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Mucksmäuschenstill [*.txt]

Weit oben droben, auf etwa 1.900 Metern, ganz allein. Der Stille lauschen. Den Wolken zusehen, wie sie ohne ein Geräusch zu machen dahinziehen. Wie sie sich an den Berggipfeln vorbeischleichen, ins Tal hinunterwehen oder in den Himmel entschweben. Einen Greifvogel beobachten, wie er minutenlang majestätisch kreist, lautlos. Ein Flugzeug fliegt über die Gipfel, nicht zu hören. Nur der Windhauch ist etwas scharf, vernehmbar. Auf der Alm, auf den Weiden des Bergrückens, hin und wieder bimmelt eine Kuhglocke. Hört man ein Pferd schnauben, ein Huhn scharren oder ein Lämmchen blöken. Nichts stört. Es ist himmlisch ruhig. Mucksmäuschenstill. Pst. Leise. 

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 9. Wort lautet „Mucksmäuschenstill „. Und aktualisiert für dieses Schreibprojekt, das sich dem Thema „Stille, die der Mensch ist“ widmet und damit genau mein erlebtes Stille-Gefühl einfängt: Stille in mir, damit ich die Stille um mich wahrnehmen kann.

Narrenfreiheit [*.txt]

Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Heißt es. Sagt man so. Was genau hat es mit dieser vielzitierten  Narrenfreiheit zu tun? Wer definiert, welche Freiheiten sich ein Narr herausnehmen darf? Welche Wahrheit zählt? Wie ist es, wenn eine sogar nur scheinbare Machtposition ausgenutzt wird? Wo ist die Grenze zwischen Narrenfreiheit und nicht ok? Wenn Verhalten Grenzen überschreitet, andere Menschen gefährdet, seelisch oder körperlich zu weit geht …? Das Leben ist kein Ponyhof, darf man sich als Erwachsener so benehmen? Mimimi und so? Ein bisschen wie der Stärkste im Kindergarten, tust du nicht, was ich will, dann hau ich dich …

Die Freiheit des Narren hat in der ursprünglichen Definition etwas mit Ehrlichkeit zu tun. Traditionell hatte der Narr an den Höfen des Mittelalters die „Freiheit“, den hohen Herren Wahrheiten vor Augen zu halten. Jetzt die Frage: wie funktioniert es andersherum? Also wie hält man dem Narren, der sich mit seinem Verhalten lächerlich macht, den Spiegel vor?

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 8. Wort lautet „Narrenfreiheit“.

Wahn [*.txt]

Es ist was es ist. Kurzsichtig. Planlos. Aus dem Bauch heraus. Ein Nichtakzeptieren, Vielleicht sogar Nichterfassen von klaren Gegebenheiten. Ein Sich-Tatsachen-Verschließen. Ein Ignorieren. Ein Sich-Sträuben gegen das, was alle anderen empfehlen. Es ist auch ein kleines bisschen Hoffen, dass es schon irgendwie gehen wird. Kein Weitblick. Keine Vision. Keine Strategie. Keinerlei Plan. Ein möglicherweise auch an der Realität Vorbeischrammen. Eine Überbewertung der Tatsache, dass es ja bislang auch immer so lief. Ein Alles-am-liebsten-so-haben-wollen-wie-es-immer-war. Möglicherweise ein Trugschluss. Sehr wahrscheinlich der erste Schritt auf dem Weg in die falsche Richtung. Und dennoch richtungsweisend …?

Es ist Wahnsinn.

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Eine Beobachtung aus meinem heute durchaus wahnsinnig zu nennenden Arbeitsalltag als Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 3. Wort lautet “Wahn”. Und dazu sei treffender als selten zuvor noch zitiert: „Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.“ (Albert Einstein)

Distanz [*.txt]

Einen Meter, mindestens, manchmal auch mehr – brauche ich, zwischen mir und Menschen, die ich nicht kenne. Diese Distanz hilft mir, erst mal anzutesten, ob ich den anderen „riechen“ kann. Mit seiner Energie klarkomme. Näher sollte mir ein Fremder besser nicht kommen. Das ist mein persönlicher Abstand. Und ich respektiere das auch bei anderen. Näher kommen kann man sicher immer noch. Später. Wenn man sich schon beschnuppert hat. Oder auch nicht.

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 16. Wort lautet “Distanz”.