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Lichtblick [*.txt]

An meinem vorletzten Arbeitstag war’s, da musste ich ehrfürchtig staunen.

Fast viereinhalb Jahre lang bin ich jetzt wochentags aus der Stadt hinaus gependelt, ins Freizeitparadies an den Ammersee. Als Berufspendler sieht man davon nicht viel, knapp 30 Kilometer auf der Autobahn, die letzten 25 Kilometer fährt man auf die Berge zu. Wenn sie denn zu sehen sind, denn der Ort Diessen hat seinen Namen meiner Meinung nach vor allem deshalb, weil sich die meisten Tag im Jahr eine „diessige“ Wolkendecke über das südliche Seeufer legt. Den durchaus motivierenden Bergblick gabs definitiv zu selten …

Dann also der vorletzte Tag: morgens auf dem Arbeitsweg eine glasklare Panoramasicht. Jeder einzelne Gipfel, gefühlt jede schneebedeckte Felsspalte war so deutlich zu sehen. Im Lauf des Tages gabs einen Wetterwechsel. Eigentlich waren die Berge wolkenverhangen. Aber gegen kurz vor Arbeitsschluss hab ich es erlebt, das berühmte Alpenglühen. Wow.

Entgegen der Ansicht der Noch-Kollegen – schon schön bei uns hier am See, jetzt würdest du wohl am liebsten bleiben … – interpretiere ich es für mich als Zeichen. Dass meine Entscheidung richtig ist, ein Lichtblick …


Schreiben – lesen – konTXTualisieren: das 3. Wort im kreativen Schreibprojekt Projekt.txt für 2018 lautet: Lichtblick.

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Spruch zum Wochenende: In the end

“You can close your eyes to the things you do not want to see, but you cannot close your heart to the things you do not want to feel.” (Chester Bennington)

Es bleiben Worte, und Musik …

Schatz [*.txt]

„Hallo mein Schatz.“ Ich hab noch heute die Stimme im Ohr. Gruslig. Der Mann, Partner, Freund, Lebensabschnittsgefährte seit Monaten. Der sich vorher geschäftsmäßig mit vollem Namen und hochmotiviert am Telefon gemeldet hatte. Dann, nachdem er mich als Gesprächspartner ausmachte, dieses Kosedings. Dieses „bezeichnet werden“. Zugeordnet werden. Kategorisiert, klassifiziert. Trotz meines Widerwillens, meines eindeutigen Einspruchs und der Bitte, mich beim Namen zu nennen. Zumindest nicht „Schatz“ wollte ich sein. Weil dieses beliebige Kosewort war mir schon immer zuwider, nicht erst seit „Schatzi, schick mir dein Foto“ fühle ich, dass Schatz jeder und jede ist ….

Irgendwann hab ich – da waren wir längst glücklich getrennt – mal einen Gedanken verschwendet, darüber zu grübeln, was das war, dieses mich gruseln. Dieses Nicht-Schatz-Sein-Wollen. Die Erkenntnis, dass es keinen Unterschied machte, mit wem er sprach? Dass ich genauso beliebig wie jeder andere in seinem Leben mit der gleichen oberflächlichen Aufmerksamkeit gestreift wurde, die gleiche schnelle Begeisterung abbekam? Denn daran ändert auch ein Titel nix. Bin sehr zufrieden, kein „Schatz“ zu sein.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 10. Wort lautet „Schatz