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Sonntagsfreude: Baustellenupdate

Manchmal muss man innehalten, sich zurücklehnen, etwas aus jeder Perspektive betrachten und sich einfach über den klitzekleinen Fortschritt freuen. Gestern hab ich erst beim Fachhändler meines Vertrauens eine ganz andere Farbpalette durchwühlt, als ich sie vorher in meinem Kopf hatte. Aber trotzdem gut gewählt. Dann wieder mal viel zu lange alle Utensilien zusammengesucht, weil meine Ordnung (habe alles in einen Schrank gepackt) ist schlicht nicht die meiner Familie. Sie legen eines hier, das andere da, das dritte dort hin und suchen wohl lieber. Um schließlich der zukünftigen kleinen Küche einen farblich abgestimmten Anstrich, wasser- und schmutzabweisend, im Arbeitsbereich zu verpassen. Mir gefällts – jetzt stehen Tisch und Kühlschrank, Herd und Ofen sind angeschlossen, der Wasseranschluss zum Spülbecken ist leider ein paar Zentimeter zu kurz, da muss der Fachmann-Freund noch mal ran, und ein zweiter kümmert sich um die paar fehlenden Zentimeter von der Arbeitsplatte zur Wand (das ist der Nachteil in einem alten Haus, die Mauern sind nie gerade, auch wenn sie neu verputzt wurden). Irgendwann werden wir die Dumstabzugshaube an die Wand dübeln. Und dann wäre auch dieser Meilenstein langsam, aber sicher fertig. Heute werde ich den Ofen testen, denn zu Mittag gibt’s Familienpizza. Selbstgemacht, kommt alles mögliche drauf. Und mag die ganze Familie, bis auf den Herrn Papa, der freut sich auf das restliche Gulasch von gestern.

Mehr Sonntagsfreude sammelt Rita, die gleich 3 Geburtstage feiern durfte, herzlichen Glückwunsch auf diesem Wege.

Integrations-Bau

406Heute war in der Dorfkirche eine „einheimische“ Hochzeit, da musste ich dran denken, dass mir vor ein paar Wochen etwas Unerwartetes und Besonderes passiert ist – und den Gedanken daran festhalten. Eine nicht ganz gleichaltrige „Einheimische“ hat mich nämlich beim Einkaufen angesprochen, da sie als Tante für die Taufe ihres Neffen in der Stube des Feuerwehrhauses dekorieren sollte. Und da wurde ihr von den Damen des Dorfes tatsächlich empfohlen, bei mir nachzufragen, „das soll damals bei der Taufe deiner Nichte so schön gewesen sein.“

Ich halte das aus zwei Gründen fest: Zum einen war die Deko damals alles andere als ausgefallen. „Meine“ Deko ist immer sehr natürlich, jahreszeitlich. Die bezaubernde Nichte wurde im Oktober getauft, also gab es eine späte Sonnenblume, Kastanien, dazu grüne und orange Physalis. Und wir hatten rosa-weiß-karierte Servietten. Das wars. Sah aber wirklich schön aus, zum dunklen Holz der Tische.

Zum anderen aber bin ich in meinem Heimatort eigentlich nicht sehr integriert. Das liegt zugegebenermaßen nicht an mir, aber ich wohne einfach nicht da, war auf einer höheren Schule, habe studiert. Selbst in meinen Chorzeiten war ich, ohne es zu wollen, anders als die anderen. Hatte und hat nichts mit meiner Einstellung zu tun, ich grüße jeden, ratsche, bin sehr offen. Aber das kommt nicht automatisch zurück. Umso mehr gefreut habe ich mich, sowohl über die Frage, als auch über die Empfehlung der Landfrauen.

Meine Mutter hat es mir so erklärt: das Dorf hat durch die Renovierung gesehen, dass ich mich, obwohl ich hier nur die Wochenenden verbringe, ins Dorfleben einbringe. Das wird anerkannt. Und so kommt eine Referenz zu mir, die ich gar nicht bei mir ansiedeln würde … Muss ich mir merken 🙂

Spruch zum Wochenende: Machen

„Warte nicht bis alles genau richtig ist. Es wird niemals perfekt sein. Es wird immer Herausforderungen, Hindernisse und nicht optimale Bedingungen geben. Na, und? Fang jetzt an. Mit jedem Schritt, den du unternimmst, wirst du stärker und stärker, immer geschickter, immer selbstbewusster und immer erfolgreicher.“ (Mark Victor Hansen)

Wenn es um richtige Zeitpunkte geht, dann würden viele von uns wartend verharren? Ich hatte gestern mal wieder ein Schlüsselerlebnis, habe etwas selber gemacht, eigentlich ausprobiert. Auf die Gefahr hin, dass ich es nicht kann, etwas kaputt mache. Und was soll ich sagen, es hat geklappt, sieht ganz ok aus. Erledigt, statt darauf zu warten, dass es ein anderer macht. Der wahrscheinlich genauso unsicher wie ich drangegangen wäre. Und bin heute stolz, dass ich wieder einen von den vielen vielen kleinen „noch zu erledigen“ Punkten auf der unendlichen Baustellenliste abhaken kann … euch allen ein schönes Wochenende.

Baustellengedanken

Samstag Nachmittag hatten wir einen anderen Bauherren als Besucher auf der Baustelle, der auch gerade einen „alten Kasten“ renoviert, gestern Abend kam eine Nachbarin auf einen Ratsch und ein paar Fragen vorbei, die überlegt, am eigenen, noch mal mindestens 50 Jahre älteren, Haus notwendige Renovierungen durchzuführen. Und seitdem mach ich mir so meine Gedanken, warum es manchen Menschen ein Anliegen ist, ein Haus zu pflegen, zu sanieren, zu erhalten. Und anderen fällt es gar nicht schwer, verfallen zu lassen und wegzureißen. In meinem Kopf hab ich dabei immer als Gegensätze eine Jugendstilvilla und ein Bauernhaus in meinem Heimatort. Die Villa steht in einer Reihe alter Bürgerhäuser, die wahrscheinlich alle so um 1900 gebaut wurden. Dazwischen stehen bereits „moderne“ Häuser, dennoch haben sich die Besitzer der Eckvilla in den 90er Jahren entschieden, die Fassade originalgetreu zu renovieren, die Fenster allein sind eine Meisterleistung, die Haustüre könnte ich stundenlang betrachten, das Dach ist einfach wunderschön. Ich schaue das Haus jedes Mal mit großer Bewunderung an, freue mich daran. Herrlich. Dann gibt’s seit ich Denken kann das vor sich hin verfallende Bauernhaus. Mit einem wunderschönen schmiedeeisernen Balkon, einem noch original Lastenaufzug zum Speicher, einer typisch geschnitzten Verzierung der Untersicht. Aber die letzten 10 Jahre war auch zu sehen, dass im Haus alles zerfällt. Hab mir immer wieder vorgenommen, zu fragen, ob ich den tollen Balkon abkaufen kann … Zu spät, in nicht mal einer Woche wurde das gesamte Anwesen jetzt abgerissen und auf die Müllkippe gefahren. Genau darüber hab ich mich mit den Besuchern unterhalten, über das Erhalten und Neugestalten von alter Bausubstanz. „Bauen für die Ewigkeit“ hieß es früher mal, vielleicht nicht gar so lange. Aber in Häusern stecken so viel Rohstoffe, so viele Arbeitsstumden, also etwas mehr als 100 Jahre sollten sie schon stehen dürfen. Oder?