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Explosive Zeiten

Es ist verzwickt, denn fast immer kommt es zwischen Eltern und Kindern zu Konflikten. Weil die sich nämlich am meisten lieb haben. Also kann da auch am meisten explodieren. Weil da sind ja auch die vielen Phasen, die zum „Großwerden“ dazu gehören. Also das mit dem Denken, dass man schon alles besser weiß, sich aber um alles drückt, was dann eben auch dazu gehört. Da gehen manche Eltern, je nach Charakter, ruhiger und gelassener durch, manche eben nicht …

Jetzt ist das mit dem Erziehen auch so ein Definitionsding. Da gehen die Ansichten zu denen des heranwachsenden Nachwuchs oft planetenweit auseinander. Und wenn dann auch noch manche Eigenschaften so ähnlich sind, dass der Nachwuchs Mama oder Papa quasi den Spiegel des eigenen Stursinns vorhält … hui, ich sprach ja schon von explodieren.

Ich war selbst ein Sturschädel de luxe. Wusste schon früh alles besser, fand mich oft missverstanden oder mit Verantwortung zugeschüttet, bin vor allem mit meinem Vater immer wieder aufeinander gekracht. Der von seiner Ältesten viel mehr Vernunft, viel früher Verantwortungsbewusstsein und was auch immer noch so erwartet hätte. Und trotzdem sind wir da irgendwie beide durchgekommen. Und heute liebevoll miteinander verbunden. Also obwohl ich ihn jahrelang schrecklich fand. Und er mich.

Das nur mal so, weil mir natürlich auffällt, wie schwer es die bezaubernde Nichte grad mit ihren Eltern hat. Nicht nur wegen Corona. Aber auch deswegen. Es gibt Hoffnung. Später. Versprochen.

Zeit mit dem Pubertier

Wie wichtig die gemeinsam verbrachte Zeit in der Kindheit war merk ich gerade an Monsieur. Wir haben ganz viel Basis. Das hilft auch bei Defiziten in der Gegenwart. Hoffe ich zumindest. Denn dummerweise ist in mir mehr Kind denn Pubertier erhalten geblieben. Ergo gehöre ich zu den gerade äußerst nervigen Erwachsenen … die nicht so recht verstehen können, was im fast 14jährigen Kopf abgeht. Zwischendrin erkenn ich wieder das wissbegierige, aufmerksam beobachtende Kind, den Schauspieler. Der tut sich trotzdem mit so vielem schwer. Muss mit den Augen rollen, sich oft fast schon verzweifelt abwenden …

Nicht einfach zu bestehen, die Welt des Pubertiers, jede Stimmung ist anders, eigen. Nicht so recht nachvollziehbar, was in den Köpfen abgeht, was wirklich Priorität hat. Ich würde mir wünschen, wir erhalten uns unsere Grundlage. Auch wenn meine Begeisterung für seine Interessen meist nicht zu wecken ist. Die Steine oder besser Mineralien sind schön anzuschauen, dummerweise fehlt mir das Verständnis, warum man dafür Geld ausgeben sollte. Und auch die Online-basierten Spiele haben sich mir nie so recht erschlossen … aber Musik, oder Essen. Oder oder oder. Wird schon, wir schaffen das.

Das mit der Dekade

Wie schnell doch 10 Jahre vergehen – wobei: da ist so wahnsinnig viel passiert, in diesen 10 Jahren. Also so gesehen: wieviel doch in 10 Jahren drin steckt. Jetzt hat der Große also die erste Dekade seines Lebens „hinter sich“, hat seine ganz eigene Kindheit erlebt. Und wohl oder übel muss man sich dann als große Freundin klarmachen: ab sofort ist er auf dem Weg vom Kind zum Teenager. Vor uns liegt die Pubertät, es gab schon erste Gefühle für ein Mädchen, die anders waren, als bei allen anderen. Aber da gehört ja noch einiges mehr dazu, so ab jetzt eben. Den Geburtstag gestern? Hat er mit Legospielen verbracht – also nicht mit dem, was ich so als Kind unter Lego verstand. Da gibts jede Menge Computerspiele. Und Bausätze für komplizierte Fluggeräte und all so was . Jungskram eben. Morgens waren da schon Geschenke zum Auspacken angehäuft. Von wem was und wie und überhaupt? War am späten Nachmittag schon gar nicht mehr so klar, aber immerhin Konzerttickets für Revolverheld dabei. Und es gab sein Lieblings-Sandwich zu Mittag. Oma und Opa kamen zu Besuch. Und in der Schule musste sogar der Direktor kommen, weil aus einem Schimpfwort ein heftiger Streit zwischen zwei Mitschülern wurde, den der Lehrer nicht mehr deeskalieren konnte … Samstag geht es mit 9 Freunden ins Kino.

Eigentlich wollte er ja gern die Neuverfilmung des kleinen Prinzen sehen, aber das fanden die anderen uncool. Wie gut, dass deine Mama und deine Patentante mindestens genauso uncool wie du sind, den Film werden wir uns dann einfach irgendwann vor Weihnachten alle miteinander ansehen. Denn wir teilen mit dir die Vorliebe für dieses kleine Büchlein, die Sehnsucht nach der Zeit zum Träumen. Und irgendwie trifft das auch grade zum 10. Geburtstag so besonders gut, laut Kurzinhalt soll der Film zeigen, wie sehr eine Mutter „alles“ durchorganisiert, aus dem Kind soll ja mal etwas werden. Nicht auf dem straffen Stundenplan steht die kindliche Zeit zum Träumen. Bis der Nachbar einen Papierflieger schickt. Und damit beginnt als Film im Film die Geschichte vom kleinen Prinzen, der einen in der Wüste abgestürzten Piloten trifft. Mit einfachen, kindlich-philosophischen Weisheiten erklärt er auf berührende Weise, was im Leben wichtig ist. Hach, da freu ich mich jetzt schon drauf, den mit euch zu schauen.

Alles Liebe zum 10. Geburtstag, mein großer Kleiner