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Paula und die Bratwurst – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Nicht mal auf den Christkindlmarkt können wir … so ein Mist,“ mault das große Nachbarsmädel. „Und das, wo der Opa so gerne Bratwurstsemmeln und Glühwein mag,“ schließt sich die Mittlere an. Die Jüngste schaut etwas irritiert zwischen den beiden hin und her, weil so ganz versteht sie nicht, worum es geht. Paula, die am Lieblingsplatz am Gartenzaun zugehört hat, rechnet kurz nach. Klar, die Kleine kennt das gar nicht. Beim letzten Christkindlmarkt war sie ja noch in Mamas Bauch.

Ach ja, seufzt das Hundemädchen. Alles anders. Weiter quatschen die Mädels, bis sie plötzlich ganz aufgeregt werden. „Stimmt,“ sagt die Große gerade, „Bratwürste und Glühwein können wir selber machen. Und wenn wir etwas improvisieren, könnten wir doch selbst eine Bude bauen.“

Gesagt, getan, die Mädels schleppen alles Mögliche, was im Garten rumliegt, zusammen und beginnen, eine Art Verkaufsstand zu bauen. Mit Unterstützung von Mama und Papa sieht das schon bald fast aus, wie eine echte Bretterbude. Am Abend belauscht Paula, wie die Mädels stolz wie Bolle den Großeltern vom eigenen Christkindlmarkt im Garten erzählen und sie zum Besuch einladen. „Nur ein paar Tannenzweige für die Deko müsstet ihr mitbringen …“

Und tatsächlich, kaum sind Oma und Opa ein paar Tage später angekommen, liegt der Duft von Bratwürstln in der Luft. Paula läuft freudig bellend zum Gartenzaun und sieht, wie der Opa sich den Bauch reibt, so gut schmeckt ihm die Bratwurstsemmel mit leckerem Senf. Auch den Glühwein lobt er sehr. Und die Oma strahlt, weil es sogar Original-Lebkuchen wie auf dem Weihnachtsmarkt gibt, sogar daran haben die Enkeltöchter gedacht. Hinter dem Verkaufsstand stehen 3 zufriedene Ersatzchristkindlmarkt-Organisatorinnen. Und da Paulas geheimer Lieblingsplatz gar nicht mehr so geheim ist fliegen sogar ein paar Hapse für sie über den Zaun …

Paula und das Wintermärchen – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Hurra, es schneit!„, schwanzwedelnd steht Paula schon früh am großen Fenster und begrüßt kläffend die großen Schneeflocken, die sachte zur Erde schweben. „Na, da freust du dich, Paula?“ meint Herrchen Andi schmunzelnd – und raunt Frauchen zu „… da stört es sie auch gar nicht im geringsten, wenn die Pfoten nass werden.“ Die beiden grinsen sich an – aber nicht mal das kann Paula heute die gute Laune nehmen. Der erste Schneetag ist für sie ein echter Feiertag.

Schon steht sie fix und fertig an der Haustür und kann die heutige Gassirunde gar nicht erwarten. Sobald die Tür aufgeht ist sie draußen und staubt wie die Schneeflocken einmal durch den Garten. „Kuck mal,“ kläfft sie ihrem Herrchen zu, „das sind alles meine Spuren im Schnee. Ist. Das. Schön.

Unterwegs freut sie sich, denn überall entdeckt sie ihre kleinen Freunde, die Vögel, Mäuse und Hasen, die ebenfalls ganz begeistert Spuren hinterlassen. Nach einer langen Runde kommen die beiden Gassigeher zurück und bewundern die kleinen Kunstwerke der Nachbarsmädels. Die haben nämlich einen Schneeengel neben den anderen in die weiße Pracht gezaubert – herrlich ist so ein erster Schneetag. Zu Hause zieht Paula deshalb auch ihr Schlafkissen ganz nah ans große Fenster und blickt ganz selig zu, wie sie draußen Schicht um Schicht von der weißen Pracht über alles legt. Ein echtes Wintermärchen ist das – und rundrum zufrieden schläft die kleine Hundedame ein und träumt von Schneemännern, glitzernder Sonne über weiten, schneebedeckten Feldern und sogar ein bisschen von dem Schneeberg, der sie im letzten Winter unter einem Baum ein kleines bisschen verschüttet hat. Da träumt sie aber lieber ganz schnell von was anderem weiter …

Paula und der Nikolaus – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

Die Tage verbringt Paula wieder viel Zeit am Gartenzaun, denn bei den Nachbarsmädels ist zum Glück auch an diesen kalten schon recht winterlichen Tagen immer was los. Die haben schon den ersten Schnee gefeiert und jeden Tag ist Paula ein kleines bisschen neidisch, wenn sie hört, wie drüben die Türchen der Adventskalender geöffnet werden. Die Mittlere hat nämlich einen mit Musik bekommen – und da wird jeden Tag mitgesungen und getanzt.

Heute haben die Mädels ganz aufgeregt diskutiert, ob wohl trotz Corona der Nikolaus vorbeikommen wird? Denn eigentlich ist das ja doof, wenn der so von Haus zu Haus, von Kind zu Kind zieht – dabei sollen doch alle gerade nicht so viele Kontakte haben und vor allem nicht von einem zum anderen … Paula seufzt und verzieht sich auf ihr warmes Plätzchen. Doof ist das alles, findet sie.

Als sie später von einem kurzen Nickerchen erwacht staunt sie nicht schlecht: vor ihr steht ein roter Stiefel, randvoll gefüttert mit den leckersten Leckerlis. Eine verdächtige Spur zum Gartenzaun und lautes Kichern, als sie näher ranläuft, verraten dem schlauen Hundemädchen, dass die Nachbarsmädels sich wohl klammheimlich zu ihr geschlichen und ihr ein kleines Nikolausgeschenk vor die Nase gesetzt haben. Hach, was sie sich freut. Und das zeigt sie den Mädels mit ausdauerndem Schwanzwedeln und unzähligen Danke-Kläffs. Und dazu zeigt sie noch ein paar ihrer Kunststücke – was von ihren kleinen Nachbarinnen mit begeistertem Lachen und Klatschen belohnt wird.

Als Herrchen und Frauchen an den Zaun kommen singen alle sogar noch ein Lied miteinander – und Andi erklärt den Mädels, wieso Paula nicht alle Leckerlis auf einmal aufessen darf – phhhh, als ob sie das nicht selber wüsste, dass sie davon immer schlimme Bauchschmerzen bekommt. Aber sie wird es einfach halten, wie die Mädels mit ihrem Adventskalender, immer wenn die ein Türchen öffnen, wird sie sich ein Leckerli schnappen, jawoll.

Paula und der 2. C-Geburtstag – Vorlesegeschichten aus der Nachbarschaft

„Das nervt, sooooo, immer darf ich nicht, hhhhhhh, So ein Kack!“ motzt das älteste Nachbarsmädel. Schon seit Tagen geht das so. Paula steht auf der anderen Zaunseite und wedelt mitfühlend mit dem Schwanz. Wie gut sie die Große verstehen kann. Der zweite Winter mit lauter Einschränkungen, immer muss sie vernünftig sein, immer beachtet sie alle Vorgaben, immer passt sie auf – und dann das: da dummerweise ja auch ihr Geburtstag im Winter liegt hatte sie ja sowieso was ganz anderes geplant. Alles draußen, draußen eine Geocache-Suche mit einem Schatz, draußen ein bisschen basteln, draußen grillen und essen. Und nicht mal 11 Freundinnen eingeladen – aber jetzt. „Der Satz mit X, wieder nix. Das ist sooooo zum Kotzen.“

Ja, nicht nur Paula hat Verständnis für die blöde Situation. Alle, Mama, Papa, die Schwestern … jeder möchte ihr zum Geburtstag einfach nur eine riesengroße Freude machen. Aber in dem Alter wäre halt schon schön gewesen, nicht nur mit der Familie und so … Am Geburtstag geben sich alle deshalb besonders viel Mühe. Paula hat mitbekommen, dass die beiden kleinen Schwestern immer wieder mit Mama und Papa und sogar mit der Tante Ideen diskutiert haben. Richtig gute Ideen, ein paar können auch unter den aktuellen Bedingungen stattfinden.

Und deshalb wird es ein freudestrahlender Tag, so viele kleine Überraschungen, so viele liebevolle Worte, weil alle das älteste Nachbarsmädel einfach sooooo lieb haben. Am Abend steht die jetzt 11jährige lächelnd im Garten und erzählt Paula von ihrem Tag. Heimlich natürlich, denn immerhin ist sie jetzt 11 und da soll keiner mitbekommen, dass sie mit Tieren quatscht. Und Paula verrät es auch keinem weiter, versprochen.