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Die Wahrheit aus Kindermund

Gestern hat mir ein Freund berichtet, dass sein Sohn, Kindergartenkind, der Mama gestern morgen beim Aufwecken die Meinung gesagt hat: „Mama, komm wieder, wenn ich ausgeschlafen hab!“ Umdrehen, Decke hoch, Augen zu – und am liebsten Kindergarten und sonstige Verpflichtungen des Tages ausblenden, um die Novembermüdigkeit einfach wegzuschlafen. Kann ich so gut nachvollziehen. Und ganz schön ehrlich, nicht taktisch. Kein: wie könnte ich es anstellen, dass ich heute nicht in den Kindergarten muss? Kein: ich fühl mich nicht wohl, mir gehts nicht gut, was fällt mir sonst noch ein, um heute zu schwänzen? Das ist ganz einfach die Wahrheit offen ausgesprochen aus dem Mund eines 5jährigen. Geradeheraus, das ist sehr entwaffnend?

Und zugegeben eine einfache Form von Wahrheit, denn wenn wir ganz ehrlich sind, Kinder sprechen ganz schön häufig und ganz schön deftige Wahrheiten aus. „Neben der Frau will ich nicht sitzen, die stinkt!“ – „Darf ich mich an deinen dicken Bauch kuscheln, das ist so bequem?“ – „Der Papa von meinem Freund, der spielt sogar Fußball mit uns und fährt mit dem Fahrrad in die Arbeit …“ – „Den mag ich nicht, der ist nicht nett!“ Hart, vor allem, wenn ein Kind laut ausspricht, was sich Erwachsene denken, es aber aus Rücksicht oder anderen Gründen nie aktiv ansprechen würden. Auch wenn es den Kids an Lebenserfahrung fehlt: sie beobachten und denken, ordnen ein und kommen zu einem Urteil. Und das ist manchmal so peinlich, dabei gleichzeitig herzerfrischend wahr und ehrlich.

Es gibt diesen Spruch „Kindermund tut Wahrheit kund“ oder auch „Kinder und Betrunkene sprechen die Wahrheit“. Und da grüble ich seit gestern, denn manchmal flunkern Kinder doch auch ziemlich? Erzählen von Erlebnissen, kämpfen gegen Drachen oder Monster, sind tapfer und besser, erfolgreicher, toller als alle anderen.. Bei aller Ehrlichkeit gegenüber anderen: das eigentliche Ziel ist dann doch, auch sich selbst gegenüber ehrlich zu bleiben. Sich mit den richtigen Maßstäben zu messen, sich richtig einzuschätzen, mit sich im Reinen zu sein. Ist es die goldene Mitte, also die Balance zwischen Ehrlichkeit zu sich selbst und anderen, die man anstreben sollte? Hm, mir ist im Umgang mit anderen Menschen immer sehr wichtig, dass sie authentisch sind, also sich selbst einschätzen können, dann klappt das auch meist mit dem Umfeld ganz gut. Und ich finde es besser, wenn ein Kind lernt, auch mal was auszusprechen, das peinlich ist – es gibt genug, die den Mund halten.