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Papasani

Solange ich denken kann, nennt meine Mutter meinen Vater „Papasani“. Nicht immer, aber wenn sie ihn tadelt. Da ändert sich auch der Tonfall ihrer Stimme, das Papasani zieht sich, mit sehr langen Vokalen und viel Modulation, man könnte nach jeder Silbe ein missbilligendes tststs einfügen. Sonst wird er ja mit seinem Vornamen und auch in einem netten Ton angesprochen …

Immer mal wieder hab ich mich gefragt, wo sie das her hat, dachte an einen Film, ein Buch, eine überlieferte Figur. Ist schließlich ein komisches Wort – zusammengesetzt aus dem Kosewort Papa und dem Anhängsel -sani. Dass das keinesfalls von der Abkürzung für Rettungssanitäter stammt, obwohl mein Vater das in seiner Bundeswehrzeit war, liegt im Kontext auf der Hand. Eher schon der Partisan … aber so richtig erschließen lässt es sich nicht.

Auch hatte meine Mutter keinerlei

Vorbild oder Anregung. Ich hab sie gefragt. Sie wollte ihn schlicht nicht wie wir Kinder Papa nennen, vor allem nicht, wenn sie ihn tadeln wollte. Da kam ihr das spontan über die Lippen. Schwups, Wortneuschöpfung. Fällt seit damals durchaus regelmäßig, der kreative Name Papasani 😉

Familiengeschichten: Bruder, Onkel, Kater

Ich weiß nicht genau, wie wir beim gemeinsamen Abendessen beim Thema Wünsche angekommen sind … in jedem Fall äußerte der Sohn meines Cousins (10) plötzlich seinen: „ich wünsch mir einen Bruder.“ Allgemeine Überraschung, Staunen, irritiertes Schweigen. Die Familienplanung ist laut Rückfrage bei der Frau Mama abgeschlossen … „Einen Bruder oder einen Cousin …“ zählt er weiter auf. „Oder eine Katze, einen Kater.“

Gut, das amüsierte Schmunzeln der Erwachsenen ist jetzt schon irgendwie nachvollziehbar – oder?

Recht irritiert lauschten beide Kids später meinen Ausführungen, dass ich als Cousine ihres Papas auch einen Onkel R. habe. Eigentlich schon recht schlüssig, denn unser Onkel R. ist schließlich der Vater ihres Onkel R., ihr Opa, Bruder meines Vaters. Ungläubige Blicke der beiden, dann der rettende Gedanke: „Früher hattet ihr ihn, jetzt haben wir ihn …“ Zum Glück haben wir alle beide, jeder eben so, wie er mit dem einen oder anderen verwandt ist 😉 

Und ich musste auf der Heimfahrt sehr grinsen, denn genauso geht es mir, wenn meine Eltern mir familiäre Verhältnisse wie das in Bayern noch sehr verbreitete Geschwisterer-Kinds-Kinder erklären: das Kind des Kindes eines gemeinsamen Vorahnen. So ist die bezaubernde Nichte wahrscheinlich als Tochter meiner Schwester bestimmt Geschwister-Kinds-Kind mit Sohn und Tochter meines Cousins. Geschwister, unser Vater und Onkel. Deren Kinder (meine Schwester und Cousin) und dann die Kids. Oder sind das dann Großcousins? Oder Vetter und Base? … ich werde es nie so ganz kapieren 😉

Spruch zum Wochenende: Abschied

Es ist Zeit, viel zu früh, wenn auch seit langem erwartet. Zeit, in diesen herbstlichen Novembertagen zu hoffen, dass er noch mal Sonne und Farben und gelebtes Leben tief in sich aufnehmen darf, auf dass ihn  ein paar Sonnenstrahlen kitzeln und zum Lächeln bringen. Zeit, den Papa meiner besten Freundin los zu lassen, ihn und sie und alle seine Lieben auf den letzten Metern zu begleiten, gedanklich. Leider habe ich sein „kimmst wieder“ wohl zum letzten Mal gehört, aber wir werden es uns ganz in seinem Sinne tief im Herzen bewahren. Beziehungsweise fortführen. Und einmal mehr muss ich bemerken, wie nahe wir uns in solchen Zeiten kommen können. Diesem Gedanken widme ich meinen Spruch zum Wochenende: „Abschied ist die innigste Weise menschlichen Zusammenseins.“ (Hans Kudszus)

Familiengeschichten: Hochzeitstagromantik

Gestern hatten meine Eltern Hochzeitstag. Mein Papa, der alte Romantiker, hat der Mama wie immer ein paar Blumen aus dem Garten gepflückt. Dort hat sie schließlich genug, also rupft er welche aus, die sie sich dann auch pflichtbewusst in eine Vase stellt. Ich sollte dazu erwähnen, dass er zum Glück meist nicht die hübschesten Exemplare auswählt, sondern einfach, was er findet …

Dann meinte er, sie könne ja mit ihm einen Ausflug machen. Also auch. Weil eigentlich wollte er zu einer Veranstaltung. Die die Mama nicht interessiert. Und mehrere Stunden dauert. Aber beim Autofahren, da hätten sie ja Zeit miteinander. Und irgendwas zu essen gabs da wohl auch …

Ja, mein Vater weiß definitiv ganz genau, wie so ein Hochzeitstag zu feiern ist 😉