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Die große Cousine

Am Sonntag war die bezaubernde Nichte bei ihrer Cousine Marie eingeladen. Eigentlich bei der ganzen Familie, Tante, Onkel, Cousin – aber entscheidend ist, dass sie endlich mal wieder mit ihrer großen Cousine Zeit verbringen durfte. Wenn ich so nachdenke, höre ich eigentlich jedes Mal, wenn wir uns sehen, von Marie. Die Erzählungen sind allumfassend, meine Nichte findet ihre große Cousine tolltolltoll. Sie ist auch quasi immer dabei: Spielen wir Lego und bauen einen Bauernhof, dann ist eine reitende Spielfigur Marie. Setzen wir eine Mütze auf, dann nur die mit den bunten Streifen, die ist nämlich von Marie. Wenn wir uns in die Luft radelnd aufs Bett legen (tolle Erfindung der Tante, auf die ich total stolz bin, denn das kann man stundenlang spielen und es wird niemals nicht langweilig) und einen imaginären Ausflug unternehmen, wen holen wir als Erstes ab …? Richtig: Marie. Irgendwie schon toll, wie diese „große“, weil doppelt so alte, Verwandte grade die Gedanken der kleinen Dame beschäftigt?

Und ich kann mich erinnern: obwohl wir ja mehr als eine  Cousine haben fanden auch wir Schwestern im Kindesalter zwei unserer „großen Cousinen“ ganz schön toll. Bei Besuchen haben wir uns ihnen an die imaginäre Rockschürze geklemmt. Und haben mit Sicherheit genau so oft von ihnen gesprochen und erzählt, wie eben jetzt meine Nichte. Witzig, wie sich das wiederholt …

Mensch ärgere dich nicht

Leichter gesagt, als getan: nachdem ich seit einigen Wochen wieder das Gefühl habe, dass ich in meiner Wohnung nicht immer Warmwasser und vollen Wasserdruck habe, heute morgen in einem – nach einigen Minuten dann erfreulicherweise zumindest – lauwarmen Rinnsal geduscht habe UND mein Geschirrspüler kein heißes Wasser produziert, mein Geschirr ergo schmutzig bleibt … war die Zeit reif, meinen Vermieter anzusprechen. Kurzer Exkurs: ich hatte in den letzten Jahren immer wieder Probleme mit Wasser. Das gipfelte in morgendlichen Duschen, bei denen das Wasser innerhalb einer hundertstel Sekunde von warm auf eiskalt, brühend heiß, dann wieder kalt schaltete. Nicht sehr angenehm? Hat mir im November auch eine bös expoldierte Ader im Auge beschert. Also kontaktiere ich vormittags meinen Vermieter, schildere meine Probleme und biete an, ihn bei der Lösung des Problems konstruktiv zu unterstützen, wo ich kann. Seine Reaktion: „Liegt nicht nur an den Wasserhähnen, die vielleicht verkalkt sind?“ … Ja, nein, sehr gerne werde meinen Abend damit verbringen, das gründlich zu überprüfen. Mensch ärgere dich nicht …

Wann hab ich das eigentlich zum letzten Mal gespielt? Sollte ich vielleicht heute abend dann nach dem Check machen. Da kann man sich so herrlich aufregen, lachen, über sich selbst, über andere. Welcher Typ seid ihr? Gewinner oder Verlierer? Locker oder relaxed? Ich bin Spieler, will zwar gewinnen, wenn ich keine Chance sehe habe ich aber schon längst mit der aktuellen Runde abgeschlossen. Und bin gedanklich weiter, in der nächsten Chance. Als Kind kann ich mich erinnern, dass meine Schwester durchaus mal das Brett vor lauter Wut leergefegt hat, wenn jemand anderes gewonnen hat. Mensch ärgere dich nicht hat übrigens Geburtstag, eigentlich ein guter Anlass, das mal wieder aus dem Schrank zu holen, oder?

Ach ja: Rinnsal sei Dank hab ich heute einen total verkorksten Bad Hair Day – Mensch ärgere dich nicht?

Wenn Kinder wandern gehen

Wäre ich, als ich zwischen 7 und 12 Jahre alt war, begeistert gewesen, auf „den Berg“ zu gehen? Auf der Hütte schlafen? Ja! In einem Matratzenlager? Jaaaa! Und wie. Aber den Berg hochgehen, wandern, mal steil, mal mit Ausblick, mal ohne? Habe meine kleinen Mitwanderer letztes Wochenende immer mal wieder ganz aufmerksam beobachtet, da waren im Lauf des Tages so viele Stimmungswechsel. Am Anfang trotten alle mal los, nur wird das schnell langweilig. Soooo viel Abwechslung gibts dann am Berg nicht. Wir Erwachsenen lassen uns von einem idyllischen Bachlauf oder der Romantik schon mal zu einem Seufzer hinreißen. Für die Kids? Ja, ein schneller Blick zum Abschätzen wird schon hingeworfen – aber kann man mit dem Bach irgendwas machen? Anstauen, Steine werfen oder wenigstens drüberhüpfen? Nein? Nicht interessant. Berge? Ausblicke? Sind doch hier überall …

Eine Bergwanderung ist für Kinder ähnlich wie eine Autofahrt, sie sehen nicht den Weg als Ziel, sondern wollen immer wieder wissen: „Sind wir bald da?“ bzw. „Wann sind wir (denn endlich) da?“ Und trotzdem haben es die sechs Kinder vergangenes Wochenende scheinbar mühelos geschafft, die Wanderung in den dafür angesetzen 3,5 Stunden zu bewerkstelligen. Alle sind, manchmal etwas maulig und bockig, die meiste Zeit aber ganz selbstverständlich auch an den steilsten Stellen immer munter vorwärts getrabt. Und ich muss sagen: ich bin im Lauf der 2 Tage ein großer Fan dieser Kindertruppe geworden. Sie haben selbst den Abstieg im Regen problemlos geschafft. Wirklich toll.

Einige Dinge habe ich gelernt:

  • mit Kindern muss man viel Essen dabei haben, am besten alles in Happen vorbereitet, also Brotscheiben, Wurstsemmeln, Käse in Verzehrgröße, damit es direkt in den Mund geschoben und gegessen werden kann
  • Wasser ist kein Kinderdurstlöscher (igitt!) am Berg, Saftschorle dagegen gerne
  • Kinder scheinen keine Angst und keine Gefahr zu kennen, solange die Eltern dabei sind, würden sie überall hingehen. Wenn man wie ich unter Höhenangst leidet gibts oft kleine Schrecksekunden, weil eines der Kinder kurz ins Rutschen kommt. Sie fangen sich, schütteln sich ab und gehen unbeschwert weiter (Höhenangst scheint so ein Erwachsenending zu sein? Auch wenn ich mich schon als Kind erinnern kann, dass ich nicht soooo gern auf den höchsten Ast am Baum klettern wollte?)
  • Hunger ist relativ: auch wenn die Kids den ganzen Tag vor sich hin gegessen haben: den Apfelstrudel auf der Hütte haben alle bis auf den letzten Krümel verdrückt. Als später eine Brettljause am Tisch stand hat die tobende Schar sogar freiwillig die geheiligte, da erwachsenenfreie, Spielzone in unserem Matratzenlager verlassen, sich strategisch um unseren Tisch versammelt und alles aufgefuttert (und das, wo gar keiner Hunger hatte?). Auch das Mittagessen sollte ja auf Kinderwunsch ausfallen, weil alle nur heim wollten. Das wäre beinahe auf einen Im-Auto-Sitzenbleiben-Streik hinausgelaufen. Im Gasthof haben sie brav geordert – und hungrig aufgegessen. Vor allem das köstliche Stück Sachertorte, das der lautstärkste Streikforderer bestellt hatte, wurde genüsslich verzehrt und auf der Heimfahrt in höchsten Tönen gelobt 😉
  • auch Kindern hilft es, unterwegs öfter mal die Begleitperson zu wechseln, nicht immer neben dem gleichen Spielkameraden zu laufen. So bietet sich etwas mehr Abwechslung: der eine hat mehr den Blick für den Wegesrand, findet einen tollen Holzstab, mit dem man spielen kann, hat nur Blödsinn im Kopf. Die anderen tuscheln heimlich, darf aber keiner mitbekommen, wird trotzdem irgendwann langweilig. Dann sind sogar die eigenen Geschwister mal nicht peinlich, sondern man tröstet mal den kleinen Bruder oder fordert die große Schwester heraus.

Schade fand auch ich, dass wir abends alle zu müde für Stadt Land Fluss waren – beim nächsten Mal. Hoch und Heilig versprochen 🙂