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Rechenaufgabe

Mein Bewegungsdrang wird aktuell ärztlich verordnet eingeschränkt, statt mich selbst zu bewegen werde ich bewegt. Von Therapeuten. Damit mein an einigen Stellen schmerzender Körper bald wieder normal funktioniert. Schwimmen darf ich aber. Kein Hochleistungsschwimmen. Aber so ein paar Bahnen im Hotelpool eines niederbayerischen Hotels gehen allemal. Beim Schwimmen lasse ich gerne meinen Gedanken freien Lauf. Dieses Mal habe ich im Kopf viele Zahlen überschlagen: wie viele Bahnen muss man in einem 7 Meter langen (geschätzt) Pool schwimmen, um auf 100 Meter zu kommen? 500 Meter? 1000 Meter? Schafft überhaupt jemand, 1000 Meter in einem 7 Meter langen Pool zu schwimmen? Wie viele Menschen können in einem max. 4 Meter breiten Pool nebeneinander schwimmen? Kann man sich in einem 7 Meter langen und etwa 4 Meter breiten Pool ausweichen? Wenn ein Hotel ca. 100 Zimmer hat und einen Pool mit besagten Maßen hat, wie viele Gäste haben ergo keinen Platz im Pool? Wie viele Menschen können, wenn 3 Schwimmer im Pool sind, noch am Seitenrand entlang“schieben“ und ihre Übungen (oder was immer die da machen) machen? …
Gut, dass irgendwann die Sonne rausgekommen ist und ich einfach nur den Sonnenstrahlen zuschauen könnte, wie sie sich ihren Weg im Pool zwischen den mittlerweile vielen Menschen gesucht haben.

Kinderwelt

Wenn ich mal wieder fast 24 Stunden mit meinen Patenkindern zusammen bin fallen mir so viele „Kleinigkeiten“ auf, diese immensen Unterschiede zu uns Erwachsenen. Die kleine Welt ist so sehr im Hier und Jetzt, manchmal so eigenartig, gar nicht Erwachsenenlogisch auf Vergangenheit, Gegenwart, Zukunft ausgerichtet, dadurch schon mal voller Widersprüche in sich, und meistens doch ganz einfach:

  • Auch wenn man seine kleine Schwester abgöttisch liebt gibt es unzählige Situationen, in denen man egoistisch ist. Und sein will. Und in denen es definitiv das falscheste Argument ist, als Großer jetzt mal vernünftig zu sein.
  • Weinen ist oft Ausdruck von riesigem, individuell zu wertenden Unglück, manchmal aber auch einfach Zeichen für „grade eben war noch alles gut, jetzt muss ich irgendwie mit Heulen auf mich aufmerksam machen“
  • Als 3jährige hat man nicht das geringste Problem, minutenlang auf den Zehenspitzen zu stehen. Nicht zu balancieren und dabei zu kippeln, nein, einfach auf den Zehenspitzen stehen. Zum Beispiel beim Waschen und Zähneputzen. Oder beim Tanzen wie ein Schmetterling im Garten. Oder in den hochhackigen Schuhen der Mama, mit denen Mademoiselle besser laufen kann als ich. GNTM-verdächtig?
  • In einem Sandkasten sitzen 3 Kinder, es ist genug Spielzeug da. Allerdings will eine kleine Schwester trotzdem immer genau das, womit die anderen spielen. Und fühlt sich dabei vollkommen im Recht.
  • „In 10 Minuten“ oder jede andere Zeitangabe ist für Kids gut oder schwer aushaltbar, je nachdem, was gerade auf der eigenen Ideenliste steht. Wenn man Aufmerksamkeit braucht wird dieses „in 10 Minuten“ schon nach wenigen Sekunden hinterfragt. War das alles gar nicht so wichtig und ist in den nächsten Sekunde vergessen kann aus „in 10 Minuten“ auch eine Ewigkeit werden.
  • „Jetzt“ nach Hause zu gehen oder etwas zu beenden oder ins Bett zu gehen oder oder oder ist nur dann ein guter Plan, wenn es langweilig ist. Nur, weil es schon spät ist, das Spielen aber gerade so toll läuft, ist aber eine absolut nicht willkommene Unterbrechung.
  • Kinder sehen andere Dinge und nehmen andere Dinge wahr – wenn die große Freundin erklärt, dass sie beim Schwimmen kein Wasser in die Ohren bekommen darf bedeutet das noch lange nicht, dass man sie nicht tauchen darf. „Kannst ja die Ohren zuhalten….“
  • Liebe Eltern, wenn ihr euren Kindern verbietet, mit einem Strohhalm in einer Flasche zu blubbern, dann erklärt auch gefälligst die Konsequenzen: „Papa, das ist unfair. Du hast mir nicht gesagt, dass die Limo dann aus der Flasche rausspritzt, wenn ich Blubberblasen mache …“ Das gilt selbstverständlich für jedes Verbot, eh klar.
  • Mädchen sind anders, Jungs auch: was für mich und eine 3jährige ein wunderschönes Spiel ist ist dem 7jährigen viel zu langweilig. Die Frage ist an der Stelle dann eigentlich nur: wer motzt mehr? Denn da Erwachsene keine Lust auf motzende Kinder haben (zumindest ich) wähle ich den Weg des geschickten Ablenkungsmanövers, gar nicht immer so einfach, aber im Großen und Ganzen wollen wir ja viel schöne Zeit miteinander verbringen … oder?
  • Wenn mal ausnahmsweise die große Freundin da ist und man sich total freut, dann wacht ein 7jähriger um halb sechs auf, ist sofort in Plauderlaune und versteht nicht wirkllich, warum Erwachsene um diese Uhrzeit weder ansprechbar noch gut gelaunt sein können. Ist schließlich schon hell.
  • Schmeckt oder schmeckt nicht: auch wenn ein Kind mal was gerne mochte, kann sich der Geschmack ganz schnell verändern. Und während meines Besuchs in Franken saßen zwei verblüffte Eltern vor mir, weil ihre Kinder Dinge gegessen haben, die sie sonst nicht angerührt hätten. Meine neueste Erkenntnis bleibt aber: Mädchen so um die 3 essen gerne Butterbreze, es reicht ein kleines Stück Breze, aber viel Butter sollte es sein. Kann man so toll abschlecken 🙂iPhone_ 292
  • Erwachsene sehen in einem Garten die Blumen, die Farben, die Entspannungsmöglichkeiten, die Ruheoasen, einen herrlich angelegten Schwimmteich … Kinder? Haben dafür kein Auge, im Schwimmteich muss man schwimmen und toben, auf der Terrasse gibt es Schaukeln, im Garten gibt es geheime Verstecke, ein Trampolin, einen geheimen Gang (ja, ich musste mit, und nein, es war kein Gang, noch weniger ein Weg, an einer Stelle musste ich durchrobben, aber am Ende haben mich 2 strahlend blaue Augenpaare erwartet: „Jetzt kennst du unseren geheimen Weg!“iPhone_ 262
  • Wenn wir uns trennen ist der Große (7) immer sehr dramatisch: „Du sollst aber bleiben, immer, ich werd dich soooooooooooooo sehr vermissen“ – dieses Mal wurde er von der kleinen Schwester (3) getröstet: „Wir sehen die Doris doch schon ganz bald wieder, du musst nicht traurig sein“.

Die Welt ist ganz einfach und alles ist selbstverständlich so, wie Kinder es empfinden. Was wir Erwachsenen nur immer mit Erziehung wollen? Und überhaupt, was genau war jetzt noch mal die Trotzphase? Warum nenn ich euch beide eigentlich noch mal grade immer Motzkäfer …? Hab ich vergessen 🙂

Warum besondere Augenblicke immer schnell vorbei sind

So ist das doch immer, vor allem, wenn man sich auf etwas riesig freut: der Tag, die Veranstaltung, die Urlaubswoche, endlich da – und schon wieder vorbei. Kaum, dass man alles so richtig mitbekommt? Ich kann mich erinnern, wie ich als Kind meinen Geburtstag über Wochen und Monate herbeigesehnt habe: alle Geschenke nur für mich. Ein Tag, an dem sich alles nur um mich dreht. Je älter ich wurde, desto mehr Vorfreude. Je mehr ich wusste, was mich alles an diesem einen besonderen Tag im Jahr erwartet, desto wow. Und schon war der Tag wieder rum – und die 365 Tage Vorfreude waren wieder da.

Der erste Schultag, kaum, dass ich mich daran erinnern kann. Aber die Aufregung, die Erwartung war riesengroß. Und der Tag hat in meiner Erinnerung nicht mal den Bruchteil einer Sekunde gedauert. Alles war irgendwie vorbei, bevor ich es richtig aufnehmen konnte. Und schon war es der zweite Schultag, der dritte – irgendwann habe ich aufgehört zu zählen. Dann der erste Schultag am Gymnasium: auch nicht mehr Zeit, schon waren 13 Jahre Schule rum. Wie nervös ich an meinem ersten Tag an der Uni war, schon wars Gewohnheit. Plötzlich auch wieder vorbei. Der allererste Arbeitstag, der erste Kuss, das erste Mal, das erste Date, der erste Urlaub, undsoweiter undsoweiter.

Dabei müssten besondere Tage oder Situationen, auf die man sich so lange freut, doch eigentlich wenigstens genauso lange dauern, wie die Vorfreude. Oder?

Mittlerweile habe ich gelernt, dass Vorfreude etwas ganz Besonderes ist: ich genieße die Vorfreude, die Aufregung, die Nervosität heute fast mehr, als den Tag selber. Der ist ohnehin schnell vorbei. Aber die Vorfreude kann tatsächlich 365 Tage im Jahr einnehmen. Immer wieder ein kleiner Gedanke, ein paar Minuten träumen, was alles passieren könnte. Jedes Mal malt man sich den besonderen Tag etwas anders aus, das eine Mal vielleicht gar nicht sehr realistisch, eher im Schnellvorlauf. Das nächste Mal mit vielen Wiederholungen von Einzelsequenzen. Wie schön ist Vorfreude – sie kann irre lang andauern. Wenn ich mich auf etwas wirklich aus ganzem Herzen freue, es herbeisehne, dann gibts eigentlich kaum eine Wirklichkeit, die meine Vorstellungen übertreffen kann.

Aber manchmal eben doch, und dafür ist es jede Sekunde Warten wert. Das Schönste ist nämlich, dass es durch diese klitzekleine Unsicherheit gar nicht mal mehr so schlimm ist, wenn man sich mal sehr lange vorgefreut hat und der Tag/das Erlebnis dann viel zu schnell wieder vorbei war: es gibt entweder ein nächstes Mal oder eine andere Gelegenheit, die für alles entschädigt.

Liebe kleine Schwester, ich hab mich sehr gefreut, heute morgen mit dir zu telefonieren 🙂 Jetzt weiß ich, dass du aktuell schwimmst wie ein Fisch, dir Schwimmen soooooo viel Spaß macht – manchmal muss man einfach nur telefonieren, um die kleinen Dinge mitzubekommen und sich daran zu freuen? Wie spannend dein Leben ist, ich denke, du freust dich schon ganz doll auf das nächste Mal Schwimmen? 🙂