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Autobahnerlebnis

Gestern auf der Autobahn hatten wir ein Naturerlebnis: auf der Fahrt Richtung Heimat waren wir erst von Ost nach West unterwegs, hinter uns eine schwarze Wolkenwand, vor uns blauer Himmel. Nicht ganz blau, sondern ein Blau mit rosa Schimmer. Mein Blick nach vorne in Kombination mit den Rückspiegeln fast unwirklich. Dann haben wir die Autobahn in Richtung Süden gewechselt, hinter uns blauer Himmel, durchzogen von ein paar Wölkchen. Über und rechts von uns strahlender Sonnenschein. Scharf Links von uns die schwarzen Wolkenberge. Fast unwirklich die regennasse Fahrbahn, nicht nur etwas nass, sondern so viel Wasser, dass es wie Gischt hochgespritzt ist, aufgewirbelt von den Fahrzeugen. In Fahrtrichtung ein gleißend heller, fast nicht zu durchschauender Wassernebel. Irisierend im Gegenlicht der herbstlich tiefstehenden Sonne, im Seitenspiegel hatte ich immer wieder kleine Regenbogen. Schön, auf besondere Art und Weise zauberhaft. Aber auch gefährlich, denn es gibt Autofahrer, die lichtlos durch diese ohnehin schon schwer einsehbare Fahrtsituation geistern. Und die Blinker und ohne Blick in Rückspiegel oder Schulterblick Spur wechseln.
Wir sind sicher durch dieses Autobahnerlebnis gefahren und Heil zu Hause angekommen. Und ich hab immer noch diese wirklich seltenen Bilder im Kopf.

Lieber BMW-Fahrer, der gerade in die Münchner Innenstadt fährt:

Der morgendliche Weg in die Arbeit. Kein Zuckerschlecken, vor allem, wenn wir Autofahren. Ich habe also durchaus Verständnis für die ein oder andere Eigenart im Fahrstil jedes einzelnen mich umgebenden Autofahrers.

Ich kann akzeptieren, dass Sie weder einen Rück- noch Seitenspiegel nutzen, dass Sie so vom Verkehr neben und hinter sich nichts ahnen – auch wenn ich es nicht besonders gut finde, dafür bin ich umso aufmerksamer. Ja, ich und die meisten anderen Fahrer nehmen Rücksicht, auch oder vor allem auf Autofahrer wie Sie. Ich kann akzeptieren, dass Sie einen Sicherheitsabstand zum Fahrzeug vor Ihnen halten, auch wenn das an der stehenden Ampel zwei Autolängen sind. Das mag für Sie der angebrachte Abstand sein. Vielleicht ist es tatsächlich sicherer, wenn Sie nicht näher auffahren? Für das vor Ihnen stehende/fahrende Auto? Hm. Was ich gerade noch verstehe, ist, dass Sie mit Ihrem Fahrzeug größerer Bauart auf einer zweispurigen Straße stadteinwärts gut über der Linie zur nächsten Spur fahren, ist halt etwas breiter? Und wahrscheinlich fühlen Sie sich so sicherer, mit viel notwendigem Abstand zur bedrohlichen Bordsteinkante. Gut: neben der Spur des neben Ihnen fahrenden Autos sind geparkte Fahrzeuge. Aber klar, Sie wissen ja auch gar nicht, dass neben Ihnen kein Auto fährt, weil Sie ja nur noch vorne blicken. Alles klar!

Aber: dass Sie im fließenden Verkehr freihändig fahren, um sich mit Blick in den Rückspiegel zu kämmen und mit der anderen Hand noch mal drüberzustreichen? Nein, das akzeptiere ich nicht. Es kann sein, dass, als Sie ihren Führerschein gemacht haben, weniger Verkehr war, dass Sie sich als sicherer Fahrer fühlen, vielleicht fallen Ihnen noch viele andere Begründungen ein? Die akzeptiere ich alle nicht, denn ich muss mit Ihnen auf denselben Straßen unterwegs sein. Und fühle mich nicht sicher, im Gegenteil: ich fühle mich durch Sie massiv gefährdet. Sie haben eben nicht mal wahrgenommen, dass ich da war, neben Ihnen, versucht habe, Sie auf mich aufmerksam zu machen …

Ich wünsche Ihnen gute und sichere Fahrt – und hoffe, dass ich mir Ihr Kennzeichen merke, denn ich werde Ihnen in Zukunft weiträumig ausweichen