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Hinterlassen

Wer rechnet damit, dass er die Welt zu früh verlassen muss – keiner von uns tut das. Wir leben, als ob es immer ein Morgen gibt. Und dennoch gibt es diese Momente, in denen die Welt still steht, weil einer geht. Zu früh. Mitten aus dem Leben gerissen.

Und wenn es dann noch dazu einer ist, der meine langjährige Freundin die Hälfte ihres Lebens sehr glücklich gemacht hat, dann bin ich zweigeteilt: froh, dass er wohl schnell und schmerzfrei seinen Frieden gefunden hat, traurig, weil ich so gut weiß, was für ein langer steiniger Weg jetzt vor ihr liegt. Bis sie wieder in liebevoller Erinnerung an ihn lächeln können wird.

Seine beiden Jungs hatten ihn gerade mal die ersten 20 Jahre ihres Lebens. Auch wenn sie so viel von ihm haben, Aussehen, Blick, Aufmerksamkeit, Humor, Interessen … sie hätten ihn zu gerne noch ganz lang gehabt, um Fragen zu stellen, von ihm zu lernen. Einfach als Papa in so vielen Lebenssituationen …

Und ein bisschen kommt in unseren Gesprächen immer wieder dieser Begriff auf, was er hinterlassen hat. Dabei gehts nie um Geld oder irdische Güter. Sondern um Lebenseinstellung, um das Wissen um die eigenen Wurzeln, um das Bewusstsein für Werte, ums Miteinander, um Positives und Schönes.

„Das Schönste, was ein Mensch hinterlassen kann, ist ein Lächeln im Gesicht derjenigen, die an ihn denken.“ Ich wünsch allen so sehr, dass wir uns bald mit einem Lächeln an ihn erinnern können …

Momentaufnahme #11

Da ich in den letzten Tagen schlicht weder zum Denken geschweige denn zum Schreiben gekommen bin, weil so viel feierndes Leben um mich war – mehr schreib ich dazu jetzt einfach mal nicht – gibt’s heute eine späte Reflektion zur 11. Frage in den Momentaufnahmen von aequitas et veritas, die da lautet: sagst du anderen die Wahrheit oder wahrst du lieber den Frieden?

Da gibt es die Diplomatin in mir, die vor allem im beruflichen Umfeld durchaus die Fakten auf den Tisch bringt, aber fair. Ich sage also nicht: die Kollegin ist faul, erledigt ihre Aufgaben nicht und bereitet dadurch anderen Mehrarbeit. Obwohl das wahr ist. Sondern ich formuliere es als „mache mir Sorgen um das Projekt, irgendwie ist da der Wurm drin – wir müssen dringend schauen, wo die Probleme liegen und jetzt fokussiert daran arbeiten.“ Das ist jetzt nur eines von vielen Beispielen, aktuell eben. Ich vermute, ich definiere mich immer nur als ein Teil des Ganzen? Teamorientiert eben. Meine Diplomatie wurde zumindest sogar schon von Vorgesetzten zur Hilfe genommen, die mit dieser Gabe nicht so gesegnet sind.

Im engsten Kreis mit Familie und Freunden bin ich meist auch so – aber hin und wieder auch gnadenlos ehrlich. Oder ich bleibe, aus Rücksicht oder Ohnmacht, sprachlos. Das wechselt, je nach Situation, betroffenen Personen und Hintergrund. Hier verhalte ich mich nicht immer diplomatisch, versuche es aber … um des lieben Friedens willen.

Und dann gibt’s die Situationen, in denen ich einfach nur ehrlich sein kann. Das passiert mir oft in einem Umfeld, das ich eher beobachte, als Teil davon zu sein. Und die Beobachtung wird zur Wahrheit. Die aus mir raussprudelt. Das ist mir vor allem in meinen ersten Berufsjahren häufig passiert, wenn man in zwar beruflich bedingten, aber eher in privat anmutende, weil nette Situationen, kommt. Oder mein langjähriger Studentenjob im Service an der Kneipentheke. Da waren zahlreiche Fettnäpfchen auf meinem Weg und ich hab nur wenige ausgelassen 😉