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Mittlerweile [*.txt]

Am Anfang war eine Ahnung – dass sich „etwas“ tun muss. Damit unsere Eltern seniorengerecht alt werden können. Es folgten Gespräche, Ideen, Pläne.

Dann kam die Arbeit. Für die ganze Familie. Nicht wenig, aber auch nicht zu viel.

Damit begann die Veränderung. Das Zuhause wurde zur Baustelle. 

Aus Tagen wurden Wochen – wurden Monate – wurden Jahre.

Zwischendurch war schon mal Weihnachten, damals noch alles ganz neu, ungewohnt, vieles unfertig.

Dann kam das zweite Baustellenjahr. Routiniert. Trotzdem immer überraschend. Und niemals langweilig. Nein, ganz bestimmt nicht …

Mittlerweile ist immer noch nicht alles fertig-fertig. Aber es ist wieder Zuhause. 

Fühlt sich gut und richtig an.

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Das zwölfte Wort von Dominiks txt-Projekt lautet „mittlerweile„. 


Für mich ein willkommener Zeitpunkt, das neue alte Zuhause zu definieren:  

Zuhause ist, wo die Liebe wohnt, wo Erinnerungen geboren werden, wo Freunde immer willkommen sind und jederzeit ein Lächeln auf dich wartet …

In unserem Zuhause 

  • wird gelebt
  • geben wir zweite Chancen
  • sagen wir Bitte und Danke 
  • haben wir Spaß
  • werden Fehler gemacht und verziehen
  • ist es mal laut und mal leise
  • geben wir unser Bestes
  • wird getanzt und gelacht
  • ist es bunt und lustig
  • wird geliebt
  • sind wir eine Familie

(Quelle: homesticker.de)

Mutmachgeschichte

Eine Familiengeschichte. Es ist nicht meine Geschichte, aber ich darf diese Familie als Freundin seit mittlerweile mehr als 2 Jahrzehnten begleiten. Noch länger ist der Krebs dabei, in Form eines inoperablen Gehirntumors. Täglich. Er hat das Leben einer damals jungen Familie auf den Kopf gestellt. Statt sich als junge Mutter um das dritte Kind zu kümmern, war Krankenhaus angesagt. Alle Rollen waren untypisch, ein Vater, der den Laden schmiss, Töchter, die ganz untypisch für ihr Alter Rollen im Familiengeschehen einnahmen, die kleine Schwester, die in dieser ganzen Konstellation ankam. Jeder musste sich irgendwie mit der Situation arrangieren …

Und natürlich immer die Krankheit, die Sorge, die Ungewissheit. Der Tumor war wie ein permanenter Begleiter, mal präsenter, mal weniger. Er ist nie weggegangen, musste immer wieder aus neuen Perspektiven betrachtet werden. Da waren sehr schwere Operationen, jedes Mal eine Entscheidung auf Leben und Tod.

Jedes Familienmitglied kommt mit der Konstellation bis heute anders klar, jeder hat sich seinen Weg gesucht. Ob krank oder gesund, die Gesamtsituation erfordert, dass man sich ihr stellt. Auch, wenn man sich hin und wieder freimacht, es gehört zur eigenen Entwicklung und prägt – nicht nur durch die lange Krankengeschichte – das Leben.

Es ist eine Familiengeschichte, die anderen Mut machen kann. Denn jeder kann davon lernen, nichts als endgültig zu sehen. Diagnose bedeutet nämlich nicht: so wird es ab sofort für immer bleiben. Im Gegenteil, es entsteht immer wieder eine neue Dynamik. Manchmal Stagnation, manchmal Rückentwicklung, auch Schritte vorwärts. Und ganz automatisch ist es auch eine Geschichte des Loslassens. Immer wieder und dann von vorne, sobald man sich an eine Situation gewöhnt hat, kann schon wieder alles neu und anders sein. Es bleibt spannend, das Leben bleibt spannend. Positiv wie negativ. Das habe ich gelernt. Wir können es nur annehmen und für uns gestalten. Wenn wir damit aufhören, dann hört auch unser Leben auf und wir warten aufs Ende …

Sandra alias Pink Mind sammelt Mutmachgeschichten.

Mucksmäuschenstill [*.txt]

Weit oben droben, auf etwa 1.900 Metern, ganz allein. Der Stille lauschen. Den Wolken zusehen, wie sie ohne ein Geräusch zu machen dahinziehen. Wie sie sich an den Berggipfeln vorbeischleichen, ins Tal hinunterwehen oder in den Himmel entschweben. Einen Greifvogel beobachten, wie er minutenlang majestätisch kreist, lautlos. Ein Flugzeug fliegt über die Gipfel, nicht zu hören. Nur der Windhauch ist etwas scharf, vernehmbar. Auf der Alm, auf den Weiden des Bergrückens, hin und wieder bimmelt eine Kuhglocke. Hört man ein Pferd schnauben, ein Huhn scharren oder ein Lämmchen blöken. Nichts stört. Es ist himmlisch ruhig. Mucksmäuschenstill. Pst. Leise. 

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 9. Wort lautet „Mucksmäuschenstill „. Und aktualisiert für dieses Schreibprojekt, das sich dem Thema „Stille, die der Mensch ist“ widmet und damit genau mein erlebtes Stille-Gefühl einfängt: Stille in mir, damit ich die Stille um mich wahrnehmen kann.

Narrenfreiheit [*.txt]

Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Heißt es. Sagt man so. Was genau hat es mit dieser vielzitierten  Narrenfreiheit zu tun? Wer definiert, welche Freiheiten sich ein Narr herausnehmen darf? Welche Wahrheit zählt? Wie ist es, wenn eine sogar nur scheinbare Machtposition ausgenutzt wird? Wo ist die Grenze zwischen Narrenfreiheit und nicht ok? Wenn Verhalten Grenzen überschreitet, andere Menschen gefährdet, seelisch oder körperlich zu weit geht …? Das Leben ist kein Ponyhof, darf man sich als Erwachsener so benehmen? Mimimi und so? Ein bisschen wie der Stärkste im Kindergarten, tust du nicht, was ich will, dann hau ich dich …

Die Freiheit des Narren hat in der ursprünglichen Definition etwas mit Ehrlichkeit zu tun. Traditionell hatte der Narr an den Höfen des Mittelalters die „Freiheit“, den hohen Herren Wahrheiten vor Augen zu halten. Jetzt die Frage: wie funktioniert es andersherum? Also wie hält man dem Narren, der sich mit seinem Verhalten lächerlich macht, den Spiegel vor?

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Ein Beitrag zu Dominiks [*.txt]-Projekt, das 8. Wort lautet „Narrenfreiheit“.