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Sonntagsfreude: Novemberblues

Die letzten beiden Wochen hatte ich ein Projekt. Eine Kollegin hatte ihre alljährlich wiederkehrende Depression nach der Zeitumstellung beklagt, ihr fehle in den ersten beiden Wochen so viel Licht, dass sie unter einem echten Novemberblues leide … und sie hatte den Kollegenkreis um Verständnis Rücksicht – und um Motivation gebeten. Das hab ich mir zur Aufgabe gemacht. Und ihr täglich rund um den Sonnenuntergang einen „Lichtblick des Tages“ präsentiert. Um sie aufzumuntern. Ist mir gelungen – und mit einem Augenzwinkern haben wir gestern die gemeinsame Projektphase beendet. Hat uns großen Spaß gemacht, ein paar Kollegen haben schon richtig mitgefiebert … ob es nächstes Jahr eine Wiederholung gibt? Mal sehen! Wie hat sie so schön geschrieben: auch neue Traditionen wollen schließlich gepflegt werden … 🍁🍂

Schnuppern bei den Jungen Chören München

Mademoiselle hat vorgesungen und darf jetzt 4 Wochen Chorluft schnuppern gehen. 1-2 mal die Woche geht es in die Innenstadt zum Proben, wenn ich richtig verstanden habe ist da auch Einzel-Stimmbildung dabei. Die unterscheiden in 3 Gruppen, C ist die Vorbereitung und Heranführung, in B werden die Kleinen zu Chorsängern, A ist dann die Gruppe, in der sie wirklich nicht nur üben, sondern auch Auftritte meistern, sogar Konzertreisen gibt’s da. Bin gespannt ob die kleine Sängerin direkt in B starten darf, sie übt seit dem Vorsingen „ununterbrochen. Keine Frage, dass sie bereit ist für jegliche solistische Rolle, sollten Schauspiel oder Tanz notwendig sein, wird sie auch diese Herausforderung mit Bravour meistern. Am Telefon hat sie mir so begeistert und voll stolz vom neuen Hobby berichtet …

Ach ja, schön, wenn ein Patenkind anruft, weil es mich „so lang nicht gesehen haben und schon etwas vermisst“. Da plant die Patentante noch viel lieber ein baldiges Wiedersehen ❤️ am 22.12. ist das diesjährige Adventskonzert des Chores. Ich vermute, sie wird noch nicht rauszuhören sein, aber den Termin hab ich mir eingetragen, vielleicht schaff ich ja, dabei zu sein.

Heimweh

img_4709Als sich die Eltern der beiden jetzt wieder Münchner, aber doch einige Jahre „Schweizer“ Patenkinder für ein Leben anderswo entschieden haben, hatten wir viel Gesprächsbedarf. Ein Umzug mit Kindern bedeutet auch, hinsichtlich der vorher vertrauten Wegbegleiter Sicherheiten schaffen, vorbauen, abstecken. Dass ich ja ein Mensch sei, der Freundschaft auch auf Distanz führen kann, das war beiden sehr wichtig. Der Umzug sollte schließlich die berufliche Karriere vom Herrn Papa fördern, alles andere würde sich schon geben.

Was alle Erwachsenen damals unterschätzt haben: wie stark das Heimweh werden kann. Nach München, nach den hier lebenden Menschen, nach der Muttersprache, nach den Freunden, nach Ritualen … das lässt sich auch nicht auf typische Wahrzeichen Münchens reduzieren, gehört aber alles in den einen riesengroßen Topf von Heimatgefühl. Dazu gehört, beim Bäcker Grüßgott zu sagen und Semmeln zu kaufen. Dazu gehört, das Gefühl zu haben, schnell und jederzeit in den Bergen zu sein. Dazu gehört aber vor allem so viel mehr, was sich gar nicht in Worte fassen oder mit Orten, Plätzen, Festen oder ähnlichem festmachen lässt.

Als die Frau Mama mir dann berichtete, dass sie zurückkomme, mit den Kindern, auch auf die Gefahr hin, eine Fernbeziehung führen zu müssen. Weil es ihr das Herz breche, vor Heimweh. Da wurde sie verstanden. In fast 4 Jahren waren es immer die Kurzaufenthalte in München, die sich nach Heimat anfühlten. Für die ganze Familie.Auch neu geschlossene Freundschaften in der Schweiz haben bei Monsieur niemals denselben Stellenwert besessen, wie seine Münchner Freunde. Jedes Mal hat er Rotz und Wasser geheult, wenn er sich trennen musste.

Wie groß dieses Heimweh war, wie tief die Wurzeln waren, wie schnell sie sich nach dem Zurückkommen im neuen Heim, in der Umgebung, im alten neuen Freundeskreis, im Münchner Jahresablauf, in der Heimatroutine wohlgefühlt haben. Wie glücklich alle 4 waren und sind, seit der Papa wieder in München arbeitet. Wie sehr haben sich die großen 3 „nach Hause“ gesehnt. Und auch Mademoiselle, die ja in der Schweiz geboren ist, wurde so schnell ein Münchner Mädl. Alle sind sie längst angekommen, fragt man heute nach Heimatliebe, bekommt man ein zufriedenes „Wir sind Münchner!“zur Antwort.

Mich beschäftigen diese Gedanken seit einigen Wochen, denn durch die Erkrankung des Patenkinder-Opas hat räumliche Distanz und Nähe einmal mehr eine andere Wertigkeit erhalten. Deshalb möchte ich mit diesem Text auf Andreas Frage zu „Heimat und Heimweh“ antworten und einen Beitrag aus dem Beobachter-Blickwinkel zum Thema „Was würdet ihr an München vermissen?“ für München.de antworten.

 

Neuzugang im Katzenhimmel

Auf Wiedersehen, liebe Wegbegleiterin der vergangenen 6 Jahre. Die letzten Tage ging’s dir mies, Nierenversagen. Du hast nicht mehr gefressen und warst viel zu schwach. Nicht zu vergleichen mit deinem bisherigen starken Ich. Du hattest ein gutes, wenn auch viel zu kurzes Leben auf dem elterlichen Bauernhof. Ich wünsch dir, dass du auch im Katzenhimmel immer jemanden findest, der dich ausgiebig krault. Und ein sonniges Plätzchen, ganz für dich allein, wie du es so gerne magst. Ich werd dich vermissen, kleiner tapferer Tiger! Und nicht nur ich.