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Das mit der Landpomeranze

Kürzlich hat mich jemand als Landpomeranze bezeichnet. Das war in dem Moment weder charmant, keinesfalls nett und bestenfalls hat er schneller gesprochen als gedacht. Ehrlich gesagt hat mich sehr amüsiert, dass ein Herr mittleren Alters heute ein doch eher veraltetes Wort gebraucht. Aber einen Gedanken hab ich noch: woher kommt es, dass ein Mädchen vom Land weniger wert sein sollte? Bei der Recherche bin auf eine früher sogenannte Frucht, ein Obst gestoßen, das wohl einer Grapefruit ähnelte oder zumindest eine Art bittere Orange war.  Im süddeutschen Raum galt die Landpomeranze als Schönheit vom Lande, der es an Bildung, Benehmen, Anstand bzw. Weisheit fehlt. Unbeholfene Möchtegernschönheit hab ich auch irgendwo gefunden … Hm, nett? Naja, ich versuche dem Komplimenteverteiler gerade zu verzeihen – und verweise in dem Kontext auf meinen eigentlich immer frischen Teint, könnte ja durchaus sein, dass er meine roten Backen als Farbe der Pomeranze identifiziert hat?

Spruch zum Wochenende: Gebet

„O Gott, du weißt besser als ich, dass ich von Tag zu Tag älter und älter und eines Tages alt sein werde. Bewahre mich vor der Einbildung, bei jeder Gelegenheit und zu jedem Thema etwas sagen zu müssen. Erlöse mich von der großen Leidenschaft, die Angelegenheiten anderer regeln zu wollen. Mach mich nachdenklich, aber nicht schwermütig, hilfsbereit, aber nicht bestimmend. Angesichts meines großen Reichtums an Lebensweisheit scheint es bedauerlich, nicht alles nützen zu können, aber du weißt, Herr, dass ich schließlich doch ein paar Freunde behalten möchte. Bewahre mich vor der Aufzählung endloser Einzelheiten und hilf mir, die Dinge auf den Punkt zu bringen. Lehre mich schweigen über meine Krankheiten und Beschwerden. Sie nehmen zu – und die Lust, sie zu beschreiben, wächst von Jahr zu Jahr. Ich wage es nicht, um so viel Gnade zu bitten, dass ich die Erzählungen anderer über ihre Schmerzen mit Freuden anhöre, aber hilf mir, diese mit Geduld zu ertragen. Ich wage es nicht, ein besseres Gedächtnis zu erbitten, dafür aber zunehmende Bescheidenheit und abnehmende Selbstsicherheit, wenn meine Erinnerung mit der anderer in Widerspruch zu stehen scheint. Lehre mich die wunderbare Weisheit, dass ich mich irren kann. Erhalte mich so liebenswert wie möglich. Ich möchte kein Heiliger sein – mit manchen von ihnen lebt es sich so schwer; aber ein Griesgram ist das Krönungswerk des Teufels. Lehre mich, Gutes an unerwarteten Orten zu sehen und ungeahnte Talente in anderen zu entdecken – und verleihe mir, o Herr, die schöne Gabe, sie auch zu erwähnen.“

(Das „Gebet einer Nonne“ stammt wohl aus dem 16. Jahrhundert und wird häufig Teresa von Avila zugeschrieben, ich habe es auf facebook.com/seiachtsam gefunden und als meinen Spruch für dieses  Wochenende auserkoren)

Spruch zum Wochenende

„Mit einer Weisheit, die keine Tränen kennt, mit einer Philosophie,
die nicht zu lachen versteht, und einer Größe, die sich nicht vor Kindern verneigt, will ich nichts zu tun haben.“ (Khalil Gibran)

Bekommen habe ich diesen Spruch vor etwa 20 Jahren, in einem Sammelband. Ein Geschenk von einem Mann, der mich mein musikalisches Leben lang im wahrsten Sinn des Wortes ‚begleitet‘ hat: als Organist, Pianist, als Noten-Lieferant, als Chauffeur. Er feiert heute abend Jubiläum: 50 Jahre Organist des Chores. Eine Überraschungsparty ist für ihn geplant, ich bin noch nicht sicher, wie er darauf reagiert, denn „sowas“ mag er nicht, also im Mittelpunkt stehen, Geschenke bekommen, … Aber: ich freue mich darauf, ihn zu sehen. Und alte Freunde wiederzutreffen.

Euch allen einen schönen Sommerabend und HAPPY WEEKEND

Was so in Kinderbüchern drin steckt

Kürzlich habe ich bei einer Folge Lauras Stern gelernt, wie wichtig es ist, sich und anderen kleine Lügen einzugestehen, sich dafür zu entschuldigen. Vor allem, wenn man den kleinen Bruder angeschwindelt hat, um seine Ruhe zu haben. Da ertappt man sich durchaus als Erwachsene, denn kann schon mal vorkommen, dass man die Kleinen anschwindelt, um sich Ruhe zu verschaffen, um ein vorher gegebenes Versprechen nicht einhalten zu müssen, …

Und inspiriert von einem englischen Artikel habe ich nach Lebensweisheiten in Kinderbüchern gestöbert:

„Wenn wir träumen, betreten wir eine Welt, die ganz und gar uns gehört.“ (Joanne K Rawling / Albus Dumbledore in Harry Potter)

„Die ganze Welt ist eine große Geschichte, und wir spielen darin mit.“ (Michael Ende / Momo)

„An allem Unfug, der geschieht, sind nicht nur die Schuld, die ihn begehen, sondern auch diejenigen, die ihn nicht verhindern.“ (Erich Kästner / Das fliegende Klassenzimmer)

„Wenn Du wütend bist, zähl bis vier. Bist Du außer Dir vor Wut, fang an zu fluchen.“ (Mark Twain / Die Abenteuer des Huckleberry Finn)

„Aber es gibt Dinge, die man tun muss, sonst ist man kein Mensch, sondern nur ein Häuflein Dreck.“ (Astrid Lindgren / Jonathan zu Krümel in Die Brüder Löwenherz)

„After all we’re much older than we were last year.“ (Enid Blyton / George in 5 Freunde auf geheimnisvollen Spuren)

„O Bär“, sagte der kleine Tiger, „ist das Leben nicht schrecklich schön?“ „Ja“, sagte der kleine Bär, „schrecklich und schön.“ (Janosch / Oh wie schön ist Panama)

„Nichts auf der Welt ist so einfach, daß man es mit einem Satz erklären könnte.“ (James Krüss / Lefuet in Timm Thaler oder das verkaufte Lachen)

„‚Oh, das ist bestimmt sehr bequem, so ein eckiges, hartes Ding unterm Kopf‘, hatte ihr Vater gesagt, als er zum ersten Mal ein Buch unter ihrem Kissen entdeckte. ‚Gib zu, es flüstert dir nachts seine Geschichte ins Ohr.‘ – ‚Manchmal!‘, hatte Meggie geantwortet. ‚Aber es funktioniert nur bei Kindern.'“ (Cornelia Funke / Tintenherz)

„Glaub mir, Krabat, alles auf dieser Welt hat seinen Preis…“ (Ottfried Preußler / Krabat)

„Bewahre mich vor der Angst, ich könnte das Leben versäumen. Gib mir nichts, was ich mir wünsche, sondern was ich brauche. Lehre mich die Kunst der kleinen Schritte.“ (Antoine de Saint-Exupery / Der kleine Prinz)

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