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Short Stories: Musik deines Lebens

musikZur Musik meines Lebens könnte ich Listen füllen oder einen eigenen Blog schreiben, ich würde nie fertig werden, denn immer wieder kommen neue Melodien, Noten, Stimmen, Stücke dazu. Aber es gibt ein Stück, das zu mir gehört, das einen Punkt in meinem Leben markiert. Vorher habe ich für mich gesungen, aus Spaß. Dann kam Amazing Grace – mein erstes und noch dazu öffentliches Solo. Im Rahmen eines Jugendgottesdienstes, den wir als Gruppe gleichaltriger Mitsänger und -sängerinnen gestaltet haben. Diejenige, die unsere Gruppe geleitet hat, fragte mich, ob ich ein Stück alleine singen würde. Theoretisch mit Band, aber weil ich halbtot vor Nervosität war, hab ich irgendwann einfach begonnen. Ein paar Töne zu tief, piepsig, ganz allein. Füllte mit meiner Stimme eine Kirche, in der außer mirwohl  jeder die Luft anhielt. Ich schnappte dagegen bei jeder sich mit bietenden Möglichkeit nach Atem, vor lauter Aufregung hätte ich pro Sekunde mehrfach schlucken können. Ah! Es war schrecklich. Im Hintergrund versuchten die Musiker verzweifelt einzusteigen – klappte erst zur zweiten Strophe. Und trotzdem hat mich danach der Leiter des Kirchenchors eingeladen, mitzusingen? Obwohl er dabei war, alles mitbekommen hat … Schon kurz darauf wurde ich Solistin, habe mich durch Mozart, Schubert, Haydn und Mendelssohn gearbeitet. Zwischendurch war ich sowas wie ein Profi-Laie, hatte die Nervosität durch Technik und Praxis richtig gut im Griff. Heute bin ich oft nervös wie damals, was mich oft an Amazing Grace zurückdenken lässt … Eine wundervolle Version gibt es von der fantastischen Leann Rimes, die ich gerne mit euch teilen möchte

In diesem Monat fragen Andrea und Bine: Erzähl mal! Welche Lieder haben Dich in Deinem Leben begleitet, welche sind Deine Lieblingslieder, welche kannst Du einfach nicht mehr hören. Was ist die Musik deines Lebens?

Co-Sänger

Samstag in irgendeiner Kirche in Bayern: pünktlich um halb 10 stehe ich auf der Empore, um einen mir nicht bekannten Organisten und Sänger kennenzulernen und mit den beiden für die unmittelbar bevorstehende Hochzeit zu proben. Die Braut kommt aus der Gegend, der Bräutigam stammt aus Irland. Mein Co-Sänger ist bester Freund des Bräutigams und laut Aussagen des Brautpaares singt er „ganz toll“. Die Noten hat er bekommen und zugesichert, pünktlich zum gemeinsamen Proben zu erscheinen. Organist und Sängerin fangen aus Ermangelung des Co-Sängers schon mal an zu Proben. Läuft gut, die Stücke sind nicht zu schwierig, passen gut zur Orgel, die Akkustik ist toll. Der Co-Sänger erscheint, er ist schwer zu verstehen, was nicht nur seinem irischen Akzent geschuldet ist. Leider hat er keine eigenen Noten dabei, er dünstet noch etwas den reichlichen Bierkonsum des Vorabends aus …

Gut, das kann Frau verkraften. Schwieriger ist die Tatsache, dass er die beiden Stücke nicht KANN. Ich singe ihm Passagen vor, mehr und mehr stellt sich heraus, dass er keine Noten lesen kann. Und dass es ihm auch sowohl an Stimme als auch an, nennen wir es mal melodischem Grundverständnis fehlt. Hm, ok, der Organist und ich kommen nach knapp eineinhalb Stunden ohne wesentliche Verbesserung überein, dass er nur bei einem Stück mitsingen soll – und ich ihn auch dabei bei seinem Part unterstütze.

In der Kirche wars ziemlich kalt, das Brautpaar kam verspätet, alles war etwas unkonventionell. Und vor allem mit vielen ungeplanten Unterbrechungen. Mein Co-Sänger wurde vor dem gemeinsamen Stück immer nervöser, zum Glück war ich recht ruhig. Das Stück ist nicht arg lang, ich kann auch im Nachhinein nur sagen: zum Glück. Dann war der Traugottesdienst vorbei, wir machten uns zu dritt auf den Weg nach unten, vorbei an einem ganzen Chor, der die anschließende Taufe musikalisch umrahmen sollte – und alle sehr ungehalten waren, ob der zeitlichen Verzögerung, die ja immerhin ihre Probenzeit auf Null verkürzte.

Unten angekommen die Gratulation ans Brautpaar: ein überglücklicher Bräutigam, der seinen Freund in die Arme schloss, mit Tränen der Rührung. Eine Braut, die sich aufrichtig bei mir bedankte und mir dann quasi unbemerkt zuflüsterte, dass sie wirklich nicht wusste, wie seine Sangeskunst sei, dass ihr aber jetzt klar sei, dass ihr Mann einfach keine Ahnung von Musik habe 🙂