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Sonntagsfreude: Goldener Oktober

Wenn nach sternklaren Nächten in den frühen Morgenstunden Nebel durch die Täler wabert. Die Sonne dann so warm scheint, dass der Himmel klar, sogar glasklar strahlen darf. Mensch und Tier genießen diese Tage, verbringen viele Stunden draußen, tanken Vitamin D. Auf meinen sonst oft so einsamen Wegen begegne ich unzähligen anderen Spaziergängern, vor allem Pilzsuchern …

Ich werde heute wieder eine doch noch kleinere Runde drehen, der Husten sitzt hartnäckig in den Bronchien fest, ich hoffe weiterhin auf die vereinten Heilkräfte aller schleimlösenden Mittel mit Wärme und Sonne.

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.

Nostalgiemoment: Unterwegs mit Opa

Immer im Herbst, vor allem an „goldenen Oktobertagen“, erlebe ich „meinen“ Nostalgiemoment. Ich sehe mich förmlich als Dreikäsehoch. An der Hand meines Opas. Wir zwei gemeinsam unterwegs, über den Feldweg erreichen wir die nahegelegenen Wälder. Und dann immer der Spürnase nach …

Ich kenne nur einen Großvater, der Vater meiner Mutter ist vor meiner Geburt verstorben. Das hat „mein“ Opa durch unzählige Kindheitserinnerungen aber mehr als wettgemacht. Anders als für seine anderen Enkelkinder war er für mich unwahrscheinlich präsent, wir zwei mochten uns und das war für ihn wohl eine hochwillkommene Gelegenheit, etwas mit der Enkeltochter zu unternehmen. Ihr könnt euch nicht vorstellen, wieviel Spaß ich hatte, als Alibi. Denn tatsächlich war mir trotz meines Alters bewusst, dass er unsere Ausflüge der Oma gegenüber etwas anders darstellte, als das, was wir tatsächlich miteinander erlebt haben. 

Waren wir im Sommer stundenlang im Wald spazieren, so hieß das im Klartext, dass ich stundenlang im Planschbecken des nahegelegenen Schwimmbads sein durfte – er trank mit den anderen alten Herren unterm Sonnenschirm ein kühl(end)es Bier. Immer Weißbier, wehe, es gab keinen Schaum. Das Bild der Strohhüte und später auch Gehhilfen kann ich auf Knopfdruck in mir einschalten. 

Mit dem Auto wurden wir öfter einkaufen geschickt, das hat manchmal unerwartet lang gedauert, weil wir „noch weiter fahren mussten, weil die im Supermarkt kein Butterschmalz hatten …“. Und wir in echt in die Wirtschaft mussten, um eine Partie Karten zu spielen . Ich war übrigens immer die, die einspringen „musste“, wenn einer aufs Klo musste. Kein Wunder, dass ich schon früh ein leidenschaftlicher Kartenspieler und schlechter Verlierer war? 

Unvergessen eine Heimfahrt von der Wirtschaft, Opa hatte ein Bier zu viel – und ich meine erste Autofahrt, im gelben Audi der Großeltern, die Serpentinen den steilen Berg hinauf hab ich super gemeistert. Dumm war nur, dass die Oma uns beim Einfahren in den Hof gesehen hat … die hat ihm eine Standpauke gehalten, dass wir beide nur noch gezittert haben. Und uns verschwörerisch zu geblinzelt haben …

Die schönsten Stunden aber waren die herbstlichen Ausflüge in den Wald, selbst wenn der Plan ein ganz anderer war, wir haben immer Schwammerl gefunden. Und die konnten wir nicht den Schnecken zum Fraß überlassen. Also musste der Hut oder öfter auch mal eine Weste oder das Hemd vom Opa herhalten, um unsere Schätze heimzutragen. Und immer wusste er, welcher Vogel „das“ war, welcher Baum, welche Spuren …

Wenn ich heute durch den Wald gehe, hab ich immer ein Stück weit mich als Kind dabei, neugierig in alle Richtungen schauend. Und manchmal fällt mir sogar was ein, was der Opa damals gesagt hat … irgendwie habe ich sogar seine Stimme im Ohr, eine bunte Mischung aus den vielfältigen Stimmfärbungen meiner Onkel und meines Vaters, nur sein ganz besonderes Tenor-Timbre, das hat dann doch nur ihn ausgezeichnet. Kein Wunder, dass mir viele Jahre immer von der besonderen Singstimme meines Opas vorgeschwärmt wurde. An die kann ich mich nur leider nicht erinnern. Dafür, dass er immer vor sich hingepfiffen hat.

Meinen Nichten wünsche ich von Herzen, dass sie später auch das Bild von ihren Ausflügen mit ihrem Opa in ihren Herzen mit sich tragen dürfen.

Imme sammelt Nostalgiemomente: „Mach mit, teil deine Erinnerungen! Bei meiner Blogparade zum Thema Nostalgie geht es darum, von einer Kindheitserinnerung zu erzählen, an die du heute noch gerne denkst. Denn was gibt es Schöneres, als in den guten alten Zeiten zu schwelgen?“

Familiengeschichten: Schwammerl

Ich hab ja schon verraten, dass mein Papa ein Pilzsucher mit Ambitionen ist. Gerade wird’s ihm fast zu viel, neben den ganzen Festvorbereitungen und sonstigen Verpflichtungen auch noch täglich in die Schwammerl zu gehen. Rückkehrend mit zwei vollen Eimern verteidigt er sich mit einem verlegenen Lächeln gegen die schon leichten Vorwürfe meiner Mutter, dass es gerade doch wirklich anderes zu tun gebe: „Mein Platz ist mir Verpflichtung, da wachsen viel zu viele. Wenn ich die nicht hole, dann finden andere sie. Und die kommen dann wieder. Nein, das muss ich machen, ist und soll mein Platz bleiben. Der muss verteidigt werden.“ Also, da bleibt ihm doch gar nichts anderes übrig, als täglich „seine“ Schwammerl zu hegen und zu pflegen?

… Nur langsam geht der Platz in der Tiefkühltruhe aus, und tagtäglich Pilze essen, das will er dann doch nicht.

Das mit den Steinpilzen

„Trüffelschwein“ nenn ich meinen Papa wohl besser – denn gestern kam er von seinem einsamen Streifzug durch die heimischen Wälder mit stolzgeschwellter Brust zurück, hat er doch mehrere Exemplare des edlen Steinpilzes gefunden. Also nicht die in Hülle und Fülle wachsenden gemeinen Holledauer „Schwammerl“, sondern echte Steinpilze. Gar nicht mal klein. Die wandern nicht einfach so in einen Topf mit Schwammerlsuppe, nein. Nachdem er sie geschnitten hat wurden die kostbaren fast 50g liebevoll auf einem Blech verteilt (von mir) und im Ofen erst mal 2 Stunden vorgedörrt. Die nächsten Tage dürfen sie schön durchtrocknen, ehe sie als kostbare Zutat in einem Glas mit Schraubverschluss auf den großen Einsatz warten werden, um immer wieder edlen Saucen den letzten Schliff zu verleihen.

Die bezaubernde Nichte war irgendwann die Woche bei den Großeltern zu Besuch und natürlich durfte sie unseren Pilzliebhaber auf einem seiner jetzt wieder recht regelmäßigen Waldbesuche begleiten. Durch ihr scharfes Auge, das deutlich näher am Boden ist, hat sie sogar einige Braunkappen entdeckt, die der Opa übersehen hätte … im Anschluss haben die beiden ganz einträchtig einen riesigen Eimer gemeinsam geputzt, „schau mal Opa, ich mach das ganz gut, fürs erste Mal, oder?“ Ich freu mich so für die zwei, dass sie im Wald als Opa und Enkeltochter so gut harmonieren.