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Musik am Mittwoch: Les chamins de l’amour

Wie wunderbar und facettenreich ist Musik, wie wandlungsfähig ist eine Stimme, wie viele Genres kann ein Mensch damit bespielen. Es fasziniert mich immer wieder, was Musiker „können“. Die große Sopranistin Jessye Norman war auch ein großartige Jazz-Sängerin, „Les chamins de l’amour“:

Mein Herz tanzt #11: Grazie Cecilia

Fast 24 Stunden später summe ich immer noch vor mich hin, beseelt und glückselig. Gestern war mein zweites „persönliches“ Treffen mit dieser fabelhaften Frau. Ein Energiebündel, das durch ihre Stimme so viel mehr transportiert, als bloße Töne. Ich durfte sie schon einmal vor vielen Jahren im Herkulessaal erleben, von damals kenne ich ihr Sprühen, sie nimmt ihr Publikum wahr, kommt uns nahe, interagiert mit uns …

Und erreicht mühelos jeden im Saal. Den Kritiker ebenso wie den Genießer, den Kenner ebenso wie den Zufallsbesucher. Lauschen ihr mit angehaltenem Atem – bei den leisen ebenso wie bei den starken Tönen. Zittern mit ihr, lachen mit ihr …Dabei hat sie eine Gruppe von Musikern, die den Vivaldi mit ihr zu einem Fest der Töne, der Tempi, des Miteinanders werden lassen … War. Das. Toll.

Ein neues Herzensstück hat sie mir gelassen, werde ich wohl noch oft anhören, so sehr hat es mich begeistert. Dass ich die Vier Jahreszeiten liebe habe ich, meine ich, schon mal geschrieben. Und gemeinsam mit den Musiciens du Prince hat meine Lieblingssängerin mit diesem Abend dazu beigetragen, dass ich einmal mehr von der Genialität und dem Facettenreichtum des Herrn Vivaldi begeistert bin. Seine Musik hat immer eine klare Melodie, geht dabei aber elegant und unglaublich stark um die Ecken, immer überraschend. Ich habe dieses Konzert im Münchner Prinzregententheater jeden Augenblick genossen – am schönsten waren die kleinen Überraschungen, das Strahlen, wenn sie durchs Publikum spaziert, Rosen überreicht bekommt, die Zugabe mit Wettstreit zwischen Stimme und Trompete … hach, die 3 Stunden sind verflogen, und ich wollte beseelt nach Hause eilen …

Das hat der MVV einmal mehr unmöglich gemacht, seit heute Nacht hat der öffentliche Nahverkehr in München ein weiteres Kapitel in meinen Episoden, die die Welt nicht braucht, randvoll gefüllt. Aber: ich spar mir das Meckern. Hab ich beschlossen. Grazie Cecilia ❤

Spruch zum Wochenende: Löwenstark

„Wenn ich so über mein Leben nachdenke, glaube ich nicht, daß ich ein hohes Alter erreichen werde. Aber ich würde lieber einen Tag wie ein Löwe singen, als hundert Jahre wie ein Schaf.“ (Cecilia Bartoli)

Ich freu mich so darauf, heute Abend dem Löwen in ihr zu lauschen. Hach.

Das mit Mozart

Als der Chor, in dem ich jetzt seit einem Jahr wieder öfter mitsingen darf, anfragte, ob ich auch dieses Jahr könne und Lust auf Mozart habe, sagte ich mit Freuden zu. Und studierte eifrig meine Duettpassage im „Suub tuum praesidium“ (KV 198 158b) ein – den Tenor. Gar nicht so leicht, wenn man vor Jahren den Sopran sang und immer eher noch die Läufe meiner Duettpartnerin im Ohr hat?

Sicher dagegen war ich mir, dass ich die Missa brevis in welcher Tonart auch immer „drauf habe“. Hab ich, aber die Loretomesse (in B, KV 275) mit der Spatzenmesse (in C-Dur, KV 220) verwechselt hab ich zudem. So kams, dass ich nach der Generalprobe Freitag doch noch unter Druck kam und mir in ein paar Stunden unzählige Passagen eintrichtern musste, denn so sicher war ich dann doch nicht an ganz schön vielen Stellen … so ein bisschen Druck schadet aber nicht und alles war theoretisch gut machbar.

Dass mich das Sommerohr dieses Jahr schon im Mai ereilt war dann aber praktisch hinderlich, war Samstag sogar beim hausärztlichen Notdienst (den zum Glück neuerdings auch in den umliegenden Landkrankenhäusern zu finden ist), um mir die Heilsalbe mit Breitbandantibiotikum verschreiben zu lassen. Ist ja nicht mein erstes Mal Ohrenentzündung, da brauchts keine Experimente. So hab ich immerhin auf dem linken Ohr gehört (beim Singen ist das Hören ja nicht ganz unerheblich), rechts hat während der Aufführung immer wieder geploppt, dafür war’s ganz ok.

Unerwartet für mich war, dass bei den Namen der Verstorbenen, für die im Gottesdienst besonders gebetet wurde, unsere kürzlich verstorbene Chorfreundin an letzter Stelle kam, nach dem Duett flossen die Tränen – Musik setzt Emotionen frei, die man längst „unter Kontrolle“ wähnte …

Der Herr Mozart wär mir sicher mit seinem „Schneizhadern“ zu Hilfe geeilt und hätte mich galant getröstet? Ist ihm auch so durch seine Musik gelungen …