Schlagwort-Archive: telefon

„Du musst heute jeden Monat neu telefonieren lernen …“

Die WDR Ladies Night, eine Quelle der Inspiration. Da wirbeln  Gedanken. Feine Ironie wechselt mit offenem Zynismus. Auf der Bühne Frauen aus allen Lebenslagen und -altern. Und meist treffen ihre Pointen sehr meinen Humor. Hier sinniert auf ihre ganz eigene faszinierende Art Frieda Braun über Begriffe rund ums Telefon – und ich kann so mitsinnieren, denn: meine Patenkinder wissen nicht mehr, was eine Wählscheibe ist und wie – oder vielleicht noch besser warum – man bitteschön einen Hörer auf eine Gabel legen könnte… 😉

Kunst ganz spielerisch

Telefonat mit der bezaubernden Nichte, sie arbeitete vor und während des Gesprächs an einer riesengroßen Zeichnung:

Nichte (beschreibt): Auf dem Bild ist ein Bauernhof, und eine Bank, und ein Bach. Und du sitzt und der Opa steht neben der Bank.

Ich: Aha, und wo bist du?

Nichte: Ich hab mich versteckt, ihr müsst mich doch suchen …

Abhörsicher durch Dialekt

Mädels-Bürodiskussionsrunde an einem Freitag Nachmittag.

Kollegin 1: „Ich meld mich bei Faceb**k ab, jetzt ham die auch noch WhatsApp, da wissen DIE ja alles über mich …“

Kollegin 2: „Was machst du denn auf Faceb**k und WhatsA**, was DIE nicht wissen sollen? Und: Wer sind denn DIE?“

Kollegin 1: „Ja, ähm…“

Kollegin 2:“Und glaubst du echt, dass du so spannend für DIE bist?“

Ich: „Dazu muss ich eine gute Freundin zitieren: wenn DIE unbedingt zuhören wollen, dann sollen DIE sich ruhig den ganzen Scheiß anhören, den ich so am Telefon verzapfe …“

Kollegin 1.“Hm, ….“

Eben kam Kollegin 2: „Heute ist doch Tag der Mundart, wir sollten einfach alle krass Dialekt sprechen und schreiben, dann tun DIE sich echt schwer mit der Übersetzung?“

Dazu gabs schon mal einen Artikel – ich find die Idee gar nicht mal so übel 😉

99. Geburtstag

Heute ist der 99. Geburtstag meiner Oma. Würde sie noch leben wäre heute die Bude voll, die ganze Großfamilie und sicherlich ein paar Repräsentaten der örtlichen Polit-Prominenz. Ist ja gerade Kommunalwahlkampf. Kann mich an einen der letzten Geburtstage erinnern, es muss wohl der 90. gewesen sein? Ein Geschenkkorb nach dem anderen. Ihr Kommentar war nur, dass sie das alles gar nicht wolle, auch nicht die vielen Blumen. Und sie saß dann etwas missgelaunt inmitten ihrer Gästeschar, viele, die sie nicht (mehr er)kannte. Nur bei einigen wenigen Gästen, da hat sie sich gefreut. Über ihren alten Schulfreund, der zum Ratschen vorbeigekommen ist. Und über ihre Schwester. Und den Herrn Pfarrer.

Mir schwirrte heute morgen beim Aufstehen die Frage durch den Kopf, was sie, die so viel in ihrem Leben erlebt hat, wohl von Dingen wie WiFi, Mobilfunk & Sozialen Netzwerken halten würde. Sie war eine sehr kluge Frau, gebildet, konnte im hohen Alter noch Gedichte aufsagen, die sie als Kind gelernt hatte. Sie hat während zweier Weltkriege gelebt, ihre Mutter früh verloren, wurde vom Vater sehr streng erzogen, war Teil einer großen Geschwisterschar. Von denen 4 zusammenblieben, nicht heirateten oder wegzogen, sondern zuhause gemeinsam den Hof bewirtschafteten. Sie selbst hat meinen Opa nach seiner Rückkehr aus dem Krieg geheiratet und zwei Kinder bekommen. Wohnte nur 15 Minuten Fußweg bergauf von ihrem Elternhaus. Das sie gerne und oft besuchte. Eigentlich jeden Sonntag hat sie uns Enkelkinder eingepackt und ist mit uns die Großtanten und -onkeln besuchen gegangen. Das war ihr soziales Netzwerk, persönlich gepflegt. Das Telefon war ihr zeitlebens suspekt, nur, wenn sie auf Kur war, dann hat sie das schon ganz gerne mal in die Hand genommen. Für kurze Anrufe, ist alles in Ordnung, geht es allen gut. Gut.

Die Kriegsgeneration hat viel erlebt. Aber wenig darüber gesprochen. Wäre das anders gewesen, hätten Sie Internet, Chatfunktionen, Blogs, etc. gehabt? Es gibt einige wenige, die ihre Erinnerungen zu Papier gebracht haben. Aber die große Masse hat es vorgezogen, zu schweigen. Ich vermute, um den Ängsten, dem Grauen, dem Erlebten eine Grenze zu setzen. Sobald man darüber spricht werden Erinnerungen wieder lebendig. Und die Generation meiner Oma wollte das nicht noch mal und noch mal und noch mal durchleben. Jeder hatte seine eigene Geschichte. Und manchmal finde ich schade, wie wenig ich von ihrem Leben weiß. Weil sie vorgezogen hat, nicht viel zu erzählen. Ich akzeptiere, dass sie in der Gegenwart gelebt hat, statt in der Vergangenheit …