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Das mit der Kräuterbutter

Gestern wurde ich von der bezaubernden Nichte sehnsüchtig erwartet. Und für mich wurde mit viel Liebe vorbereitet – Kräuterbutter. Selbstgemacht. 

Und da musste ich dran denken, was ich vor vielen Jahren für das Hochzeits-Kochbuch der besten Freundin geschrieben habe:

„Man sagt manchmal so ganz ohne Hintergedanken nette Sprüche wie „gerade in einfachen Dingen steckt besonders viel Liebe fürs Detail…“ und macht sich wenige Gedanken, dass gerade in so allgemeinen Aussagen sehr viel Wahrheit liegt. Ich bin nicht mehr ganz sicher, wann zum ersten Mal eine Kräuterbutter in unserem Hause zubereitet wurde. Ich weiß aber: das gab es nicht schon immer! Aber: seitdem wir Kräuterbutter kennen, ist sie nicht mehr wegzudenken. Und die ganze Familie bereitet sie ähnlich zu, mit vielen kleinen Variationen. Das Tollste an selbstgemachter Kräuterbutter ist: man weiß, was drin ist! 

Das Schöne an einem einfachen „Gericht“ ist schon im Prinzip, dass es einfach zuzubereiten ist, dadurch wenig Zeitaufwand dahintersteckt. Noch toller ist aber, dass man es auch sehr einfach variieren, Zutaten austauschen, andere Kombinationen probieren oder neue Zutaten dazu fügen kann. Witzigerweise kommt kaum jemand auf die Idee, bei den günstigen Fertigprodukten selbst Kräuterbutter zu machen, insofern ist es immer wieder
eine gelungene Überraschung. Und mal ganz ehrlich: das Geschmackserlebnis
spricht doch wirklich für sich? Ich wünsche guten Appetit!“

Unser Familienrezept:

Kräuterbutter

PS: Schmeckt auch super zu Fondue oder Raclette 🙂

 

Warten aufs Christkind

Wie auch immer man „es“ nennt, Weihnachtsmann, Christkind, Santa Claus … bei all den Geschichten um den Wunschzettel, den Glauben an eine Engels- oder Weihnachtswerkstatt geht es um den besonderen Zauber der Weihnacht, eine magische Zeit. Teresa Stiens schreibt auf ze.tt, warum es wichtig ist, Kindern die Geschichte vom Weihnachtsmann zu erzählen. Dem kann ich mich nur anschließen: ich glaube, dass das Warten aufs Christkind für Groß und Klein gut und richtig ist.

Immer mehr fällt mir auf, wie sehr wir in der digitalen Welt versinken, wie gewaltig uns Handy & Co. im Griff haben. Kaum mehr einer, der an der Haltestelle steht und einfach wartet, kaum mehr eine halbe Stunde ohne Blick aufs Gerät – das Smartphone verändert die Welt. Umso wichtiger, dass wir mit der Handykamera wenigstens die Magie der Vorweihnachtszeit festhalten. Oder?

Gestern haben die Nichte und ich beim traditionellen Feiertags-Spaziergang zu den Hirschen darüber philosophiert, wie es wohl ausschaut, das Christkind. Barfuß, mit einem weißen Kleid, das glitzert … irgendeine Freundin von ihr hat es wohl tatsächlich schon mal gesehen. Wow, das hat mich beeindruckt. Obwohl ich ja so viel älter bin, das Glück hatte ich nie. Und natürlich hab ich mir jahrelang die Nase am Fenster plattgedrückt, durchs Schlüsselloch geguckt, später im Haus an allen möglichen Verstecken nach den Geschenken gesucht, um das Märchen zu entzaubern …

In diesem Jahr hatte ich ja vor Weihnachten ein paar freie Tage und hatte etwas Zeit zum Lesen, dabei bin ich – leider weiß ich nicht mehr wo – über eine Geschichte gestolpert: eine Mama hat erzählt, dass ihr Vater früher sie und ihre Geschwister „eingepackt“ hat, am frühen Heiligabend, meist sind sie erst zu Fuß durchs Dorf gelaufen und haben neugierig in die Nachbarshäuser geschaut, ob das Christkind dort schon Spuren hinterlassen hat. Später sind sie oft im Auto weiter übers Land gefahren, überall neugierig um sich spähend, ob sie „es“ wohl entdecken.

Und wisst ihr was: das hab ich in den letzten Tagen auch ganz bewusst gemacht. Ich war viel im Auto unterwegs und habe mich aufmerksam umgeschaut. Und da war gerade in der Dämmerung viel zu sehen, vom Zauber der Weihnacht. So viele Lichter … schön ist sie, diese Stimmung allüberall. Und mir hat das Warten aufs Christkind in diesem Jahr ganz besonders viel Freude bereitet. Ich mag diese magische Zeit und bin froh, dass ich mir bis in unser digital regiertes Zeitalter ein klein wenig kindliche Fantasie erhalte, die es mir erlaubt, nicht nur zu glauben, was ich sehe oder googeln kann …

Heimatverliebt: Winterliches

Über den Winter in der Hallertau habe ich letztes Jahr schon im Rahmen des Schreibprojekts „Heimatverliebt“ ausführlich berichtet. Dieses Jahr ist mir ein Brauchtum in der Nachbarschaft begegnet, das ich aus Zeitgründen leider verpasst habe. Es ist aber so besonders, dass ich es ausdrücklich empfehlen möchte. In Fürstenfeldbruck, der Heimatstadt meiner lieben Arbeitskollegin und Freundin, basteln Kinder in der Vorweihnachtszeit Luzienhäusl.

Am Namenstag der heilgen Luzia am 13. Dezember werden die kleinen Kunstwerke alljährlich festlich beleuchtet auf der Amper zu Wasser gelassen. Den Brauch gibt es seit Jahrzehnten, es soll vor Hochwasser schützen. Und die ganze Stadt, groß wie klein, steht ehrfürchtig am Ufer und auf den Brücken – und freut sich über die hell leuchtenden Luzienhäusl, die eins nach dem anderen vorbeischwimmen.

Der BR hat einen schönen Beitrag dazu in seiner Mediathek.

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Jule lädt zum Schreibprojekt „Heimatverliebt“, dieses Mal passt mein Beitrag wieder zum Monatsthema „Winterliches in der Heimat“. Dabei werfe ich dieses Mal einen Blick in die Nachbarschaft, auf einen vorweihnachtlichem Brauch, der Kinderherzen höher schlagen lässt … Mehr Heimatliebe aus unterschiedlichsten Regionen findet ihr unter dem Suchbegriff „Heimatverliebt“.

Erbstück


Ich bin kürzlich über ein Thema gestolpert, ein Blog sucht nach einem Lieblingsstück, einem Erbstück, aus der eigenen Familie …
Hab ich, wenn auch ein ganz schön „Großes“, es ist mein bzw. unser Elternhaus. Denn genau das war ja die Intention, die hinter unserem großen Renovierungsprojekt steckte: den Eltern, meiner Tante, uns 4 Geschwistern und allen schon existierenden und noch kommenden Nachfahren das erhalten, was wir als Kinder einfach so hatten.

Es ist ein Haus mit Geschichte, wenn auch noch gar nicht so alter zu uns gehörender Geschichte. Mein Urgroßvater kaufte den vorherigen Besitzern das Anwesen ab. Das Ehepaar, das den Hof bis in die späten 1920er Jahre bewohnte, beschloss damals, anderswo neu zu beginnen. Übrigens gar nicht so weit entfernt, sie zogen lediglich etwa 20 Kilometer ins Ampertal. Für meinen Urgroßvater war es die Gelegenheit, mit seiner Familie fast ans elterliche Anwesen angrenzend, nur durch das Schulhaus getrennt, eine eigene Existenz, einen eigenen Hof aufzubauen.

Das alte wunderschöne Holledauer Haus mit Reetdach war allerdings zu klein, so kams, dass der gelernte Zimmermann 1927 (laut Tafel auf dem Dach in nur 3 Monaten) das neue Haus baute.
Ziemlich zeitgleich entstanden im Dorf weitere baugleiche Häuser, daher vermuten wir, dass die Dorfgemeinschaft zusammengeholfen hat.


Jeder beim anderen mitgearbeitet hat, ein Trupp, mindestens 2 Häuser, denn der Doppelgänger existiert bis heute unverändert.

Stabile Häuser, größer als die vorherige Bauweise, mit mehr Wohnfläche für Mensch und Tier, entstanden. Durchdachte Konstruktionen, das Fundament ein gemauerter und teils betonierter Keller, darüber eine Erd-Kies-Aushebung mit Holz- und Steinfußböden.


Eine solide, im Erdgeschoss sehr dicke, in den oberen Geschossen normale Außenmauer, das Hausinnere mit Holzkonstruktion, Zwischenböden, die Zimmerdecken mit Bast, damit sie verputzt werden konnten.

Über allem thront ein stolzer Dachstuhl – für die Ewigkeit gebaut, wie unser Experte meinte. Dessen Meinung hatten wir eingeholt, ehe eine Entscheidung für oder gegen eine Renovierung fallen konnte.

Ein neuer Dachstuhl hätte unsere Kosten mal eben verdoppelt … der Dachboden war Teil des bäuerlichen Lebens, er war als freie Lagerfläche fest eingeplant, so hatten wir früher an der Ostseite einen alten Lastenkran, mit dem schwere Säcke voll Hopfen oder Getreide nach oben gezogen wurden, um dort getrocknet oder einfach nur aufbewahrt zu werden. Bei der Renovierung hatten wir mehr als eine Wagenladung an alten Überresten aus den Zwischenböden zu entfernen … der Renovierung „zum Opfer“ gefallen ist leider eine alte Konstruktion: um schwere Säcke vom Kran zur Hopfendarre zu befördern hatten unsere Vorfahren Schienen mit Anhängern in die Decke des Zwischenbodens gemacht, so hievte man den Sack einmal hoch, festgemacht konnte man ihn bequem schieben. Wollte ich eigentlich erhalten, um schöne Lichterketten dranzumachen. Hätte ich lauter sagen müssen – haben die männlichen Familienmitglieder entsorgt.

Das Haus hat viele kleine Besonderheiten, die wir erhalten haben, der Keller ist teils gemauert, das Kellergewölbe ist schon betoniert.

Wir haben eine für bayerische Baiernhäuser typische Flez, einen großen Flur, im Erdgeschoss mit alten Sollnhofer Platten.

Im ersten Stock haben wir das große Korbfenster erhalten, die Altane aber vergrößert, sodass wir einen schönen Sitzplatz dazugewonnen haben.


Ebenfalls konnten wir beim Umbau die existierende Zimmerstruktur erhalten, die frühere Kammer im Erdgeschoss war schon Badezimmer, das haben wir jetzt größer und seniorengerecht gestaltet.

Wir haben die offene Struktur eines großen Einfamilienhauses erhalten, allerdings ist das Schlafzimmer meiner Eltern jetzt unten, so dass sie eine eigene Wohnfläche haben.

Der obere Bereich ist wie eine große WG, und so kann jedes von uns erwachsenen Kindern alles nutzen, wenngleich meist nur mein fest im Haus wohnender Bruder den vollen Luxus von 172 Quadratmeter Wohnfläche hat (und ihn, mal abseits der mindestens 4 offenen Zahnpastatuben, die er im Bad verteilt hat, mal mehr, mal weniger nutzt).

Er kümmert sich um alles, und so insgesamt ist diese familiäre Konstruktion so etwas wie unsere moderne, an die jeweiligen Konstellationen angepasste, Interpretation des traditionellen Mehrgenerationenmodells.

Es ist ein Erbstück, das unseren familiären Zusammenhalt repräsentiert, beim Umbau hat jeder angepackt. Es war ein großes Projekt – und gerade jetzt, bei den Hochzeitsvorbereitungen für den kleinen Bruder wird das noch mal so deutlich, wie stolz jeder von uns darauf ist, dass wir es so gemacht haben.
(Und wie sehr wir gewohnt sind, so viel Platz für alles mögliche zu haben: die letzten Wochen hingen überall getrocknete Blumen, wir haben für die Deko unterschiedlich große Flaschen gesammelt, Dosen, gerade lagern fast 30 frisch gebundene Buchskränze im Keller …)

Braut und Bräutigam werden die Nacht vor der großen Hochzeitsfeier bei uns verbringen und die Braut wird in einer ruhigen Ecke gestylt … wobei: die bezaubernde Nichte hat beschlossen, dass sie da auch dabei sein will. Vielleicht wird’s also gar nicht so leise😉/ Cordula sucht weitere Lieblingsstücke, bestimmt könnt ihr dazu auch eine Geschichte erzählen