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Spruch zum Wochenende: Lichtblick

Manchmal muss ich schon sehr über mich grinsen, denn ich bin eigen. Um etwas abzuschließen habe ich meine Rituale. Dazu gehört definitiv das Putzen. War nach dem Abitur und Studium so, am Ende von Beziehungen – und um Jobs abzuschließen. Nach meinem letzten Arbeitstag habe ich diese Woche also damit verbracht, in meiner Münchner Wohnung sprichwörtlich zu entrümpeln und mehr als einen großen Müllsack entsorgt. Seit gestern geht’s im renovierten Elternhaus weiter, auch hier hab ich gestern einen Kofferraum voll Papier und Altglas zum Container gebracht und es scheint, da geht noch einiges.

Passend dazu mein Spruch zum Wochenende: „Auch wenn wir uns manchmal durch einen ziemlichen Berg von Problemen wühlen müssen, irgendwann sehen wir wieder Licht.“ (Jochen Mariss)

Sonntagsfreude: Messezeit

Und jährlich grüßt das Murmeltier: gefühlt sind die Tage vor der Messe immer zu kurz, alles kommt zu plötzlich. Trotz guter Vorabplanung sind auch dieses Jahr zu viele spontane Zusatzaufgaben reingekommen. Mittwoch fuhr mein ICE auf Umwegen, deshalb kam ich zu spät. Als gefühlt jeder andere bereits seine ersten Impressionen und Bilder vom „längst“ da sein mitgeteilt hatte … Dennoch beginnt mit dem ersten Schritt aufs Messegelände das Ritual, das Gefühl, auf dem eigenen Klassentreffen anzukommen. Man sieht unterwegs so viele bekannte Gesichter, umarmt sich, begrüßt sich, tauscht sich aus …

Insgesamt waren es 2018 knapp 50.000 Schritte, die auf der ITB ja gefühlt einmal um die ganze Welt führen – mit Ausnahme von ca. 5 bin ich durch alle Messehallen gehastet. Zu wenig getrunken, nichts gegessen … manche Dinge ändern sich nie. Wobei: Keine Partynächte, sondern am Mittwoch eine Herzensfreundin getroffen und „Quality Time“ genossen, Donnerstag im kleinen Kollegenkreis ausgezeichnet gegessen. Und dieses Jahr den Freitag privat verlängert, die eigentlich angesetzte Party fiel aus, wir waren in großer Runde aus – dabei hat meinen Abend vor allem die kleine, quirlige 4er-Mädelsrunde ausgemacht. Unser gemeinsamer Heimweg war ein einziges Erlebnis, voll Lachen, Zwinkern und sich miteinander Wohlfühlen.

Gestern haben wir trotz ausgefallenen Verbindungen unseren schnellen ICE nach Hause bekommen … jetzt hab ich 12 Stunden Schlaf nachgeholt und fühle mich besser. War wichtig, denn heute treffe ich eine alte Freundin, die normalerweise eine halbe Weltreise von mir entfernt lebt. Was für eine internationale Woche 🗺

Achja, mal wieder Berlin und ich: mein Hotel hat mir als ITB-Besucher einen Hinweg-Fahrplan für den öffentlichen Nahverkehr mit auf den Weg gegeben. 3 Stationen U-Bahn, 6 Stationen Ring-S-Bahn. Unter 20 Minuten, perfekt. Nur wollte ich Donnerstag zurück, war etwas müde – und stieg in die „richtige“ Ring-S-Bahn. Einmal rund um Berlin. Zum Glück war unterwegs die End-Haltestelle „meiner“ U-Bahn, so kam ich unter einer Stunde nach Hause … ich bin und bleibe ein hoffnungsloses Landei in der großen Großstadt 😉

„Am Sonntag einen Blick auf die vergangene Woche richten: Bild(er), Worte, Gedanken… die ein Lächeln ins Gesicht zaubern, einfach gut tun oder ohne große Erklärung schlicht und einfach eine Sonntagsfreude sind.“ Leider hat Rita das schöne Projekt Sonntagsfreude eingestellt, ich teile meine persönliche weiter mit euch, denn mir geht es um den ursprünglich von Maria ins Leben gerufenen Gedanken – sich liebevoll an die vergangene Woche erinnern, nicht immer gleich zur Tagesordnung übergehen, sondern die kleinen Glücksmomente einfangen, um sich auch später daran zu erinnern.“

Das mit dem Reimen

Schon seit Monaten ist bei der bezaubernden Nichte Reimen „in“. So werde ich neuderdings neckisch mit „Coco-Loco“ begrüßt – kürzlich haben wir uns dann gegenseitig richtig hochgeschaukelt, und sie musste über die Reim-Variationen „Zitroni“, „Maroni“, „Toni“ sooooo herzlich lachen …

Das mit dem Glauben an Gott

Aus einem Gespräch während einer Autofahrt im Sommer letzten Jahres mit der bezaubernden Nichte hab ich einen Gedanken mitgenommen, den ich schon länger in Worte fassen möchte: jeder glaubt anders. Ob es Gott gibt. Wie man Religion für sich interpretiert. Jede Entwicklung ist individuell. Auch wenn Kinder als Geschwister in einer Familie aufwachsen und die selbe Religion kennenlernen bedeutet das noch lange nicht, dass für sie Religion und Glauben gleich sind … wisst ihr, was ich meine?

Am einfachsten ist wahrscheinlich, wenn ich euch das am Beispiel der Patenkinder verdeutliche: Wenn Mademoiselle (7) gefragt wird, wie sie sich Gott vorstellt, antwortet sie: „Er hat einen weißen Mantel und einen Bart. Er hat Füße und Hände.“ Monsieurs (12) Vorstellung hat nichts mit einem menschlichen Körper zu tun: „Wie Nebel, man kann ihn nicht sehen aber er ist einfach da.“ Auf die Frage „Wo lebt Gott?“ antworten beide gleichzeitig und unisono: im Himmel. Beim Thema „Wo ist Gott?“ ist für Mademoiselle klar, dass er überall da ist, wo Menschen Hilfe brauchen, Monsieur dagegen meint: bei den Engeln.

Was es beiden bedeutet, in die Kirche zu gehen? Mademoiselle verbindet mit dem Kirchgang etwas Heiliges, sie hat das Gefühl, ganz nah bei Gott zu sein, Monsieur mag es, in der Kirche zu sein, vom Alltag loszulassen und in die Welt Gottes einzutauchen. Beide haben ihren ganz eigenen Zugang zum Glauben, obwohl sie in einer Familie aufwachsen, machen sich über die Erziehung hinaus eigene Gedanken und finden so ihren eigenen Zugang.

Auch die bezaubernde Nichte beschäftigt sich mit dem lieben Gott, der ist für sie ganz selbstverständlich und einfach nur gut. Genauso wie sie an den Himmel glaubt, da sind ja alle schon Verstorbenen, die sie noch kannte, wie die Uroma und der Opa, aber auch ihre Tante und alle anderen Familienmitglieder, über die wir öfter erzählen. Aber von der Kirche bzw. vom regelmäßigen Kirchgang ist sie nicht überzeugt, „das machen wir halt nicht so“. Sie geht lieber so mal in eine Kirche, zündet eine Kerze an, oder gießt die Gräber auf dem Friedhof.

Für mich gehörte der Kirchgang als Kind selbstverständlich dazu, genau wie das Tischgebet. Ich fand es bis zu einem gewissen Alter schön, die Gebete, die Abläufe, der Gesang. Das war für uns Kinder ein Lernen, ein Hineinwachsen in Strukturen. Die erste Bank für die Erstklässler, jedes Schuljahr kam die nächste Bank. Nach der Kommunion dann das Mitlaufen nach vorne, um die grässlich schmeckende Oblate zu empfangen. Ungefähr zu der Zeit regte sich zum ersten Mal Widerspruch in mir, das mit dem Beichten wollte mir nicht gefallen. Warum sollte man dem Herrn Pfarrer Sünden berichten? Und ist ein kleines Schwindeln wirklich eine Sünde, über die ein Wildfremder urteilen darf?

An was ich davor geglaubt habe weiß ich nicht mehr wirklich. Der liebe Gott war gut, ich habe mich in meinem Glauben einfach behütet gefühlt. Es war nicht die Religion, die Deutung, an die ich geglaubt habe. Sondern eine gütige Gottheit, eine Kraft, ein Überwesen, das seine schützende Hand über mich und meine Lieben hält. Am Glauben an das Gute, an christlichen Werte wie Nächstenliebe, und auch die Hoffnung auf ein Leben nach dem Tod im Himmel, das habe ich mir erhalten. Mit der Kirche kann ich mich seit meinen Teenagertagen bis heute in den Abläufen arrangieren, mag den oft feierlichen Aspekt der Messe. Und ich genieße die Musik. Meistens.

Vor allem genieße ich aber seitdem die Architektur, die Ausstattung. Und wie als Kind kann ich mich wunderbar im Beobachten ablenken, ein Deckenfresko oder Altarbild bietet auch beim 1000. Mal Betrachten bestimmt noch die ein oder andere Überraschung. Wenn ich zuhöre begebe ich mich manchmal auf einen innerlichen Disput mit den Inhalten, dem Content dessen, was die Geistlichen da manchmal von sich geben. Und frage mich dabei manchmal doch sehr, was das alles mit dem Glauben auf sich hat, was die Kirche so tut …

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Ein Beitrag zum Schreibprojekt von Miss O’Laugh.