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Auf meinem Weg

… es ist Sommer. Die Sonne scheint von morgens bis abends über den üppigen Feldern, alles grünt, unterschiedliche Nuancen, von saftig bis trocken. Alles schimmert, weich, gelbe Sprenkel. Darüber der Himmel. Sommer, Gefühle, Durchatmen, Freiheit.

… vor dem buddhistischen Tempel an der großen Straße eine Begegnung, eine Prozession. Ganz vorne wandelt der Mönch, schillernd orange. Ihm folgen in weiß gekleidete Menschen. Einer nach dem anderen. Sie folgen seinem Weg, dem Friedensweg. Über ihnen schweben die landenden Flugzeuge, aus aller Welt.

… am Horizont zeichnen sich deutlich die Berge ab, die ganze nördliche Alpenkette strahlt in den Himmel hinein. Vorne die Kulisse der Weltstadt mit Herz, der Olympiaturm, die Frauenkirche, … Oder ein See. Oder eine Bilderbuchlandschaft. Ein schöner Ort. Eine schöne Stimmung.

Der Weg ist das Ziel. Es fühlt sich gut und richtig an, auf der Welt und achtsam zu sein, wertschätzend mit dem Leben umzugehen.

Abendhimmel-Phänomen

Ich arbeite jetzt seit knapp 2 Monaten am schönen Ammersee – und beobachte hier ein Phänomen, das ich, geboren, aufgewachsen und lebend im Voralpenland, sonst noch nirgendwo so intensiv wahrgenommen geschwiege denn überhaupt bemerkt habe. Vielleicht hat jemand eine Erklärung für mich? Fast täglich zur Dämmerung gibt es für einen kurzen, mittlerweile sehr kostbaren Moment einen Lichtspot auf das Ostufer. Kloster Andechs leuchtet dann regelrecht mythisch auf, erscheint wie ein gleißend weißer Punkt. Das bewaldete Ufer strahlt in vielen Facetten von Rot-, Rosa-, Brauntönen. Aus dem Norden schiebt sich eine Wolkenwand, meist ganz in Grau in Richtung Berge vor. Dazwischen ist bis zur Spitze des – heute mal fast überdeutlich sichtbaren Alpenkamms -fast jede Farbschattierung zu sehen. Das ist kein leuchtend roter Abendhimmel, es ist aber auch kein winziges Farblicht, sondern es bewegt sich irgendwo dazwischen. Blau, Weiß, Rosa, hellblau, Rot, Lila, Pink, Gelb, Grau, Grün. Dabei leuchtet der See in ganz irren Farbschattierungen zwischen Schwarz und Blau und Grün.

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Alles ganz schön schön.

 

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Zum Anschauen.

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Beim Fotografieren lässt es sich leider von meinem Bürofenster aus nicht wirklich einfangen. Ich probiers fast täglich, aber bislang trifft das Resultat nie die Realität, die ich mit meinen leuchtenden Augen bewundere. Schade eigentlich.

Bin wie gesagt über jeden Erklärungsansatz dankbar, denn so richtig finde ich dazu nichts im wörldweiwebb?

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Die Zwiebelturm-Romantik des Voralpenlandes

Manchmal versteh ich Reisende aus aller Welt noch besser als sonst, warum sie alles tun, um Urlaub in meiner Heimat zu machen. Und bereit sind, dafür viel Geld zu bezahlen. Heute morgen hab ich mich von der Hallertau aufgemacht ins schöne Isental. Unterwegs sachte Nebelschwaden über einem fast herbstlich goldenen Hügelland, im Hintergrund durch den Föhn deutlich die gesamte Alpenkette plus die Ausläufer des Bayerischen Waldes. Weiß-blauer Himmel, ein paar Wolken, heller Sonnenschein. Da werde ich sehr klein, fast schon andächtig. Nehme den Weg als Ziel. Fahre langsam genug, um die Ausblicke tief in die Seele aufzunehmen. Genieße sehr die Besonderheiten unterwegs, das imposante Moosburger Kastulusmünster, kleine Dörfer mit zauberhaften Zwiebelturmkirchlein in Orten, die alle auf „lern“ enden. Einige ganz schlicht, gerade viele mit Gerüst, andere mit baulichen Rafinessen, unterschiedlichen Ebenen. Manche schlank und hoch, andere kugelrund und eher niedrig. Grinse mal wieder beim Gedanken, dass die Münchner ihren Flughafen ins Erdinger Moos gebaut haben, bekannt für die flache Ebene inmitten der Hügellandschaft – und als Nebelloch.
Komme schließlich in Isen an, die Kirche lässt von außen nicht erahnen, dass sich im Inneren bairische Pracht entfaltet, Bordüren und Engel, wohin das Auge blickt. Wie in einem Dom gibt es einen Vorraum, danach kommt man in einen Raum mit zwei Seitenschiffen. Ich bin verblüfft ob der Größe, mitten in einer Landgemeinde. Und bewundere die Akustik, wie mir heute eingefallen ist, hab ich da vor Jahr(Zehnt)en schon mal gesungen. Und eine Baukunst, die den strahlenden Sonnenschein durch die großen Fenster ins Bauwerk leitet und das Gold im Inneren weich und wunderschön zum Glänzen gebracht hat.
Auf der Heimreise (ich war da zu einer Beerdigung) hatte ich dann all die mit auf meiner Strecke, die dem kilometerlangen Heimreisestau auf der A8 ausgewichen sind. Ob sie es nur eilig hatten oder auch den ein oder anderen Blick in die wunderschöne Region geworfen haben? Und sich überlegt haben, das nächste Mal hier Zwischenstation zu machen?

Kleiner Exkurs: meine Nichte kennt neuerdings den Unterschied zwischen Zwiebelturm- und Spitzturmkirchen. Kann sie auch mit Bausteinen nachbauen: Spitzturm ist klar, langes Bauteil plus Dreieck. Zwiebelturm: langes Bauteil plus „ich brauche eine Zwiebel, kannst du mir eine holen!“