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Mit 17

Mit 17, wie war das eigentlich? Mir ist das Jahr vor dem dann „wirklich als Erwachsen durchgehen“ vor allem dadurch in der Erinnerung, weil es für dieses Gefühl von „ich bin doch längst so weit, darf aber noch nicht“ geprägt war. Ich führte zu der Zeit eine Langzeitbeziehung, war gefühlt so gut wie verheiratet, verdiente Geld. In der Schule lief es ok – und trotzdem fehlte eben noch dieses entscheidende „Ich bin für mein Leben selbst verantwortlich!“

Die großen Diskussionen mit meinem Vater hatte ich eigentlich schon durch. Als ältestes von uns Kindern und auch noch Mädchen war er mit vielen meiner jugendlichen Unabhängigkeitsbestrebungen alles andere als einverstanden. Hat sich verantwortlich gefühlt und nicht alles – in meinen damaligen Betrachtungen NICHTS – erlaubt. Aber mit 17 waren die größten Auseinandersetzungen schon vorbei. Nicht alle, aber viele.

Mit 17 war ich ganze 2 Jahre liiert. Also ewig. Und wir hatten die erste große Krise ob des Fremdgehens meines Freundes hinter uns, erlebten die zweite wegen eines erneuten Seitensprungs. Aus heutigem Blickwinkel: was war ich erwachsen, wie souverän bin ich mit der Situation umgegangen. Immer mit dem Hintergedanken: könnte mir auch passieren. Statt zu checken: er ist es einfach nicht. Punkt.

Mit 17 wusste ich immer noch nicht, was ich mal werden sollte. Und hab entsprechend unorientiert meine Abitur-Leistungskurse Deutsch und Erdkunde gewählt. Alles richtig gemacht, beides hat perfekt gepasst und die besten Grundlagen gelegt. Witzigerweise hab ich mit 17 zum ersten Mal darüber nachgedacht, dass ich vielleicht nicht so der Typ fürs Heiraten bin. Anders als ein paar Schulfreundinnen, die sich Gedanken über eine möglichst bequeme Berufsausbildung bis zur Familiengründung machten, wurde mir klar, dass ich schon eine Berufung suchte, die mich dauerhaft unabhängig machen sollte – fällt mir jetzt beim Nachdenken grad so ein …

Mit 17 hatte ich einen unmöglichen Kleidungsstil, die schrecklichste Haarfarbe (aber nicht „17 Jahr, blondes Haar“) und eine Dauerwelle. Warum? Weshalb? Zum Glück fehlt mir diese Erinnerung. Und es war das Jahr, in dem ich – vielleicht gar nicht mal so heimlich – davon träumte, Mrs. Jon Bon Jovi zu werden.

Mit 17 war ich schon ein alter Hase im Ausgehen, fand es sonderbar, wenn in Clubs Menschen über 25 unterwegs waren. Die waren schließlich uralt. Damals funktionierte es übrigens problemlos, bis in die Morgenstunden unterwegs zu sein. Kaum Schlaf, war ja nur Schule. Mein Partyleben mit 17 waren gute Gespräche, gute Musik, gute Menschen. Schon damals kam ich gut ohne Alkohol, Rauchen und Drogen aus.

Mit 17 habe ich meinen Geburtstag in Paris gefeiert, quasi. Ich bin nicht mehr sicher, ob es genau der Samstag war, den wir auch wirklich in Paris verbrachten? Aber es waren Osterferien und wir haben die Tage so sehr genossen. Das war durchaus sehr besonders. Übrigens ohne meinen Freund, sondern mit denjenigen aus unserem Jahrgang, die Lust dazu hatten. Und ich hab ziemlich viel fremd geflirtet – muss man in dem Alter aber auch in Paris, oder?

Mit 17 hatte ich kein Mobiltelefon, Smartphone, Internet – das war noch ein sehr echtes „real life“? Und gefühlt haben wir uns damals verabredet und konnten nicht kurzfristig etwas verschieben, uns woanders treffen, es gab kein „Texten“. Außer, man hat sich Zettel geschrieben. Aber ich kann mich nicht erinnern, dass wir Zettel hinterlegt hätten, um dann woanders hinzugehen …? Übrigens war ich aber auch damals schon „ungerne“ unpünktlich, die Ausrede mit der akademischen Viertelstunde gabs dann aber erst später …

Mit 17 hatte ich tiefgründige philosophische Gespräche. Stundenlang, ganze Nächte lang. Über das Leben, die Liebe. Viel im Augenblick, viel im Moment. Alles, was das Herz bewegte. In profaner Umgebung oder auch an sehr besonderen Orten. Mit Herzensmenschen, vermeintlichen Freunden oder auch mit flüchtigen Begegnungen …

Mit 18 hat sich übrigens gar nicht so viel verändert, ich durfte Auto fahren und selbst entscheiden, aber so wirklich anders gefühlt über Nacht? Erwachsen? Gabs bei mir nicht. Manchmal bin ich übrigens immer noch 17, eigentlich noch recht oft. Und gern. Wobei, ein paar Dinge haben sich zum Glück doch verändert seitdem.


Danke für den schönen Schreibimpuls – der Zwetschgenmann lädt ein, sich zu erinnern, wie es mit 17 war. #17jahr

Ferienlangeweile

Im Radio habe ich einem Moderator gelauscht, der meinte, seinen Kindern sei es in den Ferien so sterbenslangweilig, dass er und seine Frau nun wirklich im Stress seien, um sie zu bespaßen … warum eigentlich? Ich kann mich nicht erinnern, dass Langeweile jemals geschadet hätte? Es hat entweder dafür gesorgt, dass ich mir etwas überlegen musste – oder ich hab irgendwann begonnen, die Langeweile zu genießen. Mich im Nichtstun gesuhlt … und das ist übrigens genau der Zustand, nach dem ich mich hin und wieder sehne. Ich kann mich schlicht gerade nicht daran erinnern, wann ich mich zum letzten Mal so richtig gelangweilt habe.

Übrigens sind auch die Profis von der Elterncouch der Meinung, dass Langeweile für Kids alles andere als schädlich ist – und ob es den Eltern gut tut, ihrem Nachwuchs immer Programm zu bieten sei in Frage gestellt?

Die Patenkinder sind ab heute alle unterwegs im Urlaub, und auf Reisen nach Cornwall und an die Havel kann es ja zum Glück gar nicht wirklich langweilig werden, weil man ja sogar beim Dummschauen was anderes sieht, als Zuhause 😉

Tante sein

Ein paar Gedanken oder Beobachtungen haben mich die letzten Wochen beschäftigt – lag einerseits daran, dass ich die bezaubernde Nichte so für meine Leidenschaft für die Laho begeistern konnte und so viel mit ihr unterwegs war. Lag andererseits daran, dass ich einmal mehr die beste Freundin mit ihren Neffen auf der Landshuter Hochzeit getroffen habe. Der Große und auch der Kleine haben sich Zeit für sie und für uns, Freunde und Familie, genommen.

Und da werden Erinnerungen wach: 2001 hat der große Neffe sein Debüt in der Kindergruppe gegeben. Und seine Tante so glücklich angestrahlt, als sie ihm applaudierte. 4 Jahre später und 2009 waren beide Jungs dabei – da hat das Tantenherz vor Freude doppelt geschlagen (und meins natürlich mit!). 2013 waren die zwei die beiden feschesten Standartenträger, an die ich mich jemals erinnern kann – 2017 war nur der Große dabei, der Herzensjunker … Und wer weiß, beim nächsten Mal als Tänzer oder gar Morisk? Ja, so ein bisserl träumen darf ich ja wohl 😉

Es ist so wunderbar, wie liebevoll die mittlerweile erwachsenen Jungs mit ihrer mittlerweile viel kleineren Tante umgehen. Sind tolle Jungs geworden, beide auf ihre ganz eigene spezielle Art. Da darf die Tante zu recht stolz sein, auch auf das innige Verhältnis, das sie zu beiden hat.

Und das inspiriert mich, lässt mich hoffen. Ich hab zwei wundervolle Nichten und zwei prächtige Patenkinder – manchmal haben wir engeren Kontakt, sehen uns viel. Dann wieder wenig. Und dennoch scheint es bislang, als ob es mit den 3 großen eine stabile Freundschaft ist. Für Nichte 2.0 setze ich das einfach mal als „so wird es auch bei uns laufen“ fest. Insofern hoffe ich sehr, dass auch mein Tantesein in den nächsten Jahrzehnten voll von Erinnerungen und Gegenwart ist. Und von zwei Seiten wertgeschätzt wird.