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Langeweile? Ha!

Nicht, dass irgendjemand denken würde, ich würde jemals schaffen, mich in meiner Auszeit mal einfach nur von Herzen zu langweilen …

Dafür sorgt einerseits meine Familie, schließlich wollen arbeitslose Schwestern-Tanten-Schwägerinnen doch sinnvoll beschäftigt werden? Also hab ich mittlerweile gerne und mit großer Begeisterung meinen zweiten großen Baustelleneinsatz hinter mir, der Muskelkater hält schön vor 🙂 Und ganz ehrlich: wenns mir keinen Spaß machen würde, würd ich es nicht anbieten …

Statt Erholung hab ich mich heute aber einem leidigen Thema gewidmet. Denn nach Monaten hab ich immer noch kein Arbeitszeugnis. Ist wohl von einem ehemaligen Mitarbeiter, der ohnehin schon Überstunden für mehrere Monate angesammelt hat, nicht zu viel verlangt, sich sein Zeugnis selbst zu schreiben. Nachdem er bzw. sie ja sonst nix zu tun hat. Oder vielleicht doch eher, weil man als Chef gar nicht so ganz arg genau weiß, was der alles so gemacht, geleistet, geschafft hat? Sorry, aber manchmal muss so ein bisschen lästern schon sein – und einmal mehr freu ich mich auf den Tag, wenn das wirklich abgeschlossen hinter mir liegt. Ganz ehrlich. Und Punkt.

Sonntagstraurigkeit

In dieser Woche ist einiges passiert, heute ist mir aber nicht danach, darüber zu schreiben. Denn mein Tag hat mit einer für mich immer noch unfassbaren Nachricht begonnen: eine Freundin hat mich informiert, dass eine gemeinsame Freundin aus Sängerkreisen verstorben ist. Viel zu jung, viel zu früh, plötzlich – an den Folgen eines Schlaganfalls …

Wir haben eben lange telefoniert, ich verstehe, was passiert ist. Begreife es aber nicht. Und habe das so liebevoll lächelnde Gesicht so lebendig vor mir. Ihre Stimme im Ohr, die mir schon so einige Male den Marsch geblasen hat, weil ich immer zu selbstkritisch sei. Mir erst vor ein paar Monaten mehr als deutlich gesagt hat, dass ich mit meiner Leistung doch auch mal zufrieden sein „muss“. Kommt gerade mehr als deutlich bei mir an.

Ich bin unsagbar traurig, denn es kommen auch unerwartete Erinnerungen hoch. Als meine Schwester 1999 starb habe ich von ihr und ihren Geschwistern eine Kondolenzkarte bekommen – damals gar nicht so sehr beachtet, verstehe ich heute zu gut, warum es ihnen so wichtig war, ihre Anteilnahme auszudrücken. Auch sie waren 5 Geschwister, die allerdings zusammenschweißte, dass sie viel zu früh beide Eltern verloren haben. Auch 3 Schwestern und zwei Brüder. Auch sie sind jetzt nur noch zu viert …

Und sie hat als älteste Schwester auch etwas den Familienzusammenhalt organisiert, als Sprachrohr agiert, war die gute Seele des Haushalts, ein Bindeglied. Sie wird fehlen, in der Familie und im Freundeskreis … hier kommt gerade die Sonne raus und ich nehme sie jetzt mit auf meinen heutigen Spaziergang, durch die Natur, durch die Heimat, in der sie so fest verwurzelt war, dabei immer offen für die Welt.

Wenigstens eine kurze Zeit möchte ich heute innehalten, mich verabschieden und die unzähligen Erinnerungen bewusst, sicher auch mit dem ein oder anderen Schmunzeln, durchdenken – ehe es weitergeht …

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

Sonntagsfreude: Zapfig

img_5889Ich mag diese besondere Stimmung am Sonntagmorgen auf dem Land – während unter der Woche die Zeitungsträgerin längst da war, damit der Landbewohner zum Frühstück seine lokalen Nachrichten studieren kann, ist Sonntag um die Zeit noch niemand unterwegs. Heute treibt es nicht mal die Hundebesitzer hinaus – es ist zapfig-klirrend-bitter-kalt und himmlisch-ruhig.

Ich bin heilfroh über die neuen Fenster, die diese Kälte aussperren, im ganzen Haus ist es mollig warm. Trotzdem werde ich auch heute, trotz Wind und Temperaturen, eine große Runde laufen gehen, am Wochenende frische Luft zu bekommen ist gerade gefühlt wichtiger als jemals zuvor.

Ich bin überglücklich, dass meine Mama wieder fit ist. Sie ist zum Jahresende von einem „tobenden“ Weisheitszahn befreit worden, der so fest mit dem Kiefer verbunden war, dass der Chirurg ordentlich ins Schwitzen gekommen ist. Das hat schon genug weh getan, dummerweise hat sie auch noch eine Nebenwirkung des Antibiotikums bekommen, hatte so starke Darmprobleme, dass sie jetzt wieder ein Antibiotikum nehmen muss … aber es geht ihr von Tag zu Tag besser.

Ich bin genauso überglücklich, dass der Kinderarzt die bezaubernde Nichte gestern zur Kontrolle ins Krankenhaus geschickt hat, um auszuschließen, dass die Windpocken auch im Auge aktiv sind und auf die Hornhaut drücken. Sie ist gründlich untersucht worden und die Ärzte konnten Entwarnung geben, die Augen haben wohl etwas vom eisigen Zug abbekommen, aber gestern Nachmittag konnte sie schon wieder auf der Couch „flaggen“ und lesen. Die Windpocken sind immer noch doof – und sie fühlt sich gerade nicht sehr hübsch, „bloß keine Fotos, das sieht so hässlich aus …“ Etwas erschreckend übrigens einmal mehr, wie wenig das Personal nachdenkt, der Pförtner in der Klinik hätte sie trotz vorherigem Anruf und entsprechender Anweisung des Kinderarztes mit ansteckenden Windpocken einfach in die Notaufnahme geschickt, wo ja weitere kranke Menschen warten. …

Ich liebe meine Schwester, die nicht nur die weltbeste Schwester und Mama, sondern auch eine verdammt gute Psychologin ist. Und mir gestern echt den Kopf gewaschen hat. Wie recht sie hat. Also werde ich morgen nicht erklären, warum, sondern sagen, dass ich eine Entscheidung getroffen habe. Ich glaube, ihr müsst nicht mal die Daumen drücken, Das tut richtig gut.

Jetzt werd ich diesem traumhaften Sonnen-Tag etwas beim Wachwerden zuschauen, später nach draußen gehen und mich später drin wieder aufwärmen. Und vielleicht schaffe ich heute Nachmittag, eine kleine Ausstellung zu besuchen. Mal sehen, was der Tag so bringt.

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

Anfang [*.txt]

Als meine Schwester starb haben wir in ihrem Jahresplaner Hermann Hesses Stufen gefunden – es wurde zum Gedicht auf ihrem Sterbebild.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“

Nicht nur das Leben, auch Sterben bedeutet Anfang. Ein Mensch ist nicht mehr da, ein Platz bleibt leer. In jedem Ende steckt ein Neuanfang. Ohne den Menschen, der gegangen ist.

„Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!“

Was fehlt, darf betrauert werden. Was (als Erinnerung) bleibt, darf und soll bleiben.

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Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 1. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt für 2018 lautet: Anfang.