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Die kleine Schwester

Aus Erwachsenensicht war am Samstag so schön, wie die kleine Schwester ihre große Schwester bei allem unterstützt hat. Oder wollte. Wenn sie denn gelassen wurde.

Also beim Feiern war sie groß dabei. Und beim Geschenke suchen. Und auspacken, Und wegräumen. Und helfen. Und immer und überall mit dabei sein. Als fester Bestandteil der großen Schwester. Eng verbunden, sich mitfreuend. Ja, sich dadurch auch manchmal etwas in den Vordergrund spielend – aber nicht, weil sie die Große ausstechen wollte, im Gegenteil.

Und ja, dummerweise schau ich da als große Schwester manchmal auch mit einer Erkenntnis zu, die mir als Kind „natürlich“ fehlte. Das Verständnis, warum meine Schwester immer hinter mir her wollte, bei allem dabei sein, immer nah an mir dran. Dummerweise findet man das als Älteste nicht sooooo toll, wenn die Jüngeren immer an einem dran kleben.

Aber aus der heutigen Tantenperspektive ist das einfach nur unfassbar wertvoll, wie bedingungslos und selbstverständlich diese Geschwisterliebe sein kann …

Zeit mit dem Pubertier

Wie wichtig die gemeinsam verbrachte Zeit in der Kindheit war merk ich gerade an Monsieur. Wir haben ganz viel Basis. Das hilft auch bei Defiziten in der Gegenwart. Hoffe ich zumindest. Denn dummerweise ist in mir mehr Kind denn Pubertier erhalten geblieben. Ergo gehöre ich zu den gerade äußerst nervigen Erwachsenen … die nicht so recht verstehen können, was im fast 14jährigen Kopf abgeht. Zwischendrin erkenn ich wieder das wissbegierige, aufmerksam beobachtende Kind, den Schauspieler. Der tut sich trotzdem mit so vielem schwer. Muss mit den Augen rollen, sich oft fast schon verzweifelt abwenden …

Nicht einfach zu bestehen, die Welt des Pubertiers, jede Stimmung ist anders, eigen. Nicht so recht nachvollziehbar, was in den Köpfen abgeht, was wirklich Priorität hat. Ich würde mir wünschen, wir erhalten uns unsere Grundlage. Auch wenn meine Begeisterung für seine Interessen meist nicht zu wecken ist. Die Steine oder besser Mineralien sind schön anzuschauen, dummerweise fehlt mir das Verständnis, warum man dafür Geld ausgeben sollte. Und auch die Online-basierten Spiele haben sich mir nie so recht erschlossen … aber Musik, oder Essen. Oder oder oder. Wird schon, wir schaffen das.

Spruch zum Wochenende: Schöne Menschen

Diesen Spruch hat mir eine Bekannte geschickt, weil wir kürzlich darüber philosophiert haben, dass es nicht selbstverständlich ist, verstanden“ bzw. angenommen zu werden. Wir hatten über besondere Begegnungen gesprochen. Wer selbst noch keine Wende in seinem Leben erlebt hat, ob selbst gewählt oder durch äußere Umstände, der kann meist auch durch großes Bemühen nicht wirklich verstehen:

„Die schönsten Menschen, die ich kennen gelernt habe, sind die, die Niederlagen einstecken mussten, die Leid, Schicksalsschläge und Verlust erfahren haben, und die es dennoch schafften, immer wieder ihren Weg aus der Tiefe heraus zu finden.
Ihre Erfahrungen gaben ihnen eine Wertschätzung, eine Empfindsamkeit und ein  Verständnis vom Leben, die sie in Mitgefühl, Sanftheit und in tiefer Liebe auf andere
Menschen zugehen lassen. Ein schöner Mensch wird nicht geboren. Ein Mensch wird schön durch die Kraft, sich über seine Tiefschläge zu erheben und daran zu reifen.“ (Elisabeth Kübler-Ross)

Verstehen [*.txt]

Mit dem Verstehen ist es so eine Sache – denn zum Verstehen braucht es gemeinsame Grundlagen. Das identische Verstehen von Sprache zum Beispiel, die Bedeutung oder auch Interpretation von Wörtern. Von Sätzen. Von einer Aussage.

Einer sagt: „Es geht mir gut.“ Der andere versteht: ich fühle mich wohl. Ich bin gesund. Ich bin mit mir und meinem Leben zufrieden. Es geht so …

Einer sagt: „Ich habe viel zu tun.“ Der andere versteht: ich habe zu viel zu tun. Ich habe keine Zeit.  Ich mag nicht. Mir fällt gerade keine Ausrede ein, aber ich habe keine Lust …

Einer sagt:“Ich melde mich bei dir.“ Der andere versteht: du hörst von mir. Ich rufe dich bald an. Ich melde mich später bei dir. Du hörst noch heute von mir. Ich brauche Zeit, bevor ich mich bei dir melde. Ich melde mich irgendwann bei dir, gerade hat alles andere Vorrang …

Einer sagt: „Es geht mir nicht gut.“ Der andere versteht: Ich habe Probleme. Ich brauche Hilfe. Ich brauche dich. Ich möchte gerne, dass du mir zuhörst. Anderen geht es besser als mir. Ich bin krank. Ich fühle mich nicht gut …

Kommunikation setzt, sofern es sich nicht um ein Selbstgespräch handelt, immer voraus, dass man sich unterhält, also rückfragt, wenn man nicht versteht.

Manchmal versteht das Herz, die Seele, mehr, als der Verstand jemals erfassen kann.

Manchmal verstehen die Augen, eine aufmerksame Beobachtung so viel mehr, als Worte jemals erklären könnten.

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Ein verspäteter Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 13. Wort lautet „Verstehen“.