2013 war ein „perfektes“ Jahr, alle 4 Hochzeitsumzüge zur 40. Landshuter Hochzeit bei schönem sonnigen Wetter. Das die Farben der Altstadt und den Himmel wunderbar strahlen lässt. Und die Mitwirkenden ins beste Licht rückt. Impressionen im Bild:
Es ist immer wieder bewundernswert, was Besucher in Kauf nehmen, um den besten Blick auf den Umzug zu erhaschen. Neben den Tribünensitzplätzen gibt es noch unzählige Stehplätze, bereits ab 9 Uhr morgens sitzen erfahrene Hochzeiter auf Bierbänken an Tischen im Schatten und bewachen ihren Ausblick. Andere haben Campingausrüstungen dabei, um in der ersten Reihe zu sitzen. Glücklich, wer jemanden kennt, der über die heißbegehrten Fenster zur Altstadt verfügt. Man trifft sich in Privatwohnungen, aber auch die Fenster der offiziellen Gebäude sind beste Schauplätze. Von oben sieht man natürlich alles und hat immer den Blick über die Altstadt – es ist schon unbeschreiblich herrlich!
Da zu den Bildern der Ton fehlt: der Zug wird begleitet von Musikgruppen, Trommler, Bläser, Dudelsackspieler, Sänger. Die Mitwirkenden ziehen fröhlich durch die Zuschauer, winken, werfen Blumensträuße und Buchskranzerl. Überall, wo man bekannte Gesichter erblickt, ertönt das fröhliche „Halllooooo!“. Jede Gruppe symbolisiert eine Gästegruppe, alle Bewohner der Herzogsstadt und die Umgebung waren im Jahr 1475 zur Hochzeit von Herzog Georg und der polnischen Königstochter Hedwig geladen. Damals hat es mit Sicherheit nicht den farbenfrohen Umzug gegeben, die Braut hatte eine lange, anstrengende Anreise hinter sich. Für die Zuschauer heute spielt das keine Rolle, sie freuen sich an der guten Stimmung, an den bunten Farben, der Musik, den vielen Impressionen.
Als kleiner Tipp: es ist auch schon ein Erlebnis, am Sonntag vormittag durch die Altstadt zu laufen. Man kann sich überall auf den Tribünen niederlassen und das beginnende Treiben beobachten. Die Kostümierten sind unterwegs, viele Besucher, auch die einen Blick wert. Nach dem Umzug kommt direkt die Müllabfuhr, das ist dann weniger sehenswert 🙂
Heute ist ein perfekter Tag, um einen Picknickkorb mit feinen Sachen zu packen, sich ins Auto zu setzen, entspannt nach Landshut zu fahren und den Abend in der Altstadt zu verbringen. Warum? Es ist herrliches Wetter. Die Tribünen mit Sitzplätzen für Tausende Besucher des großen Hochzeitsumzugs jeden Sonntag stehen 3 Wochen lang und dort findet sich – sofern man rechtzeitig da ist – immer ein bequemes Plätzchen für ein gemütliches Picknick. Und damit ist man mittendrin. In einem Abend voll bayerischer Gemütlichkeit mit einem Flair von Partymeile, das man sonst nicht so leicht findet.
Wer es noch nie erlebt hat kann wahrscheinlich nicht nachvollziehen, warum es so besonders ist, deshalb versuche ich in Worte zu fassen, was ich in diesen Tagen in der fernen Weltstadt mit Herz verpasse:
Ein Tribünenabend zu LaHo-Zeiten in der Landshuter Altstadt bei herrlichem Sommerwetter, das ist nicht selbstverständlich und noch weniger alltäglich. Zunächst gibt es die Gelegenheit rein rechnerisch nur alle 4 Jahre, 3 Wochen lang. Wetterabhängig ist es zudem, also nicht alle 4 Jahre 24 Tage lang, rechnen wir mal in einem Schönwetterzyklus von 10 möglichen Abenden. Ziehen wir noch Verpflichtungen, Termine, Entfernungen und andere Verhinderungen ab, bleiben realistisch vielleicht 5 mögliche Termine für ein Tribünenpicknick.
Was macht es so unvergleichlich schön? Es ist anders, es ist kein Biergartenabend. Es ist kein Altstadtfest, wo man an Bierbänken sitzt und bewirtet wird. Es ist kein normaler Sommerabend, an dem man durch die Stadt schlendert und vielleicht hier und da ein paar bekannten Gesichter im Straßencafe entdeckt. Alt und Jung sitzen bunt gemischt, jeder hat Verpflegung und Getränke nach eigenem Gusto dabei. Einige Picknicker bringen blütenweiße, romantisch verspielte Tischdecken mit, andere bunt karierte, wieder andere gar keine. Viele sind ganz dem Anlass angepasst, haben eine komplette Geschirrausstattung zum Picknicken, Brotzeit, Salate, Obst, Brot, Auftstriche, alles selbst und liebevoll speziell für das Picknick gezaubert. Andere holen sich ganz einfach was, Pizza oder Döner oder was die Geschäfte in der Altstadt sonst so zu bieten haben. Es gibt gutes Festbier, aus Glas oder Fass. Wein. Und noch ganz viele andere alkoholisch hochprozentige oder ganz und gar alkoholfreie Getränke.
Die Einheimischen sind ausgestattet, bringen ihre Köstlichkeiten im Picknickkorb oder ziehen den eigenen Leiterwagen übers Kopfsteinpflaster. Je früher man da ist, desto schönere Plätze darf man frei auswählen. je später der Abend, desto weniger freie Plätze – über den schönsten Blick darf man ruhig streiten, denn die Landshuter Altstadt ist insgesamt einfach wunderschön. Der Ausblick also von jedem Picknickplatz schlicht atemberaubend und bezaubernd.
Man kennt sich – wer vorbeikommt wird mit einem fröhlichen Hallo begrüßt und eingeladen, sich dazuzugesellen. Auch, wenn man sich vorher nicht kannte. Alleine bleibt keiner lange, es geht gesellig zu, man kommt leicht ins Gespräch, wird gerne auf einen Happen eingeladen oder zumindest gibts einen Schluck zu trinken – am besten in den eigenen Becher! Und was ist das Programm? Das gerade ist ja das Tollste: es gibt keins! Man genießt den Abend, ganz einfach. Nicht mehr, nicht weniger. Man genießt gute Gespräche, köstliches Essen, ein kühles Getränk, die Gesellschaft – oder beobachtet in aller Ruhe das Treiben. Und bleibt einfach sitzen, solange man möchte, denn es ist Sommer. LaHo-Sommer. Den erlebt man nur alle 4 Jahre! Kein Wunder, dass es so viele Landshuter, die in der Zwischenzeit ganz woanders leben und arbeiten, alle 4 Jahre in die Heimat zieht. LaHo-Sommer, die gibts sonst nirgendwo.
In der Landshuter Altstadt wohnen viele Menschen, da die selber auf den Tribünen sitzen und erst spät nach Hause gehen gibts eine sehr humane Sperrfrist: zwischen 1 und 6 Uhr sind die Tribünen tabu. Damit geputzt werden kann. Das ist leider eine nicht so schöne Geschichte: die meisten Einheimischen nehmen alles, was sie mitgebracht und nicht verzehrt haben, also auch den Mülll wieder mit und hinterlassen die Tribünen ordentlich. Nur leider nicht alle. Und das ist nicht ok – vor allem im Hinblick auf die vielen Barfußlaufenden Mitwirkenden, die sich vor allem an Scherben ernsthaft verletzten können.
Ach ja, die Tribünenfeste finden wochentags statt, am Wochenende trifft man sich eher auf dem Zehrplatz. Und die bevorzugten Tribünen sind die in der Altstadt, nicht zu verwechseln mit der Neustadt, die auch mittelalterlich ist, aber jünger – UND: in der 2013 einige Baustellen sind, also nicht soooo eine tolle Aussicht.
Mehr Infos zur LaHo und auch übers Tribünenpicknick gibts beim lokalen Radiosender Radio Trausnitz im Landshuter Hochzeitsspecial oder unter Brauchwiki