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Das mit dem Pfauenrad

Vorab: Die Überschrift verspricht genau das, was wieder mal nicht geklappt hat. Der Pfau lockt mich zwar mit lauten Schreien an – aber er will und will nicht von mir in seiner schönsten Pracht fotografiert werden. Ich habe erkannt, dass das eine meiner vielen Geduldsproben ist – und werde warten 😉

Tatsächlich habe ich aber am Wochenende durch mein Verlangen, endlich mal ein Pfauenrad zu fotografieren, ein unwahrscheinlich süßes Erlebnis gehabt. Der Hof, auf dem der Pfau lebt, ist eine Einöde in der Nähe meines Elternhauses, an dem ich beim Spazierengehen doch recht häufig vorbeikomme. Zur Landwirtschaft gehören heute nur noch ein paar Esel, Truthähne, Schafe und eben „der“ Pfau. Die Hofbesitzerin ist letztes Jahr leider viel zu früh verstorben, aber ihre vielen Kinder halten die Tradition der Gastfreundschaft und des geselligen Zusammenkommens  lebendig. Und deshalb ist das einer der Orte, an dem man sich auch als zufälliger Besucher immer willkommen fühlt …

Am Freitag Abend lag der Hof auf dem Rückweg – und da war noch Hochbetrieb, denn die Ferienkinder haben den Schulabschluss und den Sommerferienstart so was von ausgelassen gefeiert. Und nicht nur die, auch deren Eltern saßen gemütlich zusammen. Nachdem mich der Nachwuchs „entdeckt“ hat, durfte ich zumindest für ein paar Minuten ein bisschen mit Kind sein. Zu den Tieren laufen, alle Namen erfahren, alle Eigenarten wurden mir ausgiebig erläutert. Und schließlich haben wir noch „Mein Lieblingstier“ erraten gespielt.

Als kleines Trostpflaster, weil der Pfau kein Rad „geschlagen“ hat, hab ich sogar 3 wunderschöne Pfauenfedern bekommen – eine große, eine mittlere und eine kleine. Die sind jetzt in den Schatzfundus der Nichten übergegangen, wo sie reichlich bewundert werden können.

Explosive Zeiten

Es ist verzwickt, denn fast immer kommt es zwischen Eltern und Kindern zu Konflikten. Weil die sich nämlich am meisten lieb haben. Also kann da auch am meisten explodieren. Weil da sind ja auch die vielen Phasen, die zum „Großwerden“ dazu gehören. Also das mit dem Denken, dass man schon alles besser weiß, sich aber um alles drückt, was dann eben auch dazu gehört. Da gehen manche Eltern, je nach Charakter, ruhiger und gelassener durch, manche eben nicht …

Jetzt ist das mit dem Erziehen auch so ein Definitionsding. Da gehen die Ansichten zu denen des heranwachsenden Nachwuchs oft planetenweit auseinander. Und wenn dann auch noch manche Eigenschaften so ähnlich sind, dass der Nachwuchs Mama oder Papa quasi den Spiegel des eigenen Stursinns vorhält … hui, ich sprach ja schon von explodieren.

Ich war selbst ein Sturschädel de luxe. Wusste schon früh alles besser, fand mich oft missverstanden oder mit Verantwortung zugeschüttet, bin vor allem mit meinem Vater immer wieder aufeinander gekracht. Der von seiner Ältesten viel mehr Vernunft, viel früher Verantwortungsbewusstsein und was auch immer noch so erwartet hätte. Und trotzdem sind wir da irgendwie beide durchgekommen. Und heute liebevoll miteinander verbunden. Also obwohl ich ihn jahrelang schrecklich fand. Und er mich.

Das nur mal so, weil mir natürlich auffällt, wie schwer es die bezaubernde Nichte grad mit ihren Eltern hat. Nicht nur wegen Corona. Aber auch deswegen. Es gibt Hoffnung. Später. Versprochen.

Paula und die Pusteblume: Vorlese-Geschichten aus der Nachbarschaft

Heute Nachmittag schaut Paula den Nachbarmädels beim Spielen zu. Die Große rennt mit ihrem Fotoapparat durch den Garten. Immer wieder muss die kleine eine Blume in die Hand nehmen und pusten. Das schein den beiden großen Spaß zu machen, sie lachen und streiten gar nicht, wie sonst oft. Irgendwann meint die Große: „…und jetzt darfst du dir was wünschen – also erst was wünschen und dann pusten. Dann geht der Wunsch in Erfüllung!“

„Echt?“ Die kleine Schwester ist ganz begeistert und ruft laut: „Iiiich wünsch mir, dass die Ausgangsbeschränkungen vorbei sind und ich wieder alle treffen darf, Familie und Freunde …“ und sie pustet und pustet, bis alle kleinen Flugschirme in alle Richtungen davonfliegen.

Oh, das ist ein schöner Wunsch. Das will Paula auch. Sie hüpft durch ihren Garten und bei jeder Pusteblume pustet sie und pustet und pustet … schließlich legt sie sich erschöpft in die Nachmittagssonne und schläft ein bisschen. Als sie aufwacht hört sie, wie Herrchen und Frauchen sich unterhalten. Karin erklärt Andi: „Also, man darf die Familie wieder besuchen, und Freunde darf man auch treffen. Und ein paar Klassen dürfen wieder in die Schule gehen …“

So schnell können Wünsche in Erfüllung gehen. Hach. Paula saust lächelnd und mit fliegenden Ohren zum Gartenzaun. Auch dort führen zwei einen Freudentanz auf. Auch wenn sie selbst nicht in die Kita darf, die sie sehr vermisst, die kleine Schwester freut sich mit der Großen über ein bisschen Normalität.

Paula und die Steinschlange: Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Die Nachbarsmädels unterhalten sich seit Tagen über „ihre“ Steinschlange. Am Anfang hat Paula nicht so ganz verstanden, was jetzt bitte schön an einer Schlange toll sein soll. Aber vor ein paar Tagen ist ihr Herrchen Andi beim Spazierengehen einen kleinen Umweg mit ihr gegangen, und jetzt weiß sie: da gehts nicht um eine „echte“ Schlange. Sondern um Steine, die alle von Kindern wunderschön angemalt worden sind. Und einer nach dem anderen wird am Zaun entlang des Kindergartens in Schlangenform gelegt. Die Mädels haben erzählt, dass das am Anfang nur ein paar waren. Und jetzt wächst die Schlange beinahe täglich. Immer wieder kommt ein Kind vorbei und legt „seinen“ Stein dazu. Meter um Meter …

Paula seufzt, zu gerne würde sie da mitmachen.. Aber wie so oft: Hunde können nicht alles, was Menschen können. Gilt umgekehrt ja auch. Aber das mit den bunten Steinen gefällt der Hundedame einfach richtig gut. Weil das aktuell ja auch mehr bedeutet, als ein Zeitvertreib. Mit jedem Stein zeigen die Kinder, dass sie zusammenhalten, dass sie durchhalten, dass sie sich zurücknehmen – für später. Und da möchte Paula doch auch zu gern mitmachen. Sie gehört schließlich auch dazu.

Aber malen kann sie nicht. Etwas missmutig läuft sie heute deshalb die Gassirunde neben ihrem Herrchen her. Doch Moment mal, was liegt denn da? Es ist ein Stein, der sieht aber ganz ungewöhnlich, gar nicht wie ein „normaler“ Stein aus. Er schimmert in ganz vielen bunten Farben und fast könnte man von der Form her meinen, das sei ein kleiner Regenbogen. Paula freut sich so über ihren Zufallsfund. Und sie bellt ihr Herrchen laut an. Und weigert sich, weiterzugehen. Erst ist Andi verblüfft, dann zieht er an der Leine. Als das auch nichts hilft kommt er näher ran. Paula stupst mit der Schnauze auf den kleinen Findling.

„Achso,“ sagt Andi und grinst. „Du willst, dass ich den Stein mitnehme und an die Schlange anbaue? Da hast du recht Paula, der ist wirklich schön, der Regenbogenstein.“ Schon hat er den Stein hochgenommen. Mit stolzgeschwellter Brust läuft Paula direkt zum Kindergarten, wo ihr Herrchen den Stein zu den anderen legt. „So,“ denkt sie, „jetzt ist es auch ein bisschen „meine“ Steinschlange.“ Und der Gedanke macht ihr so viel Freude, dass sie ganz glücklich im heimischen Garten sitzt und jeden, der vorbeikommt, einfach nur selig anlächelt.