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Das mit der Kommunikation

Könnt ihr euch erinnern, dass ihr früher für Oma, Opa, Tante, Onkel, … Bilder gezeichnet habt, die dann in einen Umschlag gesteckt und mit der Post verschickt wurden? Gibts das heute noch? Weil ich bekomm von der Nichte immer öfter „selbstgeschriebene“ Nachrichten per Smartphone – und so sieht das beispielsweise aus:

Oder so:


Und wer fragen wollte: ja, das erzählt hin und wieder auch eine erlebte Geschichte, oder Wünsche, oder so. Und dauert, bis das geschrieben ist, weil jedes einzelne Motiv wird sorgfältig ausgewählt und die Anzahl genau abgestimmt, „nein, noch einmal, oder noch eins, ja, jetzt passt das.“ Jawoll!

Willkommen in meiner Welt

Das Handelsblatt widmet der SMS einen etwas „traurigen“ Artikel als Geburtstagsglückwunsch – die SMS wird dieser Tage 20 Jahre alt, was war eigentlich davor? Und was kommt danach?

Also liebe Kinder von heute, damit ihr uns verstehen könnt muss ich einfach mal kurz loswerden: ich bin großgeworden in einer Zeit, in der es nicht selbstverständlich war, ein Telefon zu Hause zu haben. Es gab Telefonzellen (gelb) mit Münzfernsprechern, viele Haushalte hatten schon einen Telefonapparat. Aber Telefonieren war Luxus, teuer und keiner hätte je damit gerechnet, dass mal jeder ein Mobiltelefon haben würde. Wenn wir uns als Kinder verabredet haben dann sind wir einfach pünktlich oder zu spät gekommen, ohne noch schnell anzurufen. In meiner Teenagerzeit war „Texten“ Zettel, die man sich heimlich zugesteckt hat oder in der Klasse hin und hergeschrieben/gegeben hat, weils gerade langweilig war. Wenn man jemanden gut fand, dann musste man ihn ansprechen, oder seinen besten Freund, oder so – auf jeden Fall hatte Kommunikation nichts mit „Textnachrichten schreiben auf einem Telefon“ zu tun.

Dann hatten wir die ersten Mobiltelefone, aber das war wirklich nur zum Telefonieren und Textnachrichten schreiben. Und wir haben uns bemüht, maximal 1 SMS zu schreiben, denn die waren richtig teuer. Wir haben eine Entwicklung mitgemacht und uns daran gewöhnt, das Handy gehört dazu, wir geben telefonisch Bescheid, dass wir uns verspäten, fragen aus dem Supermarkt, was wir einkaufen sollen, nutzen Pausen, um zu telefonieren und und und. Und aktuell ist ein Leben ohne Smartphone für viele nicht mehr vorstellbar. ABER: wir hatten eine Zeit ohne. Und die war auch gut. Für uns ist es nicht selbstverständlich, dass es heute WhatsApp und Facebook gibt. Wir sind dabei und lassen uns mitnehmen – die Frage ist nur: was wird sein, wenn ihr mal in unserem Alter seid? Das ist echt spannend? und ob es uns dann so gehen wird, wie vielen unserer Eltern, die sich zwar systematisch herantasten, aber dennoch an manchen Stellen einfach aufgeben und sagen: das geht auch ohne?

Mal sehen? Bin gespannt auf eure Sicht der Welt 🙂

PS: Ich hab übrigens eine Erinnerung an meine Teenagerzeit, im Bild vier Freundinnen in einer Telefonzelle. Münzgeld zum Nachwerfen auf den Telefonbüchern und eine von uns ruft bei der Mama eines Jungen an, den eine andere von uns gerade nicht mehr gut fand. Und fragt nach einem anderen Jungennamen – als die Mutter mehrfach verneint und auflegt argumentiert sie schließlich: „Ich muss den aber echt dringend erreichen, ich … also … es ist nämlich … also der muss das jetzt schon wissen … also … da ist nämlich was passiert … und ich weiß jetzt nicht …!“ Die Mutter hört jetzt doch etwas genauer hin und schimpft dann los: „Das ist doch der Gipfel, jetzt gibt sich der als ein anderer aus, das nenn ich Freundschaft, na dem werd ich was erzählen …!“ und erklärt uns, dass sich wohl ein guter Freund einen schlechten Scherz erlaubt hat und sie das jetzt in die Hand nehmen wird … und dann müssen wir leider prustend auflegen, denn den anderen, den sie verdächtigt, kannten wir natürlich auch. Das war legendär und wir mussten wochenlang kichern, wenn wir den einen oder den anderen getroffen haben …