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Phantomschmerz [*.txt]

Da. Aua. Schon wieder. Natürlich unerwartet. Dabei hab ich nichts anderes gemacht, als 1000 Mal vorher auch. 1000 Mal war nix. Aber jetzt schmerzt es. Genau die gleiche Bewegung gemacht. Nie war was. Jetzt: Hölle. Es. Tut. Weh. Und es hört auch nicht sofort wieder auf.

Ich gehe. Spazieren. Schlendernd. Plötzlich dieses Stechen. Ich muss das Handgelenk mit der anderen Hand festhalten, hochhalten, stabilisieren. Das nervt.

Ich lese. Ein Buch. Sitze auf einem Stuhl und alles ist schön. Plötzlich dieses Stechen. Ich muss das Buch weglegen. Das ist alles andere als entspannend.

Ich schreibe. Am PC. Die Gedanken fließen. Plötzlich dieses Stechen. Ich muss aufhören, abwarten, bis der Schmerz abklingt. Das ist frustrierend.

Ich fahre. Auto. So wie immer. Hände am Lenkrad. Plötzlich dieses Stechen. Ich muss die Hand schütteln, den Arm entlasten. Das ist gefährlich.

Ich schlafe. So wie immer. Nur heute ist das 1000. Mal? Plötzlich dieses Stechen. Vor Schmerz wache ich auf. An Einschlafen ist nicht mehr zu denken. Das macht müde.

Dabei ist da nichts. Sagen mir alle Ärzte. Untersuchungen. Unzählige Aufnahmen. Röntgen. MRT. CT. Was weiß ich. Da ist nichts. Kein Hinweis, keine Ursache. Nur mein mittlerweile chronischer Schmerz. Ein Phantomschmerz? Aua. Dieses Nichts tut weh.


Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 10. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt für 2018 lautet: Phantomschmerz.

Sonntagstraurigkeit

In dieser Woche ist einiges passiert, heute ist mir aber nicht danach, darüber zu schreiben. Denn mein Tag hat mit einer für mich immer noch unfassbaren Nachricht begonnen: eine Freundin hat mich informiert, dass eine gemeinsame Freundin aus Sängerkreisen verstorben ist. Viel zu jung, viel zu früh, plötzlich – an den Folgen eines Schlaganfalls …

Wir haben eben lange telefoniert, ich verstehe, was passiert ist. Begreife es aber nicht. Und habe das so liebevoll lächelnde Gesicht so lebendig vor mir. Ihre Stimme im Ohr, die mir schon so einige Male den Marsch geblasen hat, weil ich immer zu selbstkritisch sei. Mir erst vor ein paar Monaten mehr als deutlich gesagt hat, dass ich mit meiner Leistung doch auch mal zufrieden sein „muss“. Kommt gerade mehr als deutlich bei mir an.

Ich bin unsagbar traurig, denn es kommen auch unerwartete Erinnerungen hoch. Als meine Schwester 1999 starb habe ich von ihr und ihren Geschwistern eine Kondolenzkarte bekommen – damals gar nicht so sehr beachtet, verstehe ich heute zu gut, warum es ihnen so wichtig war, ihre Anteilnahme auszudrücken. Auch sie waren 5 Geschwister, die allerdings zusammenschweißte, dass sie viel zu früh beide Eltern verloren haben. Auch 3 Schwestern und zwei Brüder. Auch sie sind jetzt nur noch zu viert …

Und sie hat als älteste Schwester auch etwas den Familienzusammenhalt organisiert, als Sprachrohr agiert, war die gute Seele des Haushalts, ein Bindeglied. Sie wird fehlen, in der Familie und im Freundeskreis … hier kommt gerade die Sonne raus und ich nehme sie jetzt mit auf meinen heutigen Spaziergang, durch die Natur, durch die Heimat, in der sie so fest verwurzelt war, dabei immer offen für die Welt.

Wenigstens eine kurze Zeit möchte ich heute innehalten, mich verabschieden und die unzähligen Erinnerungen bewusst, sicher auch mit dem ein oder anderen Schmunzeln, durchdenken – ehe es weitergeht …

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

Spruch zum Wochenende: Nichtstun

Mein Tag gestern verlief vollkommen unerwartet: die Tage vorher viel zu viel zu tun, alles kommt zusammen, ist zeitlich ungünstig, ich deshalb innerlich unruhig. Dann hat mich mein Auswärts-Termin auch noch  ohne jegliche Vorwarnung zum Nichtstun, zu einer Pause gezwungen. Und wisst ihr was? Nach anfänglichem Unwohlsein hab ich mich darauf eingelassen, denn ich kann mich in einer wundervollen Umgebung, die zum Wohlfühlen einlädt, doch wohl nicht nicht entspannen? Und am Ende darf ich aus ganzem Herzen diesem Spruch zustimmen: „Nichtstun macht nur dann Spaß, wenn man eigentlich viel zu tun hätte.“(Noel Coward)

… ich muss gestehen: das klappt meistens nicht. Also gerade. Weil Baustelle mit immer was zu tun und so viele laufende Projekte im Job und alles muss erledigt werden. Umso dankbarer bin ich für die paar Stunden gestern, in denen ich tatsächlich zur Ruhe gekommen bin, auch innerlich. Eine schöne Einstimmung auf das Wochenende, an dem ich auch irgendwie zum Nichtstun gezwungen bin, weil Nichten-Babysitter. Das ist anders Nichtstun, wir werden es uns miteinander gut gehen lassen.