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#Glückspilzmomente (6): Eisigkalter Winter

Warum ich kalte Winter mag? Warum ich es toll finde, wenn es nachts eisig kalt wird? Warum ich es liebe, wenn der Schnee unter den Schuhen knirscht? Warum ich viel Schnee haben will? Und vor allem: warum ich gerne mal wieder so einen Moment erleben möchte?

Weil es seltene, aber sehr kostbare Momente sind. Das Bild stammt übrigens aus dem Januar oder Februar 2006 – aufgenommen mit einem Handy mitten auf dem zugefrorenen Königssee bei eisigen Temperaturen. Richtig, wir sind damals stundenlang bei unter Minus 10 Grad über den zugefrorenen See gelaufen, zu Fuß nach St. Bartolomä, dort gabs einen wärmenden Einkehrschwung. Die Chance hat man wohl nicht oft, etwa alle 10 Jahre. Vielleicht klappts ja 2016?

Warum ich heute drüber schreibe? Weil die letzten beiden Tage so himmlisch kalt waren, weil die Sonne rauskam, weil ich den Winter in all seinen Facetten spüren durfte. Und mir wünsche, dass das noch eine Weile anhält.

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Ein Beitrag zu den Glückspilz-Momenten im Januar 2017. Danke an die Initiatorinnen Petra, Maire und Mel für den schönen Impuls, Glückspilz-Momente in dieser so treffenden Rubrik festhalten zu dürfen.

Auszeit im Zauberwald

P1000580 Manchmal geben schon 3 Tage Auszeit das Gefühl eines richtig erholsamen Urlaubs. Das Rezept ist einfach, aber wirksam: man nehme
– 3 Tage Auszeit, ohne Uhrzeiten, ohne Programm
– 3 alte Freundinnen, die bereits zum 5. Mal gemeinsam verreisen und langsam wie alte Ehepaare aufeinander eingespielt sind, ohne sich zu zanken, und die sich immer was zu erzählen haben
– im vorab eine gelungene Hotelauswahl (dieses Mal den Mooshof in Bodenmais, ein familiengeführtes Haus mit einer Gastfreundschaft, die ich so ausgeprägt selten erlebt habe) mit einem wunderbar dezenten, unaufdringlichen Service
– passendes Wetter, in diesem Fall goldene Oktobertage mit Temperaturen um die 20 Grad, Sonne, Sonne, SonneP1000586
– schöne Rahmenbedingungen, also nette Mitreisende, die uns anlächeln und selber so was von rundum glücklich und zufrieden sind, eine Sonnenterrasse, ein warmes, einladendes Hotelambiente, ein abwechslungsreicher Wellnessbereich mit Saunen, Saunen, Saunen, Ruhemöglichkeiten ohne Ende, einem tollen Pavillon mit einem beheizten Verwöhnpool und vor allem ein Außenpool, an dem wir jeden Morgen unseren Frühsport absolviert haben – ausgestattet mit Sonnenliegen, an dem wir Samstag knapp 3 Stunden „abhängen“ konnten, ohne Termindruck, mit ausreichend Lesestoff – allein nach den 3 Stunden war ich rundum tiefenentspannt.
– eine Wanderrunde durch den Bayerischen Wald, der in dieser Jahreszeit zum Zauberwald wird, das Licht sucht sich einen Weg durch das stellenweise noch grüne, von schillerndem Rot über sattes Orange bis Gold ins Gelbe hinein strahlende Laub, schon die Ausblicke auf der Hinfahrt waren ein einziger Indian Summer, der Blick von der Hotelterrasse, unser Zimmerblick, die Ausblicke auf der Wanderung – alles ein einziges Farbenmeer, zauberhaft. Irgendwie hab ich die letzten Tage den Eindruck, der Herbst belohnt uns für den lichtarmen Start ins Jahr?

P1000583Meine Erkenntnisse des Auszeitwochenendes:
– eine morgendliche Schwimmrunde im Pool ist nach einer viel zu kurzen Nacht mit zu wenig Schlaf genau richtig, um wach und tiefenentspannt in den Tag zu kommen – warum hab ich nur zu Hause keinen Pool?
– ein familiengeführtes Hotel spürt man, der Mooshof hat eine sehr angenehme, äußerst einladende Atmosphäre. Schon die Begrüßung ist sehr persönlich. Familie Holzer ist sehr präsent, die Besitzer sind schon beim Check-in anwesend, schauen abends auf eine Runde durch den Speisesaal, unterhalten sich interessiert mit ihren Gästen, geben Tipps und Empfehlungen und machen den Aufenthalt damit besonders. Man fühlt sich, wie bei guten Freunden. Kein Wunder, dass das Haus so viele Stammgäste hat – man kommt gerne wieder.
– die Mädels Haben sich was einfallen lassen: nachdem ihnen mein Geburtstag vor einigen Monaten „durchgerutscht“ war haben sie sich als Wiedergutmachung an das Hotel gewandt. So kam es, dass im Verlauf eines Abendessens gefühlt jeder Mitarbeiter im Service an unserem Tisch vorbeikam, um mir persönlich zu gratulieren. Nach einem dummen Gesicht beim ersten Mal und auch insgesamt einer Gewöhnungsphase (ich bin nicht gerne soooo im Mittelpunkt des allgemeinen Interesses) habe ich mich in die Rolle eingefunden. Mir ohne Grund gratulieren lassen. Und ich kann immer noch Schmunzeln über diese Art der Wiedergutmachung. Und überlege schon, wie ich mich, ähnlich charmant, revanchieren kann 😉

PS: ich empfehle unser Hotel, ohne daraus irgendeinen Vorteil zu bekommen. Einfach nur, weil es mir so gut gefallen hat.

Bergglück

Die letzten beiden Tage durfte ich auf „dem Berg“* verbringen. Schön wars – und auch ganz schön anstrengend 🙂 Ich bin leider keine Gemse, der das Steigen nicht die geringsten Probleme bereitet. Es war ein richtiger Abenteuer-Ausflug: 6 Kinder (zwischen 7 und 12) und 6 Erwachsene machen sich am Samstag in aller Früh auf Richtung Alpen. Die Anreise in 2 Autos wird auf Männlein und Weiblein aufgeteilt, was gesprächs-interessen-thematisch dann auch ganz gut passt. Kurz vor Oberau Ende Gelände mit der stressfreien Fahrt: wir sind doch tatsächlich nicht die einzigen auf der Autobahn und überhaupt Richtung Garmisch, wie kann das bei so Traumwetter nur sein?

Etwas später als geplant, dafür bei strahlendem Sonnenschein, gehts vom vollkommen überfüllten Parkplatz bei Elmau gut bepackt los. Der erste Streckenabschnitt führt uns recht entspannt über gut ausgebaute Wege am Bachlauf entlang zur Wettersteinhütte. Dort ist zum letzten Mal in dieser Saison geöffnet, wir sind grade noch rechtzeitig da, um für den ganzen Tisch eine köstliche Pfannkuchensuppe zu ordern. Die Gruppe nach uns geht leer aus – beziehungsweise haben die dann einfach was anderes bekommen, was auch weg musste 😉

Weiter übers Schachtentor – und spätestens auf halber Höhe merkt man, dass die vielgerühmte Kondition schon mal besser war. Egal, denn zum Glück ist, wenn man „endlich“ oben ist, die Anstrengung schnell vergessen. Ok, das Knie zwickt und die Beine gehen weiterhin wacklig übers angrenzende Geröllfeld. Aber ich habs gepackt – und darauf kommts am Ende an, oder? P1120964P1120962

Endlich am Schachenhaus angekommen noch kurz die Nachmittagssonne genießen, den Kindern beim genussvollen Vernaschen des Apfelstrudels mit einem Becher heißer Schokolade zuschauen, dann wechseln wir langsam aber sicher in den Wirtsraum. Man merkt: in den Bergen kanns Ende August schon merklich kühl werden. Trotzdem: im Rückblick war der Tag einfach perfekt, knapp über 20 Grad, weißblauer Himmel, viel Sonne, immer wieder atemberaubende Ausblicke. Besonders schön ist dieser Wechsel der Wolken, der Verlauf mit kleinen Veränderungen, dem man an einer Bergwand wahrscheinlich stundenlang zuschauen könnte, ohne dass einem langweilig wird?

Der Abend vergeht angenehm kurzweilig, Memorie spielen, anderen Hüttengästen zuhören und -schauen, alte Geschichten erzählen, Neues erleben – kurz nach 10 dann Katzenwäsche, Zähneputzen, hundemüde ab ins Hüttenlager. In unserem Fall ist das ein nicht zu großes Zimmer, 12 Schlafplätze in Stockbetten. Kinder oben, Erwachsene unten. Nachdem ich mich auf dem Rückweg ganz kurz in ein fremdes Zimmer verlaufen habe und so über mich selbst lachen muss, dass spätestens alle wieder ganz wach sind, heißt es Licht aus, jetzt wird geschlafen. Klappt super, 12 Menschen auf engstem Raum, immer wieder ein leises Wispern, Kichern, oben wie unten. Erholsam schlafen fühlt sich anders an? Egal, dafür geht man früh ins Bett, wacht nachts immer wieder auf und freut sich, ganz hoch oben in den Bergen zu sein.IMG_1660P1120978

Der nächste Morgen bricht völlig anders als gewünscht an, statt sonniger Sonnenaufgang ist und bleibt es um uns wolkenverhangen, neblig, verregnet. Es sind gefühlt Minus-Grade, das Frühstück verläuft nicht nur angesichts der übersichtlichen Auswahl verhalten. Wir halten uns trotz  Schmuddelwetter an den Plan, besuchen den botanischen Alpengarten – sicherlich sehenswert bei schönem Wetter (wie im Link), aber vor lauter Regen macht das schlicht keinen Spaß. Die Führung durch das Schachenschloss verläuft im Trockenenen, ein großer Pluspunkt. P1120970

Aber die Führung hätten wir auch bei schönem Wetter gemacht, das muss man gesehen haben. Rund 20 Berghütten hatte der Herr Papa unserem Märchenkönig Ludwig II. vererbt und keine genügte seinen Vorstellungen? Das Schachenschloss ist nun wirklich keine Hütte, wie wir sie uns vorstellen würden, schon im Erdgeschoss ein Kachelofen in jedem Raum, Verzierungen, fast luxuriös zu nennen, plus atemberaubende Ausblicke (sicherlich, bei schönem Wetter, bei der Führung darf man eh nicht rausschauen). Und der maurisch-orientalische Saal im Obergeschoss – ein Traum aus 1001 Nacht. Man kann sich richtig vorstellen, hier mit Freunden einen Abend zu chillen. Toll! Nur hat der arme Ludwig da irgendwie ganz allein gefeiert, außer seinen Dienern scheint er keine Gäste gehabt zu haben …? Hm.

Dann der Abstieg, den ich schnell abhandeln kann: Regen, Regen, Regen. IMG_1661Immerhin gabs zur Halbzeit eine kleine Regenpause, kurzer Sonnengruß vor der Wettersteinwand, dafür kam dann noch mehr Regen runter. An den Autos angekommen wollten 6 Kinder am liebsten sofort und nur noch zu Hause sein, 6 Erwachsene hatten Hunger. In diesem Fall haben sich die Großen durchgesetzt und wir haben in einem Landgasthof unterwegs Halt gemacht, auf den ersten Blick eher groß, für ganze Busladungen geeignet, überfüllt. Auf den zweiten Blick gutes Essen, schneller Service, faire Preise. Auch die Kids waren mehr als zufrieden und die restliche Heimfahrt verlief mit vollen Mägen friedlich, ohne Zwischenfälle, einem Entspannungs-Sonntagabend entgegen.

IMG_1663Über ein paar kleine Erlebnisse und Beobachtungen werde ich irgendwann noch mal detaillierter schreiben, mir hat es riesig Spaß gemacht, gerade so ein Wanderausflug mit Kids mit Übernachtung auf einer Berghütte ist toll, sollte wiederholt werden. Auf meinen Merkzettel für den nächsten Bergausflug gehören ganz wichtig mehr Kondition sammeln, den Rucksack so packen, dass alles, was als Erstes gebraucht werden könnte, auch griffbereit liegt UND nicht zu vergessen die Kamera griffbereit haben. Ich hab leider nur ganz wenige Aufnahmen gemacht, was vor allem für Tag 1 superschade ist, da ich so viele wunderbare Bilder von der Natur, aber auch von unserem Sitzen in der Stube am Fenster, im Hintergrund das gewaltige Felsmassiv im Abendlicht, in meinem Kopf hab. Aber eben nicht als Bild. Deshalb hab ich eben etwas rumgesucht und hier fast unsere Tour mit wundervollen Bildern und anderer Wetterlage gefunden (erweitert bis zur Meilerhütte, die vom Schachenhaus nochmal etwa 1,5 Stunden Wanderung entfernt ist), hier gibts ein paar mehr Facts zum Schachenschloss – tja, diese Punkte der Merkliste sind äußerst wichtig 🙂

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*mit „dem Berg“ bezeichne ich weniger einen bestimmten, als vielmehr das Lebensgefühl, das sich mit dem in die Berge gehen, irgendwo raufgehen, den Ausblick von oben genießen, etc. verbindet 🙂