone, Internet – das war noch ein sehr echtes „real life“? Und gefühlt haben wir uns damals verabredet und konnten nicht kurzfristig etwas verschieben, uns woanders treffen, es gab kein „Texten“. Außer, man hat sich Zettel geschrieben. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir Zettel hinterlegt hätten, um dann woanders hinzugehen …? Übrigens war ich aber auch damals schon „ungerne“ unpünktlich, die Ausrede mit der akademischen Viertelstunde gabs dann aber erst später …

Mit 17 hatte ich tiefgründige philosophische Gespräche. Stundenlang, ganze Nächte lang. Über das Leben, die Liebe. Viel im Augenblick, viel im Moment. Alles, was das Herz bewegte. In profaner Umgebung oder auch an sehr besonderen Orten. Mit Herzensmenschen, vermeintlichen Freunden oder auch mit flüchtigen Begegnungen …

Mit 18 hat sich übrigens gar nicht so viel verändert, ich durfte Auto fahren und selbst entscheiden, aber so wirklich anders gefühlt über Nacht? Erwachsen? Gabs bei mir nicht. Manchmal bin ich übrigens immer noch 17, eigentlich noch recht oft. Und gern. Wobei, ein paar Dinge haben sich zum Glück doch verändert seitdem.


Danke für den schönen Schreibimpuls – der Zwetschgenmann lädt ein, sich zu erinnern, wie es mit 17 war. #17jahr

Schreibprojekt #Kindheitserinnerung03

Ich hab mal wieder einen Themenimpuls zu meinem Schreibprojekt #Kindheitserinnerungen bekommen, der da lautet: Bist du gebürtiges Stadt- oder Landkind? Inwiefern hat dich das geprägt?

Beim Kommunionsausflug hatten Mademoiselle und ich nämlich eine kleine Unterhaltung, ausgelöst durch einen Bekannten, dem ich erklärte, dass mein Patenkind eher Stadtkind sei. Sie meinte, sie lebe gar nicht in der Stadt, wenn überhaupt Vorstadt, aber eigentlich doch recht dörflich. Hm, naja, die ersten Jahre hat sie tatsächlich in einem Schweizer Dorf verbracht, mehr als die Hälfte ihres Lebens allerdings lebt sie in einer Siedlung im Stadtgebiet München, nicht im Zentrum, aber eine dörfliche Struktur? Sieht anders aus.

Ich dagegen bin, heute ebenfalls in einem Münchner Stadtteil lebend, durch und durch Dorfkind. Mein Heimatort hat auch heute noch weit unter 500 Bewohnern. Wenn man die auf den Bauernhöfen lebenden Kühe, Hühner, Schweine, Pferde, Hunde, Katzen … nicht mitzählt. Den Dorfkern bildet die Kirche, unser Dorf sind eigentlich zwei lange, die obere und die untere, Dorfstraßen. Heute gibt’s noch ich glaube 3 andere Straßennamen, in denen sich Einfamilienwohnhäuser angesiedelt haben. Aber kaum Mehrfamilienhäuser, kaum Mietwohnungen.

Bis zu meinem 8. Lebensjahr hatte das Dorf einen Kramerladen mit Lebensmittel-und Haushaltswaren. Für uns Dorfkinder vor allem in den Sommermonaten DER Hotspot: die Kühltheke mit nicht endenden Vorräten an köstlichem Zehnerleis (nicht sehr klimaschonend: etwas Zuckerwasser mit Geschmack in Plastiktüte tiefgefroren …). Seit der Schließung sind die Dorfbewohner auf das Auto angewiesen. Im nächsten Ort gibt es Bäcker, Metzger, zwei Supermärkte und eine Tankstelle, die nächste Stadt mit Baumarkt und Kaufhaus liegt 13 Kilometer entfernt. Meine Schulwege habe ich mit dem Bus zurückgelegt, der auch an vielen anderen Haltestellen Schüler eingesammelt hat. Die 2 Kilometer in die Grundschule dauerten 15 Minuten, die 13 Kilometer ins Gymnasium oft 50 Minuten.

Als Kind kannte ich die Dorfbewohner, die kannten meine Eltern. Wir waren zum Spielen überall im und rund um das Dorf unterwegs. Ich vermute, wir waren auch mal in Bereichen unterwegs, in denen das Betreten verboten war. Wir haben oft gedacht, das hätte keiner mitbekommen, dabei wurde es toleriert. Und wir waren abgesichert. Und wir haben früh gelernt, die Gefahren einzuschätzen. Da waren auch blöde Mutproben dabei – in unserem Fall hatten wir Glück und die richtig doofen Ideen haben entweder gar nicht geklappt, waren langweilig oder sind gut ausgegangen.

Für uns gehörten alle Tiere rundherum dazu, wir waren im Stall, hatten Jobs: neugeborene Kälbchen füttern, bei den Pferden ausmisten, die Hühner raustreiben und Eier abtragen. Für uns gehörte die Tiere dazu, dass die Schwalben jedes Jahr wiederkommen, um im Stall Nester zu bauen, dass Katzen Mäuse fangen, dass Schweine stinken, alles „normal“.

Was ich durch meine Kindheit auf einem Bauernhof vor allem gelernt habe, ist der Respekt vor dem Tier, die Achtung für das Leben. Ich habe einen sehr liebevollen Umgang mit Tieren kennengelernt, unsere Belegschaft hat immer eine aufmerksame Fürsorge bekommen. Abläufe beim Füttern wurden nach Möglichkeit eingehalten, damit die Tiere nicht beunruhigt werden sollten. Merkt man heute noch an den Sommergästen auf der Weide, mein Vater schaut dort viel nach dem Rechten und achtet darauf, dass zum Frischfutter von der Wiese auch genug Heu in der Traufe ist …


Vor einiger Zeit hab ich mal bei einer Blogparade zum Thema Kindheitserinnerungen mitgemacht, die allerdings nach 3 Themen nicht mehr stattfand. Ich hab dazu noch so viele Gedanken, dass ich mir gedacht habe: tolle Idee, das würde ich gerne weiter verfolgen. Und deshalb mach ich das jetzt, und erinnere uns alle an unsere Kindheit. Wer mag und wem etwas dazu einfällt, schreibt etwas dazu, entweder in den Kommentaren oder mit einem eigenen Blogpost – und freu mich sehr auf viele Geschichten unserer bestimmt manchmal sehr ähnlichen und dann wieder ganz unterschiedlichen Kindheitserinnerungen. Und auf den Austausch dazu. Mal sehen, wer dabei ist?

1000 Fragen an mich #50

981. Wie sieht dein Auto innen aus?
Wenn er frisch aus der Werkstatt kommt ist der Herr Peugeot immer schön sauber, ansonsten ist er meine Abstellkammer auf 4 Rädern.

982. Hast du in den letzten fünf Jahren neue Freundschaften geschlossen?
Ja.

983. Wer bist du, wenn niemand zuschaut?
Ich glaub nicht, dass ich dann eine andere bin …

984. Welche inneren Widersprüche hast du?
Keine, die mich permanent begleiten – wobei ich gerne noch viel nachhaltiger und bewusster agieren würde. Und doch wieder an eigene Grenzen wie Bequemlichkeit stoße …

985. Wann warst du über dich selbst erstaunt?
Ich wiederhole mich: meine Kündigung und die Gelassenheit, die mich die letzten Monate begleitet hat, hat mich selbst wohl am meisten erstaunt. Ich war schlicht zuversichtlich, dass es nicht schlimmer werden könnte …

986. Leihst du gern Sachen aus?
Ja, gerade bereitet meine Downtown Abbey DVD Collection der viel mehr als Konzertfreundin vergnügliche Stunden, ehe sie zur besten Freundin wandern soll.

987. Bist du auf dem richtigen Weg?
Ja, und wenn nicht, kann ich ja einfach umkehren, eine andere Richtung ausprobieren, etc.,

988. Wie lautet dein Kosename für deinen Partner?
Singlefrage ???

989. Bei wem hast du immer ein gutes Gefühl?
Bei meinen Freunden.

990. Wie zeigst du anderen, dass sie für dich wertvoll sind?
Durch Aufmerksamkeit und Interesse, durch Anteilnahme und Beachtung, durchs da sein und Zuhören. Durch Wertschätzung.

991. Was macht dich richtig zufrieden?
Der Blick aus dem Fenster, das Wahrnehmen des Augenblicks, die Schönheit im kleinen, einfachen – das Kitzeln eines Grashalms oder eines Sonnenstrahls, das sachte Rauschen des Windes, …

992. Was ist das schönste Geschenk, das du jemals bekommen hast?
Immer wieder Zeit, und wenn es nur eine gemeinsame Stunde ist, das ist viel mehr wert, als alles, was wir mit Geld kaufen können.

993. Zu wem hast du blindes Vertrauen?
Ich vertraue auf mein Bauchgefühl, ….

994. Was hast du mal ähnlich wie ein warmes Bad empfunden?
Sauna, Rasul und ähnliche Wellnessanwendungen – generell empfinde ich die Blubberbecken immer wie eine warme Badewanne.

995. Was ist das Spannendste, das du jemals erlebt hast?
Ohje, das lässt sich nicht auf ein spannendstes Erlebnis reduzieren, mein Leben war immer aufregend. Als Kind steckte ich mal in einem Abwasserrohr fest, kurz bevor der Bagger kam, um die Straße über mir aufzubaggern, bin ich freigekommen – wir Teenagermädels haben mal eine Nacht im Reitstall geschlafen – und wurden von Einbrechern geweckt. Glauben wir zumindest, weil wir sind zitternd wie Espenlaub nach Hause geflohen. Im Thailandurlaub wurde unser Touristenboot von Piraten gejagt. Kurz nach 9/11 organisierte meine damalige Agentur eine riesengroße Launchveranstaltung für die Markteinführung eines amerikanischen Produktes – allein die Sicherheitsvorkehrungen waren eine Herausforderung …

996. Was ist ein großer Trost?
Dass nichts für die Ewigkeit ist, auch die nicht so guten Tage gehen vorbei.

997. Wovon hast du gedacht, dass du es nie können würdest?
Diese 1000 Fragen haben mich zwischenzeitlich so genervt, dass ich mein Vorhaben beenden wollte. Bis heute hab ich gezweifelt, ob ich es zu Ende bringen kann.

998. Was kannst du heute noch ändern?
Die Frage finde ich uneindeutig, aber ich antworte mal mit: alles, was geändert werden muss. Punkt.

999. Wie wird dein Leben in zehn Jahren aussehen?
Ich fände langweilig, wenn ich das heute schon wüsste, bleibe offen und neugierig. Die letzten 10 Jahre waren besonders, weil ich meine Patenkinder kennen lernen durfte, ich vermute, auch das kommende Jahrzehnt bleibt allein durch die jüngste Generation aufregend und immer anders, als erwartet.

1000. Welche Antwort hat dich am meisten überrascht?
Mich hat überrascht, wie viele der Fragen sich ausschließlich an Frauen als Teil einer Paarbeziehung gerichtet haben. Ich hatte im Vorfeld nicht damit gerechnet, dass die Fragen nur für Frauen sind – und musste zu oft den Single „ankreuzen“.


Johanna alias pinkepank stellt 1000 Fragen aus der Zeitschrift Flow, am Ende haben sie und die meisten anderen Blogger, die gestartet sind, nicht mehr darauf geantwortet. Das lag sicher daran, dass es eben nicht so spannend wie erhofft war, nicht so konsequent der Selbstfindung diente, und viele gängige Fragen der Selbstreflektion sich zu wiederholen schienen, manchmal etwas banal waren, andere nicht wirklich verständlich …. naja. Ich fand das Schreibprojekt rückblickend dennoch partiell interessant, in meinen Auszeitmonaten hat es mir Woche für Woche einen Moment des Innehaltens vorgegeben, der mich in mich hineinhorchen lassen hat: passt es, bist du ok, gibt es Ängste, Unsicherheiten, …? Das war wichtig, um mit mir und meinem eigenen Projekt der Neuorientierung klarzukommen. Auch darüber werde ich demnächst berichten. Es bleibt spannend.

Zwischen den Zeilen finden meine Patenkinder vielleicht auch tatsächlich später mal was zum Nachlesen. Damit beende ich mein Schreibprojekt für 2018, es war nicht immer klar, ob ich bis zum Ende komme … freue mich heute aber trotzdem und bin ein kleines Stück auch stolz.