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Lausbuben im Schnee

Manchmal muss man den Wetterprognosen trotzen und Gelegenheiten ergreifen, um liebe Freunde zu besuchen. Nach langer Zeit mal wieder die ganze Familie, und nicht nur meine Freundin, die Mama, abends in der Stadt sehen. Sich eine Stunde ins Auto zu setzen und über die Autobahn gen Süden in die winterlichen Berge fahren. Sich über Schnee und blauen Himmel mit Sonnenschein in Garmisch-Partenkirchen freuen. Die Neuheiten im Haus der Freunde bewundern, die so viel investieren, selber machen, das Zuhause ist dadurch nicht perfekt, aber wunderbar! Mich freuen, wie sich die beiden Jungs entwickeln, der Große ist einfach nur durch und durch Zucker. Ein Kindergarten-Lausbub, wie er im Buche steht. Genau so muss es sein. Der Kleine hatte einen schlechten Tag, zu wenig geschlafen, dann kommen auch noch Fremde. Das ist zum Schreien und Sich-auf-dem-Boden-Wälzen. Klar. Nur ganz konnte er das nicht Durchziehen. Und wenn er dann doch lächeln, lachen oder flirten musste, dann war da ein Dahinschmelzen in der Damenwelt – Kindchenschema. Wirkt.
Später haben wir uns in großer Runde auf zum Weihnachtsmarkt am Richard-Strauß-Platz gemacht. Kindergärten und andere lokale Verbände verkaufen vor allem selbstgemachte Advents-Dekoartikel, Strickwaren und leckeres Essen. Mir war es klein genug und mit genug Lokalbezug, um mir zu gefallen. Und für mich alten Supperkaspar eine paradiesische Auswahl an warmen Suppen und Eintöpfen, warmgehalten von Kindergartenkindern über einer echten Feuerstelle, sah toll aus und war lecker.
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Für die Kleinen war viel Programm geboten: ein Nikolaus verteilte Packerl, ein rosafarbenes Karussell drehte geduldig Runde um Runde, kunterbunte Popcakes am Stiel, Süßkram. Allerdings steckt mal wieder das größte Potential woanders: der große Schneehaufen, am Rande des Weihnachtsmarkt wie zufällig zusammengeschoben, war DIE Attraktion. Artistische Stunts, toben, sich beschmeißen oder runterschmeißen, kraxeln, stampfen, Schneeballschlacht, Schnee-Engerl …. Das Leben kann so herrlich einfach sein, wenn man Lausbub oder Lausdirndl ist. Netter Nebeneffekt für Eltern und erwachsene Begleitpersonen: genau an der Ecke war der beste Platz in der Sonne mit Bergblick. Bin nicht sicher, aber ich glaube es war die Zugspitze, die da hoch aufregte, in der Sonne glitzerte und später über den Wolkenbergen thronte um noch später darin zu versinken. Schön!

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Autobahnerlebnis

Gestern auf der Autobahn hatten wir ein Naturerlebnis: auf der Fahrt Richtung Heimat waren wir erst von Ost nach West unterwegs, hinter uns eine schwarze Wolkenwand, vor uns blauer Himmel. Nicht ganz blau, sondern ein Blau mit rosa Schimmer. Mein Blick nach vorne in Kombination mit den Rückspiegeln fast unwirklich. Dann haben wir die Autobahn in Richtung Süden gewechselt, hinter uns blauer Himmel, durchzogen von ein paar Wölkchen. Über und rechts von uns strahlender Sonnenschein. Scharf Links von uns die schwarzen Wolkenberge. Fast unwirklich die regennasse Fahrbahn, nicht nur etwas nass, sondern so viel Wasser, dass es wie Gischt hochgespritzt ist, aufgewirbelt von den Fahrzeugen. In Fahrtrichtung ein gleißend heller, fast nicht zu durchschauender Wassernebel. Irisierend im Gegenlicht der herbstlich tiefstehenden Sonne, im Seitenspiegel hatte ich immer wieder kleine Regenbogen. Schön, auf besondere Art und Weise zauberhaft. Aber auch gefährlich, denn es gibt Autofahrer, die lichtlos durch diese ohnehin schon schwer einsehbare Fahrtsituation geistern. Und die Blinker und ohne Blick in Rückspiegel oder Schulterblick Spur wechseln.
Wir sind sicher durch dieses Autobahnerlebnis gefahren und Heil zu Hause angekommen. Und ich hab immer noch diese wirklich seltenen Bilder im Kopf.

Brief an den Regen

Lieber Herr Regen,

Ich war die letzten Wochen ruhig, habe meine Klappe gehalten, nicht auch noch meine Meinung zu Ihrem Dauerbesuch geäußert. Bin Ihnen nicht auf die Nerven gegangen. Kann ja durchaus verstehen, dass Sie gerne mal etwas länger bei uns sind.

Sie tun sich nicht immer ganz leicht, es allen recht zumachen? Sind Sie zu wenig präsent schimpfen alle, sind sie zu viel präsent – auch. Aber Ihre neue Taktik, einfach immer da zu sein? Nicht die Lösung. Jetzt ist gut.

Es darf und muss langsam auch mal wieder Ihre nette Kollegin, die Frau Sonne, ran. Und damit Sie es wirklich allen recht machen: lassen Sie Ihr doch den ganzen Monat? Oder noch besser: den ganzen Sommer? Und vielleicht wechseln Sie sich mit ihr ab? Also zum Beispiel tagsüber und abends Frau Sonne? Und nachts für ein oder zwei Stunden Herr Regen? Könnte mir vorstellen, dass das auch die Kritiker zufriedenstellen würde!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit, mit freundlichen Grüßen von mir, die ich langsam alle Schlechtwetterlisten abgearbeitet habe … außer den Dingen, auf die ich trotz Regen keine Lust habe

Schneechaos am Flughafen – gar nicht mal so schlimm

Montag morgen war ich eine von vielen, die am Flughafen München gehofft hat, dass mich mein Flugunternehmen trotz der Schneemassen sicher an meinen Zielort befördert. Wenn dann die erste Maschine ausfällt schwinden langsam aber stetig die Hoffnungen. Dann stehen gestandene Business-Vielflieger ebenso wie unsichere Gelegenheits- oder Erstlingstäter ängstlich vor den Damen hinter dem Counter, welche hektisch versuchen, einen Teil der wachsenden Anzahl von Warteschlangen-Aspiranten doch noch irgendwie in das ohnehin überbuchte, überfüllte Flugzeug zu bekommen.

Fürs Wetter kann keiner was, weder der hinter dem Counter, noch der davor. Trotzdem müssen sich die Damen von der Fluggesellschaft kluge Sprüche anhören: „War ja bei der Wetterprognose nicht abzusehen, dass heute Schnee kommt!“, „Kann ich doch nix dafür, dass ich mich bei dem Wetter verspäte …“ (äh, ich bin nicht mehr sicher, ob das nicht ein und die selbe Person mit diesen Sprüchen war, nur zeitversetzt und natürlich völlig ohne die geringste Selbstreflektion, eh klar!), „Das haben Sie aber nicht wirklich gut im Griff!“, „Mal wieder nicht vorbereitet!“, „Warum muss ich jetzt stehenbleiben und der darf mit?“, „Sie bringen hier ja mehr durcheinander, als dass Sie das gut organisiert bekommen …“. Irgendwie zynisch, denn am Terminal steht ein randvoller Flieger, es gibt vielleicht noch ein oder zwei freie Plätze, es ist unruhig, jeder Kunde fühlt sich wichtiger als alle anderen …

Ich dagegen war glücklich, dass meine Warteliste mich auf die nächste Maschine gebracht hat, nach dem Enteisen mussten wir dann noch mal von der Nord- zur Südbahn rollen, weil die eine aufgrund der Witterung just geschlossen wurde. Aber: ich bin dankbar, dass man auf Nummer Sicher geht. Lieber komme ich zu spät, dafür aber heil an – klar, ich bin auch ein Schisser mit Kontrollverlustängsten. Dafür schäm ich mich nicht, im Gegenteil! Bei winterlichen Flugverhältnissen sind definitiv die Mitarbeiter des Flughafens und das Team der Airline die Experten mit langjähriger Erfahrung, ich will mich mit gutem Gefühl auf deren Expertise verlassen können. Da hab ich keine Eile, sondern möchte einfach nur heil ankommen. Mein persönliches Fazit: bin stehengeblieben, war dank Warteliste auf der nächsten Maschine, musste etwas auf den Start warten, bin dann aber gut und sicher an mein Ziel gekommen. Und abends, obwohl es den ganzen Tag  Ausfälle gab, mit meiner ursprünglich gebuchten Maschine und einer halben Stunde Verspätung wieder zu Hause gelandet. Find ich ganz gut gemeistert! Also: gar nicht mal so schlimm, dieses vielbeschimpfte Schneechaos am Flughafen!

PS: noch mal ein Dankeschön an das Team der Parkleitzentrale am Flughafen München, das mir spätabends mit einem Pflaster aus der Patsche geholfen hat, das war toller Service und einfach supernett, vielen Dank!