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Schatz [*.txt]

„Hallo mein Schatz.“ Ich hab noch heute die Stimme im Ohr. Gruslig. Der Mann, Partner, Freund, Lebensabschnittsgefährte seit Monaten. Der sich vorher geschäftsmäßig mit vollem Namen und hochmotiviert am Telefon gemeldet hatte. Dann, nachdem er mich als Gesprächspartner ausmachte, dieses Kosedings. Dieses „bezeichnet werden“. Zugeordnet werden. Kategorisiert, klassifiziert. Trotz meines Widerwillens, meines eindeutigen Einspruchs und der Bitte, mich beim Namen zu nennen. Zumindest nicht „Schatz“ wollte ich sein. Weil dieses beliebige Kosewort war mir schon immer zuwider, nicht erst seit „Schatzi, schick mir dein Foto“ fühle ich, dass Schatz jeder und jede ist ….

Irgendwann hab ich – da waren wir längst glücklich getrennt – mal einen Gedanken verschwendet, darüber zu grübeln, was das war, dieses mich gruseln. Dieses Nicht-Schatz-Sein-Wollen. Die Erkenntnis, dass es keinen Unterschied machte, mit wem er sprach? Dass ich genauso beliebig wie jeder andere in seinem Leben mit der gleichen oberflächlichen Aufmerksamkeit gestreift wurde, die gleiche schnelle Begeisterung abbekam? Denn daran ändert auch ein Titel nix. Bin sehr zufrieden, kein „Schatz“ zu sein.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 10. Wort lautet „Schatz

Berg [*.txt]

Bergwelt.

Eins. Der Berg Arbeit, der vor uns liegt. Berge von Wäsche – waschen und bügeln. Ein Berg von Aufgaben auf dem Schreibtisch, der sich nicht von selbst erledigt. Ein Berg von To Dos auf der Liste, alle Prio 1 . Ganze Berge von Essen auf dem Tisch, so viel übrig … Berge von Freizeit? Berge von Spaß? Nö, zu viel zu tun, zu niedrig die Lust.

Zwei. Ganze Berge von Müll, an Land und zu Wasser. Werden nicht kleiner, bauen sich nicht ab. Keine Berge, auf die wir klettern wollen. Keine Berge mit atemberaubenden Ausblicken. Überflüssige Berge.

Drei. Kommen wir noch mal zu Freizeit. Spaß. Erholung. Selten, aber wenn es in die Berge geht, dann tut das immer so unendlich gut. Frische Luft. Ausblicke, die Herz und Seele streicheln. Und wie gut das schmeckt, wenn man vorher eine Anhöhe erklommen hat. Wie gut man schlafen kann, wenn man vorher etwas gekraxelt ist …Wertvolle Berge.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 2. Wort lautet “Berg”.

Nichtsdestotrotz [*.txt]

Gibt ja so Begriffe, die uns selbstverständlich über die Lippen gehen. Oft gehört, vielleicht auch oft genutzt. Aber was sie bedeuten? Oder besser: ob wir sie richtig verwenden? Oder noch besser: was sich der Erfinder wohl dabei gedacht hat? Man nehme ein Wort und analysiere es: nichtsdestotrotz. Bedeutet dennoch. Trotzdem. Warum verwende ich stattdessen nichtsdestotrotz? Weil es sich so nett anhört? Aber irgendwie auch ein bisschen falsch. Oder? Wie war das mit dem desto? Korrekt verwendet müsste doch nach desto eine Steigerung folgen, also bspw. Je mehr Licht desto heller. Oder je mehr Auswahl desto vielfältiger. Oder je höher die Berge, desto weiter der Ausblick … Also nicht, desto hell, desto hoch, desto weit. Warum also bitteschön nicht „nichtsdestotrotzer“? …
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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 1. Wort lautet “nichtsdestotrotz”.

Musik am Mittwoch: Nur ein Lied

Wenn die Einnahmen eines Liedes für „Save the children“ gespendet werden finde ich das gut. Wenn ein Musiker dazu seiner Emotion Ausdruck verleiht und es ihm gelingt, den richtigen Ton zu treffen, auch. Kann aber noch übertroffen werden, wenn der Musiker Begleitung bekommt, durch ein großes Orchester, Streicher, Bläser, so ein Arrangement kann Musik noch mal eine ganz andere Tiefe verleihen. Für mich sehr gelungen, diese Version von Alex Diehls „Nur ein Lied“.